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Musik in Friesdorf: Kirche und Kultur als Geschwister

Musik in Friesdorf : Kirche und Kultur als Geschwister

Die Veranstaltungsreihe „Kultur.Abend.Segen“ an der Pauluskirche muss weiter pausieren. Pfarrer Jochen Flebbe plant weiter, auch wenn der Lockdown ihn immer wieder zu Änderungen im Ablauf zwingt.

Wie es Jochen Flebbe und seiner an der evangelischen Pauluskirche im Juni 2020 gestarteten Reihe „Kultur.Abend.Segen“ derzeit geht? „Es ist im Augenblick zermürbend, zu planen und immer wieder absagen zu müssen“, antwortet der Pfarrer ehrlich. Wie berichtet, hatte Flebbe nach dem ersten Lockdown das neue experimentelle Format in der Thomas-Kirchengemeinde an den Start gebracht, bei dem Musik, Meditation und Segen gleichwertig nebeneinander stehen und, wie er sagt, „sich wunderbar befruchten sollen“. Ihn habe überwältigt, wie froh die Künstler waren, wieder auf der Bühne, diesmal der Bühne Kirche stehen zu können und vor „echten Menschen“ zu spielen, berichtet Flebbe von den ersten Veranstaltungen. Auch das Publikum habe sofort mitgezogen und Spenden gegeben. Der Eintritt ist frei.

Die Kombination aus Musik und kleinen meditativen, anregenden, spirituellen und nachdenklichen Texten wie etwa bei Leon Gurvitchs Soloklavierprogramm „I got rhythm“ sei prima angekommen. „Eigentlich waren alle Veranstaltungen gut besucht, erst die vierzig zulässigen Plätze, im September auch mehr.“ Und dann habe man leider die zweite Bonner Begegnungswoche im November pandemiebedingt absagen müssen.

Übrig geblieben seien Gottesdienste mit Seyran Atesch und Anselm Grün als Publikumsmagneten. Da habe man dann zahlreiche Menschen abweisen müssen, bedauert es Flebbe. Deshalb habe das ehrenamtliche Team um Sven Maurmann und Rainer Steinbrecher nicht nur die Gottesdienste, sondern auch die Kulturveranstaltungen gestreamt, was viele Online-Zuschauer angesprochen habe.

Aktuell müsse leider wieder alles abgesagt oder verschoben werden, hoffentlich nur auf den April, meint Flebbe nachdenklich. Man plane, den „Kultur.Abend.Segen“ dann kurzfristig wieder jeden Freitag um 18 Uhr aus dem Boden zu stampfen. „Wir versuchen jetzt, spontan zu agieren“, sagt der Pfarrer. Um dann im November hoffentlich doch wieder eine Veranstaltungswoche machen zu können. Dieses Mal soll es ein „Pianoherbst“ mit Jazz und Klassik und vielen kleinen Texten werden. Und wenn auch dann kein Live-Programm mit Publikum laufen kann? Dann werde man es eben nur online anbieten, antwortet Flebbe.

Und dann schildert er, warum Kultur und Kirche Geschwister seien. „In Kunst und Gottesdienst geht es darum, Unaussprechliches auszusagen, Worte und Töne für etwas zu finden, was man eigentlich nicht beschreiben kann.“ Dass der Mensch vor allem Herz und Seele in einer materialistischen und durchgetakteten Welt ist, das sei das Thema des Glaubens und der Kunst. Mit dem neuen Programm spreche man Menschen weit über die Gemeindegrenzen hinaus aus Bad Honnef und der Eifel, aus Bornheim und Meckenheim an. Katholiken seien ebenso dabei wie Menschen, die damit erstmals eine Kirche betreten. „Wir würden gerne noch mehr jüngere Menschen, junge Familien und noch mehr Menschen aus allen Schichten über ein bildungsbürgerliches Publikum hinaus erreichen und miteinander ins Gespräch bringen“, wünscht sich Flebbe. Dazu habe man nun die Initiative „Kult.Ur.Gemeinde.BONN“ an der Pauluskirche gebildet.