Elf Tage Rummel in Bad Godesberg Kirmeskind mit Akkuschrauber und Schraubenschlüssel

Bad Godesberg · Letzte Vorbereitungen fürs Bad Godesberger Volksfest auf der Rigal’schen Wiese. Die läuft dort vom 5. bis 15 April. Auch, weil ein zweijähriges Kirmeskind so toll mit anpackt.

Probesitzen im Twister: Zweimal Karl-Heinz Kipp.

Probesitzen im Twister: Zweimal Karl-Heinz Kipp.

Foto: Axel Vogel

Karl-Heinz ist mit seinen zweieinhalb Jahren schon ein richtiges Kirmeskind. Kein Wunder, ist er doch der jüngste Spross der Familie Kipp. Mit einem Akkuschrauber und Schraubenschlüssel arbeitet er gekonnt am Camaro-Autoscooter, damit der bald fahrbereit ist. Gut, anstatt Verbindungen festzuzurren, steckt er das Werkzeug lieber in ein Rohr.

Doch seine Begeisterung für den Rummel ist dem Jungen jetzt schon anzumerken, er wird wohl selbst mal in die Fußstapfen seiner Eltern und Großeltern treten. Er und all die anderen Schausteller freuen sich, dass sich ab diesem Freitag um 14 Uhr wieder die Karussells auf der Rigal’schen Wiese drehen – vom 5. April bis 15. April (siehe „Die Kirmes“).

Die Kirmes ist sozusagen eins zu eins vom Beueler Rheinufer auf den Parkplatz an der Stadthalle gezogen, nur das weiße Riesenrad wollte nicht mit: Es bleibt noch bis 20. Mai an der Kennedybrücke stehen. Die Godesberger müssen sich nicht grämen, bekommen nämlich exklusiven Ersatz mit dem Mr. Beat. Damit der gut klingt, hängt ein Mitarbeiter gerade die gelben Lautsprecher auf. Und damit er gut fährt, werden jeden Tag die Lager gefettet, erklärt Johann Schaak von der Euskirchener Betreiberfamilie. Auch die Zahnräder sollen nicht trockenlaufen.

Mr. Beat bietet ein Fahrgefühl ähnlich der Krake: nur noch schneller und rasanter. Kinder werden wohl eher die Trampoline nebenan erobern wollen. „Das ist beliebt. Das kann jeder. Und man muss nicht damit fahren. Nur festhalten und springen“, sagt der junge Mann, der von Chorweiler nach Godesberg angereist ist.

Bekannt sind die Schaaks für ihren Reibekuchenstand, der seit mehr als 25 Jahren an der Fronhofer Galeria auf dem Nikolausmarkt steht. Die hausgemachten Kartoffelplätzchen verkauft auf der Rigal’schen Wiese Fredi Rüwe – „hausgemacht nach altem Rezept“ – und lässt an seiner „Crazy Duck“ Kunststoffenten im Kreis schwimmen: Angeln erwünscht. „Das ist der Kindermagnet hoch drei“, versichert der 34-jährige. Wohl auch ein Promimagnet, denn da versuchte vor einiger Zeit auch schon Hella von Sinnen ihr Glück – und hinterließ eine Autogrammkarte.

Louis Dorenkamp steckt die letzten Kabel am Twister zusammen, „dann müssen wir noch das Kassenhäuschen aufstellen“, sagt er. Jetzt ist auch klein Karl-Heinz wieder aufgetaucht und nimmt mit seinem Papa – traditionsgemäß heißt er auch Karl-Heinz (26) – schon mal in einer bunten Gondeln Platz. Der muss ihn dafür hochheben. Passt. Läuft der Rummel, dann geht es für die Fahrgäste rund sowie nach oben und unten. Beim Twister handelt es sich um ein Familienfahrgeschäft ohne Altersbeschränkung, wenn die Jüngsten in Begleitung eines Erwachsenen mitfahren.

Dem Karussell sieht man es gar nicht an, dass es, sozusagen als Jubiläum, bereits 50 Jahre auf dem Buckel hat. 42 Leute passen in 14 Gondeln, die als Schmetterlinge durch die Luft schwirren. Tagsüber zu Musik aus den Charts, abends auch mal zu Techno im Nebel.

Rüwe ist ein Verfechter der Dorfkirmes: „Man muss auch die kleineren Feste am Leben halten“, meint er. Pützchens Markt allein reiche nicht. In den Ortsteilen würde zwar nicht so viel Umsatz gemacht, aber dafür seien da auch die Stellplatzkosten niedriger. So geht’s dann demnächst auch wieder nach Duisdorf und nach Friesdorf. „Zu Hause auf dem Sofa verdient man kein Geld“, sagt der Bonner.

Immer auf der Suche nach den neuesten Hits ist auch Karl-Heinz Kipps Ehefrau Kimberly. Denn auch sie sitzt oft am Camaro-Steuerstand und muss angesagte Songs auflegen. „Die finde ich auf Tiktok.“ So entstehe dann eine Playlist für den ganzen Kirmestag.

Die 24-Jährige stammt selbst auch aus einer Schaustellerfamilie. Es sei meistens so, dass man sich in den eigenen Kreisen näherkomme und lieben lerne. Doch auch Leute „aus dem privaten Leben“, wie es genannt wird, heiraten manchmal ein und kommen dann mit von einem zum nächsten Volksfest.

Jetzt freuen sich erst mal alle auf das schöne Wetter am Wochenende, denn die Kipps können sich auch noch gut an den 2. April vor zwei Jahren erinnern, als die Kinder am Trampolin einen Schneemann gebaut hatten. Jetzt ist wohl eher ein leckeres Eis zum Abkühlen nötig. Ob die Pfützen auf dem Platz noch wegtrocknen?

Oder Fahrtwind, wie auch auf der Kinderachterbahn Silbermine oder in den Camaro-Flitzern. Damit die Rollen, fehlt ihnen nur noch das Netz an der Decke. Dann holen die Kipps sie aus den Anhängern und schicken sie noch mal in die Waschanlage. Karl-Heinz Junior hat bestimmt Spaß daran, mit dem Schlauch alle abzuspritzen.

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