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Kitas in Bonn: Spanische Erzieherinnen unterstützen

Erzieherinnen unterstützen Bonner Kitas : Spanierin tauscht Mallorca-Strand gegen Lannesdorfer Sandkasten

Seit Februar unterstützen elf spanische Erzieherinnen Bonner Kitas. Weil der Fachkräftemangel so groß ist, hat die Stadtverwaltung sich Unterstützung aus Spanien geholt. Marta Gestoso und Marta Silverio, zwei der neuen Erzieherinnen, sind von den Kitas und Bonn begeistert.

Die Kinder der Kindertagesstätte Splickgasse in Lannesdorf haben ihren Spaß: Sie sitzen und knien im Sand, beladen die Ladeflächen ihrer kleinen Lastwagen mit Sand, andere schleudern mit ihren Schaufeln den Sand in die Luft und freuen sich darüber, wie die kleinen Körner wieder zur Erde fallen. Mittendrin dabei: Marta Gestoso und Marta Silverio. Die beiden jungen Frauen spielen und lachen gemeinsam mit den Kindern – es scheint so, als würden sie schon seit Ewigkeiten zur Kita gehören. Der Schein trügt, denn die beiden Spanierinnen sind erst seit Kurzem in der Bundesstadt. 

Die Stadt Bonn hatte 2019 entschieden, in Spanien um pädagogisches Personal zu werben. Denn in der Bundesstadt herrscht in den Kitas ein Fachkräftemangel. Ein Umstand, der nur durch Kreativität und Entschlossenheit geändert werden kann – dazu gehört das Werben nach Fachkräfte aus Spanien. Derzeit helfen elf Erzieherinnen im Alter zwischen 23 und 36 Jahren in den städtischen Kitas aus. Ende des Monats wird auch noch die Ankunft eines Spaniers erwartet. „Das alles kann nur ein Baustein sein, aber es ist ein sehr wichtiger“, so Gitte Sturm, Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Bonn.

70 Stellen in Bonner Kitas sind frei

Sie erinnerte bei einem Termin in der Kita Splickgasse am Dienstagmorgen daran, dass bei der Stadt Bonn derzeit mehr als 70 Stellen in den städtischen Kindertageseinrichtungen nicht besetzt seien. Der Bedarf werde in den kommenden Jahren auch weiter steigen, da immer mehr Kita-Plätze geschaffen werden und damit auch mehr Kinder betreut werden müssen. „Auch im Grundschulbereich wird der Besuch der Offenen Ganztagsschulen mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit und in einigen Jahren wird es einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz geben“, heißt es in einer Mitteilung des städtischen Presseamtes. Der Einsatz der spanischen Erzieher sei ein Pilotprojekt. Die Kitas, die teilnehmen, hätten sich bewusst dafür entschieden. Denn neben der Entlastung bedeutet die Integration des neuen Teammitglieds auch mehr Arbeit. „Wir sind froh, dass sich so viele Einrichtungen auf dieses Experiment eingelassen haben, erfreulicherweise haben sich genauso viele Kitas gemeldet, wie spanische Kräfte gekommen sind“, so Amtsleiterin Gitte Sturm.

Neben dem Anwerben von sehr gut ausgebildeten Fachkräften aus Spanien, versucht die Stadt Bonn auch anderweitig Personal zu gewinnen und vor allem zu binden. So bildet die Stadtverwaltung selber aus und bietet nur noch unbefristete Verträge an. Zudem seien Dauerausschreibungen in verschiedenen Medien geschaltet und auch die Arbeitgeberkampagne der Stadt wende sich gezielt an Erzieher. In Bonn leben die Spanierinnen in Appartments eines Apartmenthauses, wie Sabine Lukas, Abteilungsleiterin im Jugendamt und zuständig für die städtischen Kitas, erklärt. So könnten sie sich auch bei Problemen austauschen und das Heimweh wird nicht ganz so groß.

Spanierinnen fühlen sich in Bonn sehr wohl

Dass sich Marta Silverio und Marta Gestoso in Bonn wohlfühlen wurde mehr als deutlich, als sie von ihren ersten Erfahrungen berichteten – denn trotz Maske konnte man ihr breites Lächeln unter den Masken erahnen. Marta Gestoso arbeitet in der Kita Splickgasse und kümmert sich dort um die U3-Gruppe. Die junge Frau stammt daher, wo nun viele Deutsche gerne in den Osterferien hinfliegen möchten: Mallorca. Statt am Strand der Baleareninsel sitzt sie nun in einem Sandkasten in Lannesdorf. Klar, das Wetter sei nicht so gut, wie auf der Lieblingsinsel der Deutschen, aber damit können man sich arrangieren, so die Erzieherin.

„Wir sind wirklich sehr glücklich, dass wir hier sind“, so Gestoso. Alles sei wunderbar und vor allem sei sie davon beeindruckt, wie viele Freiheiten die Kinder hätten und wie selbstständig sie seien. In Spanien sei das nicht so. Da müssten die Kinder ab dem Nachmittag auch viel lernen. Marta Silverio, die in der Kita Friedrich-Wöhler-Straße arbeitet, erzählt, dass es mit der deutschen Sprache noch ein wenig hapert, aber ihre Kollegen seien sehr nett und würden Geduld haben. Auch die Stadt Bonn würde ihnen sehr gut gefallen.

Bevor die Erzieherinnen nach Bonn gereist sind, haben sie sich intensiv vorbereitet. In Madrid durchliefen sie einen halbjährigen Sprachkurs, der mit einer Prüfung (B2) abgeschlossen wurde. Diese Sprachprüfung sei laut Stadtverwaltung neben der Anerkennung des Studienabschlusses Voraussetzung für die Anerkennung als Fachkraft in Deutschland. In Bonn besuchen alle spanischen Erzieherinnen und Erzieher einen weiteren Sprachkurs, der über die Volkshochschule organisiert und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert wird. Ziel ist es den Abschluss C1 zu erwerben. Für den Kurs seien die Spanier donnerstags und freitags vom Kita-Dienst freigestellt.

Spanische Ausbildung unterscheidet sich von deutscher Ausbildung

Die spanischen Fachkräfte sind in Bonn deshalb so begehrt, weil die pädagogische Praxis in Spanien sich von der in Deutschland sehr stark unterscheidet. „In Spanien ist Kita in der Regel eher eine Schule im Sinne eines gezielten Lernens und Einübens von Fertigkeiten, währen bei uns die ganzheitliche Entwicklung des Kindes im Vordergrund steht“, so Sabine Lukas. Verbunden seien damit dann auch natürlich andere methodische Zugänge. „Gerade wegen des Wunsches, anders pädagogisch zu arbeiten, sind die jungen Leute nach Deutschland und Bonn gekommen, dass reflektieren sie auch sehr“, hat Lukas festgestellt.

Und letztendlich profitieren von dem Projekt alle Seiten: Die jungen Spanier können sich ausprobieren, machen neue Erfahrungen und lernen ein neues Land kennen, die Kitas werden entlastet und die Kinder haben neue Spielkameraden gefunden.