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Kindertagesstätten für unter Dreijährige: Kleine Kinder, große Herausforderungen

Kindertagesstätten für unter Dreijährige : Kleine Kinder, große Herausforderungen

Niedrige Tische, kleine Stühle, Rückzugsmöglichkeiten zum Schlafen und Ausruhen: Kindertagesstätten für unter Dreijährige müssen nicht nur hohe pädagogische, sondern auch besondere bauliche Standards erfüllen. Ein Besuch in der Friedrich-Bleek-Straße zeigt, was das bedeutet.

Ella krabbelt neugierig durch die Kindertagesstätte (Kita) an der Friedrich-Bleek-Straße in Mehlem. Die zweijährige Zoe streichelt ihr plötzlich leicht über den Arm. Auch Lasse und Marc interessieren sich für den Neuzugang. Ella stoppt, schaut vorsichtig - und lächelt dann.

Der erste Kontakt mit den größeren Kindern ist dem zehnmonatigen Wonneproppen geglückt. "Wir sind so froh, dass wir für unsere Tochter ab Oktober hier einen Platz für unter Dreijährige ergattert haben", sagt Ellas Mutter Stefanie Taylor, die in einigem Abstand die Szene beobachtet.

Sechs Monate lange stand die Familie auf der U 3-Warteliste, bis das langersehnte Ja kam. Jetzt sind Mutter und Tochter auf Schnuppertag in der städtischen Kita. "Ich will doch wissen, ob Ella hier gut aufgehoben ist, wenn ich wieder arbeiten gehe", sagt die Sozialpädagogin. Ella schaut immer mal wieder, ob die Mutter noch in Reichweite ist - und krabbelt weiter auf Entdeckungstour.

"Das ist der spannendste Moment, wenn die Kinder anfangen zu kommunizieren", sagt Kita-Leiterin Angelika Zehnder. 15 U 3- und 23 Ü 3-Kinder betreuen sie und ihre fünf Kolleginnen in ihrer zweigruppigen Einrichtung.

Bei Kindern unter zwei Jahren und dann wieder bei denen ab drei sei die Eingewöhnung am leichtesten, berichtet Zehnder. Wobei man den Kleinsten dafür bewusst Zeit lassen müsse. Hier sei es vor allem wichtig, auch die Eltern aufzufangen, fügt Zehnder dann lächelnd hinzu. Denn wenn Mütter wieder arbeiten gingen, komme bei vielen das schlechte Gewissen.

"Dann zeigen wir ihnen, wie wir mit unserer sehr zugewandten Betreuung Vertrauen zu ihren Kindern aufgebaut haben." Möglich sei das durch den höheren Personalschlüssel als bei über Dreijährigen und die gute Fortbildung mit Blick auf die Altersstufe. "In der wichtigen U 3-Phase lernen Kinder vieles: laufen, sprechen, sauber werden und Beziehungen aufbauen." Und dafür müsse die Kita unbedingt auch ein Mehr an Ausstattung vorhalten. Hier drei Beispiele:

Der U3-Raum:

Extra niedrige Tische und für die ganz Kleinen Hochstühle stehen in diesem angenehm großen Raum bereit. Die hier verbrachten Essenszeiten strukturieren den Tag. Gedämpfte Kinderlieder dringen aus Lautsprechern.

In einer abgetrennten Leseecke kuscheln sich Antonia, Sebastian, Katharina und Rudi auf der Couch an Angelika Zehnder. Überall kann auf dem Boden gespielt werden. Einige Krabbler kommen heran, um ebenfalls die Geschichte aus dem Waldbuch mitzuhören. Andere konzentrieren sich ganz versonnen auf altersgerechtes Spielzeug.

Der Sanitärbereich:

Wichtig gerade für unter Dreijährige ist die adäquate Ausstattung des WC-, Dusch- und Waschbereichs. Die sehr tiefen Toiletten warten auf kleine Nutzer. Marc, der so gerne mit Wasser "matscht", probiert am ebenso tiefen Waschbecken gerade eine Zahnbürste aus.

Nach dem Essen will er langsam lernen, die Zähne auch selbst zu putzen. Drüben auf dem geräumigen Wickeltisch wechselt Erzieherin Alexandra Schmitt gerade der kleinen Ella die volle Windel.

Der Ruheraum:

Keine U 3-Einrichtung ohne besondere Ruhezonen für das Schläfchen zwischendurch, für den Rückzug kleiner Spielmäuse. Das Mobiliar ist auf Augenhöhe der U 3-Kinder angebracht. Unter leichten Vorhängen, die wie Raumtrenner wirken, stehen Bettchen und Körbe bereit.

Ein, zwei Gesellen ziehen sich gerade in ein gemütliches Zelt zurück. Noch wackeln die Wände. Doch hier im separaten Zimmer wird gleich Ruhe einkehren. Die müden Krieger müssen Kräfte tanken.

Die Einrichtung von U 3-Gruppen in Kitas habe nicht nur einen höheren pädagogischen und personellen Anspruch, sondern erfordere auch spezielle bauliche Herausforderungen, die anfangs auch vom Land unterschätzt wurden, erklärt Jugendamtsleiter Udo Stein dem GA auf Anfrage. Ein höherer Aufwand im Sanitärbereich, viel Platz zum Spielen, aber ebenso viele lärmgedämmte Rückzugsmöglichkeiten mussten geschaffen werden.

"Wir wollen ja hier in Bonn U 3-Plätze mit hoher Qualität bieten", sagt Stein. Was sich auf der Betriebskostenseite natürlich deutlich niederschlage. Während bei 45 Betreuungsstunden in der Woche eine Ü 3-Gruppe mit 20 Kindern 142 000 Euro koste, fielen für eine zehnköpfige U 3-Gruppe 160 000 Euro an.

Und wie sieht die aktuelle Warteliste für die Stadt aus? "Die Lage hat sich etwas entspannt", rechnet Stein vor. Ende Juli waren noch 187 Kinder ohne U 3-Platz im städtischen Familienbüro gemeldet (der GA berichtete), jetzt seien es 139. Mithin habe man 58 Familien inzwischen einen U 3-Platz vermitteln können.

Und damit hat die Stadt zumindest deren Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Ein- und Zweijährige, der seit dem 1. August besteht, erfüllt.