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Kultur in Bad Godesberg: Kleines Theater ist bereit für die erste Spielzeit

Kultur in Bad Godesberg : Kleines Theater ist bereit für die erste Spielzeit

Das neue Team des Theaters hat vieles in Eigenregie geleistet und teilweise bis in die Nacht gearbeitet. Die Premiere von „Wir sind die Neuen“ an diesem Samstag ist bereits ausverkauft.

Der neue Chef legt überall selbst mit Hand an und manchmal auch Hand auf. Denn zehn Stunden vor der Eröffnung der neuen Spielzeit im Kleinen Theater testet Frank Oppermann erstmal, ob die Böden über Nacht getrocknet sind. „Wir haben bis 3 Uhr gestrichen“, sagt der 53-Jährige und sieht dafür relativ frisch aus. Zumal er danach noch über seiner Rede gebrütet hat.

„Es ist eine wichtige und zentrale Kultureinrichtung in Bad Godesberg, die es auf jeden Fall zu erhalten gilt“, wird Oberbürgermeister Ashok Sridharan später vor 160 geladenen Gästen über das Kleine Theater sagen. Die 80 000 Euro städtische Zuschüsse sind trotzdem gestrichen worden nach dem Auslaufen des Vertrages mit Ex-Intendant Walter Ullrich. Der neue Leiter hat das akzeptiert, es bedeutet aber mehr finanziellen Druck. „Deshalb starten wir auch schon so früh in die Spielzeit“, sagt Oppermann, während er noch schnell dem Getränkelieferanten Anweisungen gibt.

Elf Stücke statt bisher acht muss er pro Spielzeit auf die Bühne bringen mit 275 Vorstellungen. „Dazu kommt an 50 Terminen unser neues Rahmenprogramm, mit dem wir Leute ins Haus holen wollen, die sonst nicht über die Schwelle kommen würden.“ Cordula Niggemeier schwebt vorbei, mit gestapelten Glaskartons auf dem Arm. Wie viele Stunden sie hier in den letzten vier Wochen ehrenamtlich geleistet hat? Schulterzucken, und weiterarbeiten. Sie ist Mitglied im Verein Kleines Theater Nachfolger 2019, der zwar einen sperrigen Namen hat, aber viel Gutes bewirkt.

Generalprobe unter Zeitdruck

Während am späten Vormittag alles im Schnelldurchlauf passiert, ist bei Stefan Krause Echtzeit angesagt. Die Generalprobe von „Wir sind die Neuen“ für die Premiere an diesem Samstag braucht eben ihren Raum. Der Regisseur, Jahrgang 1963, ist ein Mann der knappen Worte. „Viel Spaß, haut 'rein, Rock'n'Roll“, gibt Krause seinen sechs Schauspielern mit auf den Weg. Um dann auf einem hinteren der 161 roten Theatersitze entspannt Platz zu nehmen. Auch beim sicherlich x-ten Durchlauf der Szenen, über die hier noch nichts verraten sei, hört man ihn bei lustigen Stellen leise lachen.

Oppermann hält große Stücke auf seinen stellvertretenden Theaterleiter: „Er ist immer zwischen Pinsel und Inszenierung hin- und hergesprungen.“ Das Bühnenbild ist diesmal ebenfalls vor Ort entstanden. Der Hausherr will seine eigene Handschrift zeigen, eine neue Generation in das Theater am Kurpark bringen – und dabei doch die „alten“ Kunden nicht vergrätzen. Ein schmaler Grat, denn 700 Abonnenten haben ihm schon jetzt ihr Vertrauen ausgesprochen. „Wir werden nicht experimentell hier“, sagt er dazu, er wolle nur zwischen dem Gewohnten mehr Schauspiel zeigen.

Als Sänger und Darsteller entert er die Bühne erstmals im September mit „Abraham – ein Leben für die Operette“. Im November inszeniert der 53-Jährige das Stück „Nächstes Jahr, gleiche Zeit“. Vorher muss er sich um die neue Heizung kümmern, die – wie berichtet – plötzlich ihren Geist aufgegeben hat. „Ich hoffe, dass die Stadt diesen Weg mit uns gemeinsam geht“, meint er. Vielleicht kann Oppermann den OB ja beim gemeinsamen Bier überzeugen. Denn Letzterer ließ am Rande durchblicken, er habe zu Studienzeiten mit seiner Frau ein Abo fürs Kleine Theater besessen und sei bis zur Geburt der Kinder regelmäßiger Gast gewesen. Und im Warmen schaut sich's bestimmt netter.

Die Premiere von „Wir sind die Neuen“ an diesem Samstag ist ausverkauft. Weitere Vorstellungen folgen bis 28. August, Karten über Bonnticket oder im Theater, Koblenzer Straße 78. Am Montag gibt es im Feuilleton die Premierenkritik.