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Kurfürstliches Beethovenfest 2021: Konzerte für den „kleinen ungehobelten Bären“

Kurfürstliches Beethovenfest 2021 : Konzerte für den „kleinen ungehobelten Bären“

Das Kurfürstliche Beethovenfest ist eine kleine aber feine Liebeserklärung an den Bonner Komponisten. Der Verein Kunst und Kultur in Bad Godesberg holt damit das Flair aus der Beethoven-Ära in die aktuelle Zeit.

Ob sich im 18. Jahrhundert die Mitglieder der hohen Gesellschaft mit den einfachen Bäuerinnen und Mägden abgegeben hätten? Am Wochenende steckten sie vor dem Kleinen Theater in Bad Godesberg gerne mal die Köpfe zusammen. Der Verein Kunst und Kultur in Bad Godesberg (KuKuG) hatte dafür gesorgt, dass bei seinem Kurfürstlichen Beethovenfest ein bisschen Flair aus der Zeit des großen Bonners aufkam, indem sie diverse Menschen in Kostümen eingeladen hatten, einfach vor Ort zu sein.

Das hätte sicher im Park hinter dem Haus an der Redoute besser gewirkt, wo das Fest eigentlich mit viel Pomp hätte stattfinden sollen, belebte aber die abgespeckte Version am Theater ungemein. Dort wurde am Freitagnachmittag das Fest mit drei kleinen szenischen Stücken eröffnet, die Stationen aus dem Leben Ludwig van Beethovens präsentierten. Da war das Wetter noch so einigermaßen. Die KuKuG-Vorsitzende Sabine Köhne-Kayser hätte sich mehr Sonnenschein gewünscht, denn der angekündigte Regen brachte eben einige Ausgaben mit sich: „Wir haben extra Zelte gekauft.“

 Margot Nisita spielt Werke von Beethoven.
Margot Nisita spielt Werke von Beethoven. Foto: Stefan Knopp

Die Besucher am Abend hatten Pech

Die halfen am Samstag aber auch nicht mehr. Das Nachmittagsprogramm wurde noch entspannt durchgezogen, aber die Besucher des zweiten Teils am Abend hatten Pech: Wegen des plötzlichen starken Regens wurde die Veranstaltung nach nur 45 Minuten abgebrochen. Am Sonntag hatten die Veranstalter mehr Glück. Insgesamt war Köhne-Kayser aber zufrieden. Die dreijährige Vorbereitung habe sich gelohnt, sagte sie.

Man sah jede Menge Musik, darunter am Samstag das Akkordeonorchester Wesseling, die Preisträger Jugend musiziert von der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule und abends Michael Klevenhaus mit schottisch-gälischen Liedern. Sonntags begeisterte Margot Nisita am Klavier, die kürzlich ihren 90. Geburtstag feierte. Sie ist eine Schülerin der Bonner Pianistin Susanne Kessel. Die war mit Ex-Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch zu sehen, der als Beethovens Lehrer Christian Gottlob Neefe einige Anekdoten über den „kleinen ungehobelten Bär“ Ludwig erzählte. Abends hörte man das Duo Sophie Moser und Katja Huhn und das Nouruz-Ensemble.

 Jürgen Nimptsch als Christian Gottlob Neefe.
Jürgen Nimptsch als Christian Gottlob Neefe. Foto: Stefan Knopp

Beethoven-Botschafter kommt gerade aus Rumänien zurück

Wie schon bei der Eröffnung spielte der Beethoven-Botschafter Markus Schinkel, der sich in aller Welt bemüht, „dass ich einen Beethoven verkaufe, der zeitgemäß ist“, sagte er. Er war kurz vor dem Fest noch in Rumänien gewesen und, wie er erzählte, am Freitag direkt vom Flughafen aus zum Kleinen Theater gekommen. Er fand den Rahmen des Festes und vor allem die Einbindung des Wendehammers gelungen. „Als Künstler ist man ja dankbar, dass überhaupt etwas geht.“

Am Wendehammer waren verschiedene Stände aufgebaut: An dem des Vereins KuKuG konnte man Chutneys, Apfelmus und Liköre von Roswitha und Dieter Schwarze aus Niederbachem kaufen. Es gab Kaffee und Kuchen, beides soll Beethoven sehr geschätzt haben, außerdem Moselwein vom Weingut Köwerich, zu dem die Mutter des Komponisten Kontakte hatte, frisch gebackenes Brot und live geschöpftes Papier mit Beethoven-Konterfei darauf. KuKuG hatte dafür den Verein der Freunde und Förderer der Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach angefragt: Dort hatte man sich bereit erklärt, dieses spezielle Schöpfsieb anzufertigen. Wer ein solches Papier schöpfen ließ, hatte ein seltenes Unikat gekauft, denn der Verein würde dieses Sieb behalten und sicher nicht mehr oft zum Einsatz bringen.

Das Publikum war trotz Einschränkung und Corona-Regeln angetan. „Es ist großartig, wie man den Platz ausgenutzt hat“, meinte Hans Hecek. Sein Kumpel Klaus Mertens lobte: „Die haben sich viel Mühe gegeben.“ Für Silvia Wollersheim war das Fest vor allem eine gelungene Kulisse für Margot Nisita. „Sie spielt toll und strahlt so viel Lebensfreude aus mit ihren 90 Jahren.“