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Graffiti-Projekt „Art One Bonn“ in Bad Godesberg: Künstlerische Förderung in der Bahnunterführung

Graffiti-Projekt „Art One Bonn“ in Bad Godesberg : Künstlerische Förderung in der Bahnunterführung

Künstler Eugen Schramm hat gemeinsam mit Partnern das Graffitikunst-Projekt „Art One Bonn“ aus der Taufe gehoben und bringt gemeinsam mit vielen Helfern seit einem halben Jahr 60 Jugendlichen die Graffiti-Kunst näher. In Bad Godesberg verschönern die jungen Künstler eine Bahnunterführung.

Die Ampel in der Bahnunterführung der Friedrichallee zeigt gerade Rot an, als eine Frau mit ihrem Volkswagen heranfährt, abbremst und stehen bleibt. Interessiert schaut sie zu den Jugendlichen, die alle Spezialmasken tragen und die triste Backsteinwand mit Graffitifarben verschönern. „Das sieht echt ganz toll aus“, sagte die Autofahrerin durch das halb geöffnete Seitenfenster. Sätze, die das Team rund um Betreuer Simon Schmitt vom Oneworld Café öfters hört. „Wir werden ständig fotografiert, Autofahrer und Fußgänger loben uns“, sagt er lachend.

Jugendliche malen Pikachu und eine Meerjungfrau

Stolz blickt auch Eugen Schramm auf die Wände. Eine Meerjungfrau, Pokémon Pikachu, ein riesiger Pilz oder auch ein Äffchen, das an Superman erinnert, sind zu erblicken. „Das ist wirklich richtig, richtig gut geworden“, sagt der 43-jährige Künstler stolz. Dabei sind die Werke noch nicht mal fertig. Die Zeichnungen zeigen ihm aber, dass er mit seiner Initiative „Art One Bonn“ alles richtig gemacht hat. Ein Projekt für Bonner Jugendliche, das aus insgesamt vier Gruppen besteht und in allen vier Bonner Bezirken aktiv ist. Die Bad Godesberger Gruppe wird von Künstler Mathias Weinfurter angeleitet.

Bereits vor zwei Jahren hatte Schramm damit begonnen, das Graffitikunst-Projekt zu planen. Sein Ziel ist es, legale Graffitiwände für Künstlerinnen und Künstler in der Bundesstadt zu organisieren, daraus sei dann auch die Konzeptidee für sein Projekt entstanden. Er ging auf die Kooperationspartner Hoffnung leben e.V., dem ZeSaBo e.V. – Zentrallager Sachspenden, auf das Oneworld Café und den Offenen Jugendtreff Lengsdorf zu, gemeinsam wurde das Projekt dann weiterentwickelt. Schramm sei erst skeptisch gewesen, ob man das Projekt wirklich auf die vier Stadtbezirke aufteilen sollte. Lieber hätte er ein großes Projekt gehabt. „Es war aber die beste Idee, die Ursula Zednicek von ,Hoffnung leben’ hatte. Denn so sind die Jugendlichen immer ganz nah dran, und sie identifizieren sich noch einmal ganz anders mit ihrem Stadtbezirk“, so Schramm.

Graffiti besteht vor allem aus vielen Strichen

Ziel sei es, ein Projekt und Orte zu schaffen, an denen sich Jugendliche kreativ ausleben können. Dabei sollten sie allerdings nicht einfach drauflos malen, sondern eine fundierte Ausbildung erhalten, so Schramm. „Natürlich kann man die Jugendlichen einfach vor eine Wand stellen und sagen, malt mal. Aber das ist nicht meine Art. Bei Graffiti basiert alles auf Strichen, mit denen haben wir angefangen“, so Künstler Schramm. Wie werden die Striche ausgemalt? Wie schraffiert? Es gebe einiges zu beachten.

Wichtig sei es für ihn auch gewesen, dass es ein interkulturelles Projekt ist. „Jeder soll teilnehmen können und dürfen“, so der Initiator. Für die Jugendlichen ist das Projekt, das auf ein halbes Jahr angelegt ist, kostenlos. Mit der Bemalung der Flächen befindet sich das Projekt derzeit in der Schlussphase. Interkulturell sei das Projekt auf jeden Fall, wie Simon Schmitt erzählt. „In meiner Gruppe sind so viel Länder vertreten: Zum Beispiel Ungarn, Syrien, und Polen. Nur ein Teilnehmer ist deutsch“, so Schmitt. Insgesamt würden stadtweit bis zu 60 Jugendliche mitmachen, geplant wurde zuvor mit 40. „Mehr als die Hälfte davon sind Mädchen. Das ist im Graffiti-Bereich eher ungewöhnlich“, so Schramm. Die Nachfrage nach dem Projekt sei riesig.

Sprühen an den Wänden ist nur für das Projekt erlaubt

Ganz am Anfang stand allerdings auch die Suche nach entsprechenden Wänden auf dem Plan. In Bad Godesberg hat die Deutsche Bahn die Wände der Bahnunterführung Friedrichallee zur Verfügung gestellt. „Das Sprühen an den Projektwänden ist nur während der Workshops erlaubt. Das Sprühen an den Wänden außerhalb unseres Projektes ist illegal“, so Schramm. Die Bilder, die entstanden sind, sollen auch langfristig auf der Wand bleiben. „Außer die Bahn hat Umbauarbeiten am Bahnübergang vor – dann verschwinden die Bilder wohl leider wieder“, so der Projektleiter.

Finanziert wird das aufwendige Projekt von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. durch das Programm „Künste öffnen Welten“ mit rund 30.000 Euro. Dass es sich bei dem Graffiti-Projekt um mehr, als nur das Bemalen von Wänden handelt, erkennt man nicht nur an der Projektdauer, sondern auch am Programm selbst.

Die erste Phase bestand aus mehreren Tageskursen, die Techniken vermitteln sollten sowie aus Exkursionen in Museen und Kunstateliers. In Köln nahmen die Jugendlichen an Graffiti-Stadtführungen teil. „Wir wollen den Teilnehmern auch eine berufliche Perspektive geben. Die vielen Hilfskräfte und Künstler des Projekts arbeiten vor allem freischaffend und können erzählen, wie man es schaffen kann“, so Schramm.

Seit dem 25. Juni würden nun die ausgesuchten und zur Verfügung gestellten Wände bemalt. Zuvor wurden Skizzen erarbeitet, die nun in die Realität umgesetzt werden. „Die Kreativität sprudelt aus den Jugendlichen nur so heraus“, so Schramm.

Graffiti-Projekt war schon Thema in der Bezirksvertretung

Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer. „Ich habe mit einer Freundin schon öfters an Graffiti-Workshops teilgenommen. Im Mehlemer Jugendtreff Rheingold habe ich von dem Projekt erfahren und mich angemeldet. Ich finde es echt cool“, so Elena. Arthur habe zwar schon immer gerne gezeichnet, angemeldet habe ihn aber seine Mutter, erzählte er lachend. „Ich war erst ein wenig skeptisch. Aber es macht wirklich Spaß“, so der Schüler.

Ende April waren die Graffiti bereits Thema in der Bezirksvertretung Bad Godesberg. Seitens des Bürger Bund Bonn wollte man Aufklärung über „scheinbar wahllos comicartig wirkende Motive“, die in „dilettantisch anmutender Ausführung angebracht“ wurden, haben. Dabei handelte es sich um erste Zeichnungen der Jugendlichen. Die Stadtverwaltung klärte in einer Stellungnahme auf und versicherte, dass alles mit den entsprechenden Stellen abgesprochen sei.