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Serie: Die andere Perspektive: Küsterin der Johannes-Gemeinde seit 22 Jahren im Dienst

Serie: Die andere Perspektive : Küsterin der Johannes-Gemeinde seit 22 Jahren im Dienst

Unsere neue Serie "Die andere Perspektive" stellt Menschen vor, an die man bei einem Thema nicht direkt denkt. Csilla Janesch ist hauptsächlich für die Johanneskirche, das dortige Matthias-Claudius-Gemeindehaus und die Rigal'sche Kapelle zuständig.

In der Sakristei der katholischen Kirche Frieden Christi hat Küsterin Csilla Janesch dem evangelischen Pfarrer Rainer Fincke gerade beim Anlegen der grüngelben Stola über den Talar geholfen. Eine gute Viertelstunde vor Gottesdienstbeginn geht Fincke mit ihr, der Organistin Anja Schäfer und Lektor und Presbyter Eckart Freyer noch einmal die Details der Feier durch. Am Abend zuvor hatten sie sich schon einmal telefonisch kurzgeschlossen. „Wie viele Strophen singen wir während der Kollekte“?“ fragt Janesch vorsichtshalber noch einmal nach.

Die Zählzettel, die Kollektenliste und den Münzkasten für die Geldsammlung hat die Küsterin vorhin schon auf dem Tisch positioniert. Freyer fügt schon mal die heutigen Daten in die Liste ein. „Sind die Kerzen am Altar angezündet?“, fragt der Pfarrer, während er sich sein Beffchen zurechtzupft. Janesch nickt. „Alles startklar.“ Sie bereitet die Kirche schon seit einer Dreiviertelstunde auf die Feier vor.

Am Eingang hat sie in sämtliche Gesangbücher die aktuellen Gottesdienstblätter gesteckt. Der Sitzkistenstapel ist an die Tür gerückt. In der ersten Kirchbank liegen die Kollektenbeutel. Janesch hat schon nach und nach die ersten Besucher persönlich begrüßt und Gehbehinderten in die Bank geholfen. Zwischendurch eilt sie schnell in die Sakristei zurück. Dort sind an der Wand Fotos des katholischen Kölner Erzbischofs und des Papstes gehängt. Das Team der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde kann, wie berichtet, wegen Umbauten seiner Immanuelkirche ein Jahr lang bei Feiern im katholischen Frieden Christi zu Gast sein. Für Küsterin Janesch und ihre Kollegin Regina Franz heißt das jeweils umzudisponieren und direkt nach dem katholischen Gottesdienst sowie schon während des Kaffeetrinkens der Katholiken unauffällig aktiv zu werden. Im Falle von Abendmahlsgottesdiensten muss auch das entsprechende Geschirr, müssen frisches Brot, Wein und Saft mit im „Reisegepäck“ sein.

Csilla Janesch ist hauptsächlich für die Johanneskirche, das dortige Matthias-Claudius-Gemeindehaus und die Rigal'sche Kapelle der Gemeinde zuständig. Dabei sei gerade das Aufräumen etwa nach den vielen Pennenfelder Schulgottesdiensten aufwendig, erzählt sie. Jede Menge Liedblätter seien auf den Boden gesegelt, Schulranzen, Mützen, Jacken und Handys seien vergessen worden. Janesch bringt alles zur Abholung in die Pennenfelder Sakristei. „Die Sachen von Schülern des nahen Amos-Comenius-Gymnasiums bringe ich dann immer gleich selbst 'rüber“, berichtet sie lächelnd. Bei Krabbelgottesdienste müssten Schaffelle am Altar liegen. Trauungen, Taufen und Konfirmationsgottesdienste müssten ebenfalls individuell vor- und nachbereitet werden. Die ganze Woche über sei sie auch für die zahlreichen Gruppentermine Mädchen für alles. Sie stelle Stühle, wechsele Birnen aus, wirbele in der Küche, beaufsichtige Reparaturen von Handwerkern und die Reinigung sämtlicher Räume.

Dazu springe man als Küsterin natürlich auch bei allen Pannen ein. „Ich muss eigentlich immer vor Ort sein. Die Kirche ist mein zweiter Haushalt“, sagt Janesch achselzuckend. Das gehe letztlich natürlich nicht ohne eine ganze Reihe ehrenamtlicher Helfer, denen sie und die Kollegin Franz sehr dankbar seien. Längst steht Janesch wieder am Eingang von Frieden Christi und überreicht Gesangbücher. „Wie ist denn die Akustik hier? Ich höre nicht so gut“, fragt eine alte Dame nach.

Seit 22 Jahren macht Janesch, Mutter einer erwachsenen Tochter, diesen Dienst. Und zwar sehr gerne. Davor war sie mit ihrer Familie aus dem rumänischen Siebenbürgen nach Deutschland gekommen. Frau Janesch sei eine hervorragende Küsterin, meint Sabine Stotz-Ruhbaum, die vormalige Kirchbaumeisterin der Gemeinde. „Den Küsterberuf kann man nicht nur hausmeistermäßig betreiben, das geht nicht ohne enge Beziehung zur Kirche.“

Auch der Verleger Norman Rentrop hat gerade ein Gesangbuch überreicht bekommen. Csilla Janesch sei mit ihrer freundlichen Art so etwas wie der ruhende Pol der Gemeinde, sagt der Verleger. Ein paar Konfirmanden betreten noch rasch die Kirche. Jetzt heißt es, das Handy auszuschalten. Da erklingt schon die Orgel. Pfarrer Fincke schreitet zum Altar. „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geists“, beginnt er die Feier. Csilla Janesch sitzt unauffällig in der letzten Reihe. Sie wartet auf ihren nächsten Einsatz.