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Kurfürstenbad Bad Godesberg: Politik zweifelt am Zeitplan

Hallenbad in Bad Godesberg : Politik zweifelt am Zeitplan für das Kurfürstenbad

15 Millionen Euro soll der Neubau des Kurfürstenbades in Bad Godesberg kosten, der auch eine Sauna vorsieht. Das Sport- und Bäderamt äußerte sich in der Bezirksvertretung zu den Plänen. Die Politiker haben aber große Zweifel.

Bis die Bad Godesberger im neuen Kurfüstenbad ihre ersten Runden schwimmen können, brauchen sie noch viel Geduld. Das wurde am Dienstagabend bei der Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg (BV) im Gustav-Stresemann-Institut deutlich. Stefan Günther, Leiter des Sport- und Bäderamtes, besuchte das Gremium, um dieses über die derzeitigen Entwicklungen zu informieren. Zuvor hatte die CDU eine entsprechende Große Anfrage gestellt.

Projekt Kurfürstenbad befindet sich in der ersten und zweiten Leistungsphase

Derzeit befindet sich das Projekt in der ersten und zweiten Leistungsphase, für die das Bäderamt einen Zeitraum zwischen vier und sechs Monaten vorsieht, erklärte Günther. Zu der ersten Leistungsphase gehört die Grundlagenermittlung, die zweite Phase beschäftigt sich dann anschließend mit der Vorplanung. „Wir haben festgestellt, dass wir an einer europaweiten Ausschreibung nicht vorbeikommen“, so Günther. Das entsprechende Vergabeverfahren (VgV) sei kompliziert, weshalb sich die Stadtverwaltung dabei von einem spezilisierten Unternehmen helfen lässt. „Das Verfahren ist bereits eingeleitet. Ein Planer übernimmt nun die ersten Schritte“, so Günther. Insgesamt rechnet die Stadtverwaltung bislang mit Kosten von rund 15 Millionen Euro –- seinen Angaben zufolge spekuliert die Verwaltung dabei auch auf Fördermittel.

Sport- und Bäderamt sieht Zeitplan als realistisch an

„Wir gehen davon aus, dass wir im Oktober 2021 das VgV-Verfahren abschließen können. Im ersten Quartal 2022 sollen die ersten Planungen den politischen Gremien zur Beschlussfassung vorgelegt werden“, sagte der Amtsleiter weiter. Zwar schränkte er ein, dass die „personellen Ressourcen“ knapp seien, dennoch erklärte er, dass es wichtig sei, „zügig an der Umsetzung zu arbeiten“. Das Sport- und Bäderamt sehe den Zeitplan aber als realistisch an.

Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn (BBB) zeigte sich „überrascht“, über die „nicht umfangreiche Stellungnahme“ der Verwaltung. „Ich tippe darauf, dass wir auch noch 2025 auf dem Trockenen sitzen – im Bäderbezirk Bad Godesberg“, so der Politiker. Nicole Unterseh von den Grünen wollte genauere Daten. „Wann wird der Spatenstich sein? Wann können die Menschen dort wieder schwimmen gehen?“, so Unterseh.

Für Uli Barth von der SPD ist entscheidend, wie gebaut wird. „Was versteht man unter einem Gesundheitsbad? Was muss ich mir darunter vorstellen?“, fragte Barth, um gleich klarzustellen, dass er sich eigentlich ein Wellnessbad vorstellt.

FDP schlägt Modulbauweise vor

Wolfgang Heedt von der FDP fragte, wie man das Verfahren beschleunigen könnte. Ob es nicht zum Beispiel ginge, dass man erst das Schwimmbecken baue und anschließend erst die Sauna – er brachte damit eine Art Modulbauweise ins Spiel. „Mir ist das zu langsam“, sagte er zu den bisherigen Planungen.

Gabriel Kunze (SPD) bremste die Forderungen nach einem schnellen Baubeginn. „Ich möchte, dass von Anfang an alles richtig geplant wird. Wenn man etwas aufschiebt, wird das dann sowieso nicht mehr gemacht“, so Kunze. Vor allem interessierte ihn aber die Frage, ab wann die Mitglieder der BV wieder in die Planungen eingebunden werden. Jens Röskens (CDU) pflichtete Kunze bei. „Wir wollen, dass das Verfahren im Interesse des Stadtbezirks abläuft“, so Röskens.

Neues Kurfürstenbad wird kein „Bad von der Stange“ sein

„Ich höre heraus, dass Sie vor allem zwei Themen besonders interessieren: Der Umfang und die Verfahrensschritte“, so Amtsleiter Günther. Daher zählte er auf, was das neue Kurfüstenbad für die Bad Godesberger bereithalten wird: Ein Schwimmbecken (25 Meter lang mit fünf Bahnen), ein Lehrschwimmbecken (12,5 Meter mal acht Meter), ein Baby- und Kleinkindbereich, ein rund 80 Quadratmeter großes Therapiebecken sowie eine Sauna. „Es handelt sich dabei keineswegs um ein Bad von der Stange – daher nehmen wir uns auch die Zeit“, sagte Günther.

Günther erklärte auch, warum die Planungen nicht schon direkt nach dem Okay des Stadtrates für das Bäderkonzept im Juni 2020 beginnen konnten: „Wir haben uns erst einmal auf die Maßnahme konzentriert und viele Gespräche dazu geführt“. Diese führten dann zu dem VgV-Verfahren. Günther skizzierte auch den Zeitplan für die Arbeiten. So soll der Rückbau 2022 beginnen, im Oktober des vergangenen Jahres hat Amt 52 die Planungen für den Rückbau und den Neubau des Kurfürstenbades bereits aufgenommen.

Termin für Spatenstich kann nicht seriös angegeben werden

„2024 soll das Projekt abgeschlossen sein, davon will ich mich auch noch nicht entfernen“, so Günther. Er machte aber auch klar, dass er keine Verfahrensbeschleunigung sehe. „Ich warne auch davor die Bautätigkeiten zu splitten, dafür ist der Bau des Bades zu umfangreich“, erklärte er. Zudem nannte er auch keinen Termin für einen etwaigen Spatenstich, denn dies sei „unseriös“. Er versicherte, dass bei den Bonner Bädern keines vorgezogen oder prioritär behandelt werde. „Ich sehe die Maßnahmen im Bäderplan alle als gleich an“, so Günther.

Die Ausführungen stießen bei den Politikern auf Skepsis. „Mir fehlt die Fantasie, dass das Bad 2024 fertig sein soll“, so Schmitt vom BBB. Auch bei der FDP ist die Skepsis groß, wie Heedt erklärte: „Ich denke, durch die Komplexität wird es zu Verzögerungen kommen“.