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Villa Camphausen: Luisa Imorde - Hingebungsvolles Spiel

Villa Camphausen : Luisa Imorde - Hingebungsvolles Spiel

Die Wiehler Konzertpianistin Luisa Imorde eröffnete am Samstag zum zweiten Mal mit einem zauberhaften, mitreißenden Rezital die Vier-Jahreszeiten-Konzertreihe des Kursana Hauses in der Villa Camphausen. Ihr oblag der "Winter".

In ihrer Begrüßung kündigte die junge Künstlerin, gekleidet in festlichem Schwarz, in den gediegenen, der Akustik nicht gerade förderlichen Räumlichkeiten eine kurzfristige Änderung des Programms an und bot statt Brahms und Liszt nun Scarlatti, Scriabin und Beethoven an. Allein Schumann blieb unverändert auf dem Programm.

Die Besucher, Bewohner und Gäste des Hauses Kursana kamen in den Genuss einer Generalprobe, da Luisa Imorde die am Samstag in Mehlem gebotenen Stücke nächste Woche im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin im Rahmen eines für sie sehr besonderen Konzertes, das auch in Bild und Ton aufgenommen werden soll, spielen wird.

Ihre Darbietung umfasste drei Länder und drei Jahrhunderte. Domenico Scarlatti machte den Anfang. Sie spielte mit leichter Hand zwei seiner zweistückigen, heiteren Sonaten, die eindeutig erkennen ließen, dass "Sonate" ursprünglich "Klangstück" heißt: unverschnörkelte, fröhliche Kompositionen. Es folgte Schumanns Arabeske, die aus der Hand Imordes keinesfalls an Schumanns Charakterisierung seiner eigenen Komposition als "schwächlich und für Damen geeignet" erinnerte. Sehr gefühlvoll gab sie die innigen Melodien und zarten Tonfolgen wieder. Alexander Scriabins Sonate-Fantasie, die sie als Nächstes darbot, entstand Ende des 19. Jahrhunderts und gibt die Eindrücke des Komponisten bei seiner ersten Begegnung mit dem Meer wieder.

Mal temperamentvoll, mal zart lässt die Pianistin die tosenden Wogen, stürmischen Winde und sanften Wellenausläufe vor dem geistigen Auge der Zuhörer entstehen. Dramaturgisch sehr effektvoll endete das Konzert mit Beethovens Appassionata, bei der Imorde ihrer ganzen Virtuosität freien Lauf lässt. Ihr gefühlvolles, hingebungsvolles Spiel lässt eine tiefe Verbundenheit und Vertrautheit mit dem Stück erkennen. Es ist keinesfalls Routine, sondern Liebe, der sie sich musikalisch hingibt. Mit Bravorufen und lang anhaltendem Applaus bedankten sich die Zuhörer für diesen musikalischen winterlichen Hochgenuss.

Luisa Imorde wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren. Die Mutter Musikpädagogin, der Vater Pianist, begann sie mit drei Jahren ihre musikalische Ausbildung. Sie besuchte das Godesberger Pädagogium und beglückte Schule, Häuser und Einrichtungen der Region schon in jungen Jahren mit ihrem Können am Flügel. Zahlreiche Stipendien bekunden die Zuversicht in ihr Talent und ebenso viele Auszeichnungen die Bestätigung dieser Hoffnungen. Sie ist in Bonn bekannt und beliebt und erobert allmählich Deutschland und Europa. Nächste Woche steht nach Berlin Salzburg an.

Die Vier-Jahreszeiten-Konzertreihe im Hause Kursana wird am 24. April fortgesetzt und zwar mit dem "Frühling", passend gestaltet durch Andreas Sobcyzk aus Österreich, der durch die Musik der 30er und 40er Jahre, sprich Swing, Boogie-Woogie und Schlager, führen wird.