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97-jährige Elisabeth Jumpelt arbeitet an ihrem neuesten Werk: Lyrischer Humor kennt kein Alter

97-jährige Elisabeth Jumpelt arbeitet an ihrem neuesten Werk : Lyrischer Humor kennt kein Alter

Elisabeth Jumpelt dürfte mit 97 Jahren zu den ältesten Dichtern Wachtbergs zählen. Sie wünscht sich den Wettbewerb „Wachtberger Kugel“ zurück.

Mal heiter, mal nachdenklich, findig oder süffisant klingen die Verse von Elisabeth Jumpelt, der vermutlich ältesten Dichterin Wachtbergs. Zwei Werke der heute 97-jährigen Pecherin veröffentlichte der Verein DiWa 2018 im Sammelband „Die besten Kugel-Schreiber“. Was dort im Rahmen des Wettbewerbs „Wachtberger Kugel“ erschien, ist allerdings längst nicht alles, was Elisabeth Jumpelt literarisch zu bieten hat.

„Das ist keine Frage des Alters“, findet Jumpelt. Auch mit fast hundert oder vielleicht gerade deswegen bleibe sie der Lyrik treu. Diese Ausdrucksform habe sie schon vor 60 Jahren begeistert, erzählt die Seniorin. Während die ehemalige Dolmetscherin in ihren literarischen Anfängen Erlebnisse aus ihrem Umfeld in humoristisch gewürzte Verse fasste, entwickelten sich ihre Gedichte im Lauf der Jahre durchaus auch mal in kritische Richtungen. So warf sie jüngst einen scharfen Blick auf einige Talkmaster, die ihre Gäste ständig unterbrechen, um ihre eigene Meinung in die Welt zu posaunen, wie sie erzählt. Auch die zunehmende Vorliebe für leblose Plastikweihnachtsbäume hat sie in komische und zugleich nachdenklich wirkende Lyrik gegossen.

In einem aktuellen Projekt nimmt die Pecherin, selbst Krimifan, mit ihrem noch nicht ganz vollendeten Werk „Mord im Puff“ manch‘ bekannte Kunstgriffe des Genres sprachlich auf den Punkt gewürzt ins Visier. So sieht sich der Kommissar am Ort des Geschehens widerstreitenden Zeugenaussagen gegenüber. Dazu versucht er vergeblich, dem Gerichtsmediziner mehr als nur den vermuteten Todeszeitpunkt des Opfers zu entlocken. Während die „Spusi“ im Freudenhaus nach verwertbaren Spuren sucht, informieren die Damen des Gewerbes den Kommissar über die Gepflogenheiten des Hauses. Im Verlauf der Ermittlungen bekommt der Leser bis zur letzten gelungenen Wendung einiges zum Lachen. Bald solle das Gedicht veröffentlichungsreif sein, erzählt Jumpelt.

„Ich finde es sehr schade, dass der Wettbewerb nicht mehr fortgeführt wird“, bedauert die Seniorin das Ende des Wettbewerbs „Wachtberger Kugel“. Der Spiritus Rektor des Preises für komische Lyrik war der 2019 verstorbene Wachtberger Autor Herbert Reichelt. Gemeinsam mit dem Leiter des Büchereiverbunds Dieter Dresen und weiteren Jurymitgliedern sichtete und las er in den drei Jahren des Wettbewerbs in jährlich steigender Anzahl mehrere hundert Einsendungen. „Es war manch Ungeeignetes dabei, in der Mehrzahl waren es aber tolle Werke“, beschreibt Dresen die Eindrücke aus dieser Zeit. Auch wenn die Arbeit am Wettstreit um die beste komische Lyrik viel Freude bereitet habe, so sei der Aufwand ohne Reichelt nicht mehr zu stemmen gewesen, fasst der Verbundsleiter den Grund für das Ende des Vereins DiWa – Dichtung in Wachtberg und damit den Schlusspunkt für die „Wachtberger Kugel“ zusammen.

Elisabeth Jumpelt lässt sich davon allerdings nicht entmutigen. „Ich schreibe, weil es mir Freude macht und weil es mich geistig fit hält“, sagt die wortgewandte Pecherin. „Aber ich würde mich natürlich freuen, wenn es doch eine Möglichkeit zur Veröffentlichung gäbe. Am liebsten in Wachtberg.“