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Interview mit Viola Luna Heckel: "Man muss anpacken können"

Interview mit Viola Luna Heckel : "Man muss anpacken können"

Sie ist die beste Goldschmiedin Deutschlands: Viola Luna Heckel. Ihr Gesellenstück, mit dem sie den Bundeswettbewerb der Goldschmiede gewonnen hat, ist nun beim Godesberger Goldschmied Ronald Krick, Theaterplatz 14, ausgestellt. Über das Handwerk, ihre liebsten Edelsteine und die Gerüchte über Goldschmiede hat die 25-Jährige mit Katrin Puvogel gesprochen.

Wie sind Sie darauf gekommen, Goldschmiedin zu werden? Und warum ausgerechnet in Bad Godesberg?

Viola Luna Heckel: Ich stamme aus einer Familie von Goldschmieden. Erst hatte ich aber nicht vor, den gleichen Beruf wie mein Vater zu ergreifen. Ich habe eine Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin gemacht. Mir hat es aber nicht gefallen, nur vor dem Computer zu sitzen. Ich wollte lieber etwas mit den Händen schaffen. Also habe ich in der Werkstatt meines Vaters herumprobiert und mich dann hier in Godesberg für die Lehre beworben. Es ist schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden, weil es nicht mehr so viele Goldschmiede gibt.

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Was macht es so schwer, den Beruf zu erlernen?

Heckel: Das Pensum ist wegen der verschiedenen Materialien und Werkzeuge ziemlich umfangreich und man braucht viel Übung. Am Anfang soll man etwas feilen oder sägen, aber die Linien werden krumm und schief. Man kann die Ausbildung theoretisch verkürzen, wenn man vorher schon etwas anderes gemacht hat, aber das kam für mich nie in Frage. Der Beruf ist sehr vielfältig, und selbst jetzt, als Gesellin, lerne ich noch jeden Tag dazu.

Wie wird man als Goldschmiedin wahrgenommen?

Heckel: Fast alle Mädchen sagen: "Oh wie schön, das wollte ich früher auch werden." Was viele am Ende davon abhält, ist unter anderem das Gehalt. Auch ich war auf die Unterstützung meiner Familie angewiesen. Blöd finde ich, wenn jemand zu mir sagt: "Als Goldschmiedin musst du doch total reich sein. Du arbeitest doch mit den teuersten und feinsten Materialien." Aber nur weil man damit arbeitet, gehören sie einem ja nicht.

Worauf kommt es bei dem Beruf an? Kreativität oder Handwerk?

Heckel: Es ist ein Zusammenspiel aus beidem. Bei einer Reparaturarbeit zählt vor allem das handwerkliche Geschick. Wenn ich ein Schmuckstück entwerfe, ist natürlich Kreativität gefragt. Man muss immer genau arbeiten und eine ruhige Hand haben.

Haben Sie manchmal Schmuckstücke in der Hand, die Sie gerne behalten würden?

Heckel: Ja, viel zu oft. Gerade, wenn ich etwas selber entworfen und gefertigt habe. Dann ist man auch schon mal ein bisschen traurig, wenn die Schmuckstücke verkauft werden.

Hat Sie die Arbeit in der Ausbildung überrascht?

Heckel: Nein, aber das liegt vor allem daran, dass ich aus einer Goldschmiedefamilie komme. Mir fällt aber immer wieder auf, dass Praktikanten mit falschen Erwartungen kommen.

Inwiefern?

Heckel: Zum Beispiel, weil sie sagen: Goldschmied ist ein sauberes Handwerk. Das stimmt aber nicht, denn wer hier abends rausgeht, hat dreckige Finger. Und wir hauen uns auch schon mal mit einem Hammer auf die Finger oder sägen rein. Man muss anpacken können, Kraft haben und darf sich nicht zu fein sein. Und auch die Schmuckstücke sehen in der Entstehung nicht so funkelnd aus wie am Ende, das überrascht viele.

Ist Goldschmied ein aussterbender Beruf?

Heckel: Es gibt wenige Auszubildende, aber der Beruf kommt wieder zurück. Ich denke, das hat mit der allgemeinen Entwicklung des Handwerks zu tun. Heute wird mehr dafür geworben, dass nicht jeder studieren muss. Und es gibt auch mehr junge Leute, die etwas Eigenes und Kreatives machen wollen.

Schmieden Sie auch privat?

Heckel: Schon, aber ich nehme mir mehr vor, als ich wirklich schaffe. Meine Freundinnen fragen mich häufig, ob ich ihnen nicht mal Ohrringe oder einen Ring machen kann. Zu Weihnachten habe ich zum Beispiel für eine Freundin eine Brosche gemacht.

Haben Sie Lieblingsedelsteine?

Heckel: Ich mag Turmalin und Rutilquarze. Am besten gefallen mir die Steine, die Einschlüsse haben, zum Beispiel eingewachsene Kristalle, wie auch bei meinem Gesellenstück. In diesen Steinen steckt einfach mehr Leben.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Heckel: Erst mal möchte ich hier in Godesberg Berufserfahrung sammeln. Und dann werde ich mich weiterbilden, entweder als Meister oder Edelsteinfasser. Letzterer befestigt die Steine in den passgenauen Lücken, die wir schmieden. Diese Lehre würde mich reizen, weil ich dann ein Schmuckstück komplett selbst machen könnte und es nicht mehr zum Fassen wegschicken müsste.

Zur Person

Viola Luna Heckel (25) stammt aus Lohmar und wohnt in Köln. In BadGodesberg hat sie ihre Ausbildung zur Goldschmiedin gemacht undschon währenddessen mehrere Preise gewonnen. Mit ihremGesellenstück, einem Anhänger, der sich mechanisch in einen Ringverwandeln kann, hat sie den Bundeswettbewerb der Goldschmiedegewonnen.