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Martinzug in Friesdorf: Umzug mit gemischten Gefühlen

Umzug in Friesdorf : Martinszug mit gemischten Gefühlen

Nach einem Jahr coronabedingter Pause sind am Donnerstagabend wieder kleine und große Laternenträger durch Friesdorf gezogen. Zu sehen waren neben Sankt Martin und Martinsfeuer auch Laternen mit politischen Statements.

Dass er den ganzen Tag in der Montur eines römischen Soldaten in Friesdorf unterwegs war, störte Ralf Hünten nicht. Allerdings stieg der Ortsausschuss-Vorsitzende vor dem Umzug am Donnerstag nicht ohne Bedenken auf das Pferd. „Meine Gefühle sind heute ein Mix aus Vorfreude über das Zurückgewinnen von etwas Alltagsnormalität im Freizeitbereich und dem Respekt vor den derzeitigen Coronazahlen“, sagte Hünten mit Verweis auf die zuletzt steigenden Inzidenzwerte.

Schon früh in diesem Jahr hatte sich der Ortsausschuss mit dem Thema „Martinszug in Corona-Zeiten“ beschäftigt und war zum Ergebnis gekommen, anders als im Vorjahr auf jeden Fall in irgendeiner Form im November mit einer großen Schar von kleinen und größeren Laternenträgerinnen und Laternenträgern durch die Friesdorfer Straßen zu ziehen.

Der Plan wurde am Donnerstag umgesetzt: Zwar konnte man sich nicht auf dem Schulhof der Servatiusschule aufstellen, da dieser zu klein ist, um den nötigen Abstand zu wahren. Doch im Großen und Ganzen war der Friesdorfer Martinszug 2021 so, wie man ihn aus der Zeit vor der Pandemie kennt. Die Kinder konnten mit ihren Laternen den heiligen Mann auf seinem Ross begleiten, drei Musikkapellen spielten auf, und auch ein Martinsfeuer neben der Servatiushalle gab es zu bestaunen.

Die Motive der Laternen zeugten von Kreativität. Es waren beleuchtete Erdkugeln zu sehen, die an die Protestschilder der Klimaschutzbewegung anknüpften. Einige waren mit dem eindeutigen Hinweis „There is no planet B“ („Es gibt keinen Planeten B“) versehen. Wiederum andere zeigten Umweltschäden. Sina, Mila, Maria und Tim aus der Kita Rasselbande Friesdorf hingegen trugen weniger politische, dafür aber nicht minder sehenswerte Einhorn-Laternen. Ein Vater aus einer Gruppe von Kinderfeuerwehr-Mitgliedern hielt seine dreijährige Tochter auf dem Arm. Sie hatte eine selbstgebastelte Laterne mit der Abbildung eines kleinen Rettungswagens in der Hand.

Ortsausschuss Friesdorf zeigt sich zufrieden

Angesichts des reibungslosen Ablaufes zeigten sich die Veranstalter nach dem Umzug sehr zufrieden. Aus den Reihen des Ortsausschusses gab es viel Lob – auch für die Stadtverwaltung, die rund um die Absage des großen Martinszuges in der Bonner City kritisiert wurde. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn hinsichtlich der Genehmigung des Martinszuges sowie der Erteilung der Abbrennerlaubnis für das Martinsfeuer waren letztendlich unproblematisch und angenehm“, hieß es am Abend vom Friesdorfer Organisationsteam.

Für den Ortsausschuss-Vorsitzenden hatte der Tag als Sankt Martin, wie eingangs erwähnt, bereits Stunden zuvor begonnen. Hünten hatte Kindergärten und Schulen in Friesdorf besucht und Wecken verteilt: „Sankt Martin hat den Mantel geteilt, ich teile mit den Kindern den großen Weckmann“, sagte er später. Bei seiner Tour hatte er auch die Hintergrundgeschichte des heiligen Martin erklärt – und die hat, ganz unabhängig von Corona, nichts an Aussagekraft verloren.