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Ausstellung im Kunstraum Villa Friede : Maskenpagode aus Stahlschaufeln

Ausstellung im Kunstraum Villa Friede : Maskenpagode aus Stahlschaufeln

In einer Gemeinschaftsausstellung zeigen Ren Rong und Fang Lijun ihre Werke im Kunstraum Villa Friede. Die Galerie in Mehlem will auch im November weiter Besucher empfangen, jedoch höchstens drei Personen gleichzeitig.

Verschmitzte Gesichter und eine Maskenpagode: Die Künstler Ren Rong und Fang Lijun haben am Samstagabend ihre Gemeinschaftssausstellung im Kunstraum Villa Friede eröffnet. Im Erdgeschoss können die Besucher Lijuns Tuschzeichnungen auf Reispapier betrachten, im Obergeschoss wartet Rongs Maskenberg, der hunderte Stahlschaufeln misst. Thematisch sei die räumliche Trennung aber nicht gedacht, betont Rong. „Ich freue mich, gemeinsam mit meinem Freund Lijun diese Ausstellung machen zu können. Er beschäftigt sich mit dem Gesicht und ich mit der Maske.“ Diese Auseinandersetzung mit dem Menschen und ihren Gesichtern sei in der aktuellen Situation sehr wichtig, so der Künstler.

Stolze 500 Stahlmasken hat Rong gemeinsam mit seinen Mitarbeitern in vier Tagen zu einer großen Pagode zusammengestellt. „Das ist ein Maskenberg, eine Maskenpagode – ich versuche, mit dem Zusammenbau von so vielen Masken einen Menschengeist zu schaffen, der sich erhebt“, erklärt Rong. Walter Smerling, Vorsitzender der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur, sieht in der Installation einen archäologischen Charakter. „Die Schaufeln werden genutzt, um etwas auszugraben und umzuwandeln.“ Dabei nehme Rong die Rolle des Künstlers ein, der in die Schichten hineinschaut, um Erkenntnisse zu erlangen. „Außerdem strahlt seine Arbeit mit ihrer Aura ein Geheimnis aus, das macht es so interessant. Historisch wie aktuell“, sagt Smerling.

Kunsthistoriker Dieter Ronte schätzt an der Installation den transformatorischen Charakter. „Rong kann diese Schaufeln immer wieder anders zusammenstellen und so aufs Neue eine andere Argumentation bilden.“ Rong wie Lijun seien freie Künstler, die sich sehr kritisch mit den Problemen der Gegenwart, also in China und Europa, auseinandersetzen würden, so Ronte: „Beide zeichnet eine sehr starke und soziale Verpflichtung gegenüber dem Menschen aus.“ Lijun setze sich zum Beispiel viel mit den Beziehungen zwischen dem Kollektiv und dem Individuum auseinander.

Smerling, der Lijun gut kennt, wagt die These: „Seine Bilder reflektieren zynisch die chinesische Gesellschaft. Das sieht man auch in den Gesichtern. Dort ist immer wieder ein Schmunzeln und Lachen erkennbar“, so der Professor. Für Ronte stellt Lijun so die Massengesellschaft kritisch dar. „Mit seinen Tuschzeichnungen auf Reispapier macht er ein Interview. Man hat das Gefühl, dass alle Darstellungen sehr individuell sind“, so der Kunsthistoriker. Smerling hebt Lijun auf eine Stufe mit den ganz großen internationalen Künstlern. „Lijun ist ein Künstler, der aus der chinesischen Tradition kommt und das Vokabular der Kunst hervorragend beherrscht“, sagt er. Der Künstler sei sowohl Zeichner, Plastiker und Maler, beherrsche aber auch die Inszenierung.

Aufgrund der Corona-Bestimmungen müssen alle Kulturveranstaltungen pausieren. Ganz schließen soll die Doppelausstellung aber nicht, wie Rong auf Nachfrage mitteilt. „Wichtig ist es, in der Situation nicht aufzuhören und weiterzumachen.“ Demnach sollen weiterhin jeweils drei Personen gleichzeitig in die Ausstellung dürfen.

Weitere Infos: www.kunstraum-villa­friede.de