1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Mehlemerin veröffentlicht 150-Seiten-Lyrikband „Jenseits von Worten"

Sabine Schildgen hat ihren ersten Gedichtband herausgebracht : Vom Bücherschrank zum eigenen Buch

Literatur ist ihre Welt, das Schreiben ihre große Leidenschaft. Nun hat die Mehlemerin Sabine Schildgen ihr erstes eigenes Buch herausgebracht.

Am Anfang stand der private Bücherschrank, den Sabine Schildgen mit ihrem Mann Andreas 2017 auf ihrem Grundstück An der Nesselburg 43 aufstellte. Wie berichtet, dient dieses kostenlose Buchangebot gerade Wartenden an der nahen Bushaltestelle als Geheimtipp, um von Romanen über Sachliteratur und Gartenzeitschriften bis zu Kinderbüchern Interessantes zum Schmökern zu finden. Nach dem von der Bürgerstiftung Bonn und vom Ortsausschuss Mehlem organisierten offenen Bücherschrank auf dem Marktplatz ist das der zweite beliebte Outdoor-Treffpunkt für Leseratten im südlichsten Godesberg. Jetzt hat Sabine Schildgen erstmals eigene Literatur veröffentlicht. Damit habe sie sich endlich ihren lang gehegten Traum erfüllt, sagt sie.

„Ich bin vom Bücherschrank zum eigenen Buch gekommen“, erklärt sie und zeigt den 150-Seiten-Band mit dem Titel „Jenseits von Worten“. Die 53-Jährige hat sich an Lyrik gewagt, also an die komprimierteste Form von Literatur. Sie habe zwei Semester angewandte Religionswissenschaften studiert, dann bei einem Anwalt, in einer Buchhandlung, einem Verlag, Arztpraxen, Altenheimen und Kneipen gearbeitet, erzählt die Mutter zweier Kinder. Inzwischen sei sie Büromanagerin im heimischen Betrieb, umringt von zwei Katzen, sieben Schafen, 15 Hühnern und Tausenden von Bienen, schildert die Autorin.

„Ich schreibe schon sehr lange Gedichte und kürzeste Prosatexte, seit einigen Jahren auch recht erfolgreich im Internet“, berichtet Schildgen. Im Sommer 2019 war sie bei einer Lesung der Schreibgruppe um Beate Fuhrmann auf dem „KunstRasen“ Bonn dabei. Ihr eigener Internetblog ist unter der Adresse www.wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com zu finden. Was sie wohl mit diesem Fantasiewort meint? Schildgen spiele mit „Wörterschlangen“, drückt es im Vorwort die Kollegin Fuhrmann aus. Da ist im Gedicht „Pausentaste“ die Zeile „herzweheng“ ebenso ein Wort wie die folgende: „pulsrastdemlebendavon“. Schildgen komprimiert sogar Wörter, die plötzlich ganz eigenartige Verbindungen miteinander aufnehmen.

Die jeweils von Aquarellen eingeleiteten Buchkapitel sprühen einerseits vor Lebensfreude, wenn zum Beispiel die Hand des geliebten Menschen Kränze aus Gänseblümchen flicht und sein Atem Löwenzahn der Zuneigung in den Himmel pustet. Andererseits ist das lyrische Ich auch Leid ausgesetzt. Schleichend hat sich etwa die Demenz einer älteren Frau bemächtigt. Während sie ihr Kind nicht mehr erkennt, lächelt sie still vor sich hin und dreht sich weiter zur Musik. Das lyrische Ich in den Gedichten spürt in der Quarantäne der aktuellen Pandemie, wie die Zeit rückwärts tickt und wie das eigene Blut durch die Tage zu rauschen scheint. Schildgen stellt sich den sieben Todsünden, beendet ihr erstes Buch dann aber wieder mit einem versöhnlichen Ausblick, in dem das Gegenüber die Versicherung erhält: „Ich trage dich / durch alle Zeiten.“ Was mag sich die angesprochene Person Schöneres wünschen?

Im Handel erhältlich: Sabine Schildgen, Jenseits von Worten. Lyrik. Bonn 2021, 7,99 Euro.