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Hindenburg-Forum: Mehrheit gegen eine Straßenumbenennung

Hindenburg-Forum : Mehrheit gegen eine Straßenumbenennung

"Hindenburgallee 50", dies ist die Anschrift der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule in Plittersdorf. Kein Zufall also, dass die Adresse am Donnerstagabend zum Ort eines Bürgerforums wurde, bei dem es um die Zukunft eben dieses, dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gewidmeten, Straßennamens geht.

Der steht - wie auch die Bezeichnung des Hindenburgplatzes in Dottendorf - zur Disposition, seit die Urheber eines Bürgerantrags die Umbenennung fordern. In Reaktion darauf fordert ein anderer Bürgerantrag, alles beim Alten zu belassen. Beide Parteien waren bei der gestrigen Diskussion ebenso zugegen wie zwei Professoren aus Münster.

Wer sich inhaltlich maßgeblich Neues versprochen hatte, dürfte die Aula nach knapp drei Stunden enttäuscht verlassen haben. Auch die Resonanz hielt sich in Grenzen: Etwa 45 Personen verloren sich auf den reichlich vorhandenen Klappstühlen. In der von Ulrich Weitz souverän moderierten Runde sorgten insbesondere die beiden Wissenschaftler aus Münster für Impulse.

Dort war der Hindenburgplatz vor nicht allzu langer Zeit in Schlossplatz umbenannt worden, wofür eine 60-Prozent-Mehrheit in einem Referendum gesorgt hatte. "Nach einer hitzigen, heftigen und teilweise wüsten Debatte mit Eskalationen auf beiden Seiten", wie sich der Politikwissenschaftler Norbert Kersting erinnerte.

Obwohl "eigentlich ein Verfechter von direkter Bürgerbeteiligung", riet er den Bonnern von dieser Lösung ab, denn: Die Spaltung sei programmiert und schade der Stadt. "Kompromisslösungen statt Kampfabstimmungen", so Kerstings Credo. In Münster beispielsweise sei es in der Diskussion weniger um die Person Hindenburgs gegangen, als um einen ideologisch geprägten Grundsatzstreit. Besser, so Kersting, hätte man die Gelegenheit für eine grundsätzliche Debatte über "Identität und Selbstverständnis" nutzen sollen.

Als Historiker verwies Hans-Ulrich Thamer auf den neuesten Stand der Hindenburg-Forschung. Die, so Thamer, bekräftige die Überzeugung des namhaften Bonner Historikers Karl-Dietrich Bracher: "Hindenburg war kein Verfassungsförderer der Weimarer Republik, sondern das Gegenteil". Die Trennlinie für Straßenbenennungen, so Thamer, verlaufe für ihn dort, wo eine Konformität der historischen Person mit der heutigen Verfassungsordnung nicht gegeben sei - und das gelte für Hindenburg eindeutig.

So sieht es bekanntlich auch der Verein Wissenskulturen, für den Gerd Pütz darlegte, aus welchen historischen Gründen Hindenburg, der "Steigbügelhalter Hitlers", als Namensgeber einer Straße "untragbar" sei. Die Gegenposition vertrat wie schon in mehreren Bezirksvertretungssitzungen Bernd Hartwig. Seiner Haltung schlossen sich im Ergebnis etwa drei Viertel der Anwesenden, darunter viele Anlieger, an und wandten sich bei einem unverbindlichen Testvotum gegen die Umbenennung. Entscheiden wird letztlich die Politik.