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GA-Serie „Ruhestand 4.0“: Mit 97 Jahren ist Ursula Meert dem Glück auf der Spur

GA-Serie „Ruhestand 4.0“ : Mit 97 Jahren ist Ursula Meert dem Glück auf der Spur

Mit fast 97 Jahren arbeitet Ursula Meert an ihrem dritten Buch. Diesmal geht es um die ganzheitliche Gesundheit, also die Balance von Körper, Geist und Seele. Die gelernte Buchhalterin legte mit 73 Jahren ihre Prüfung zur Gesundheitsberaterin ab.

Das plötzliche Ende der Kindheit, das Auseinanderbrechen der Familie, der Zweite Weltkrieg, die Begegnung mit der ersten großen Liebe, die Auswanderung nach Übersee und die Erfahrung, dass der Traum von einem glücklichen Leben wie ein Kartenhaus zusammenfallen kann, lassen eine junge Frau zur Überlebenskünstlerin werden. Als die gebürtige Berlinerin Ursula Meert, die seit zehn Jahren auf dem Heiderhof lebt, sich zum Publizieren ihrer Lebenserinnerungen entscheidet, ist sie im 92. Lebensjahr.

Im Juli wird die alte Dame 97 Jahre alt und schreibt zurzeit an ihrem dritten Buch, das im Herbst erscheinen soll, Titel: Die gesunde Ganzheit, Untertitel: Dem Glück auf der Spur. In ihrem ereignisreichen Leben musste sie viele leidvolle Momente überstehen und etliche Bürden auf ihren Schultern tragen und ist dabei immer weiter gegangen – dem Leben entgegen. So lautete deshalb auch der Titel ihres ersten Buches: „Dem Leben entgegen.“

Sie genießt die Natur noch mehr als sonst

In den vergangenen Wochen hat sich Meert coronabedingt selbst unter Quarantäne gesetzt. Hinzu kam dann eine schmerzhafte Arthrose in den Knien, die ihr das Laufen erschwerte. Versorgt wird sie glücklicherweise von ihrer Tochter. Mittlerweile geht sie aber wieder vor die Tür und „genießt den Spätfrühling auf dem Heiderhof“, wie sie schwärmt. „Jetzt offenbart sich die Schönheit der Erde, auch wir Menschen erfahren ein Erwachen unserer Kräfte. Nutzen wir diese für eine neue, liebevolle Zuwendung zu unserem Planeten“, fordert sie. „Ich bin voller Hoffnung und Vertrauen darauf, dass wir Menschen auf diesem schönen Planeten Erde voller Ehrfurcht vor dem Leben, wie es beispielsweise Albert Schweitzer ausdrückt, unser Dasein leben dürfen.“

Allerdings konstatiert Meert auch: „Wir leben in einer schnelllebigen Zeit.“ Dabei müsse man eine Verbindung zwischen dem Guten und dem Hektischen finden, ist sie überzeugt. „Wenn der Mensch den Wert des Lebens nicht erkennt, entfernt er sich von der Schöpfung“, sagt sie. Und sie sagt es nicht nur so daher, sondern engagiert sich auch ganz konkret seit vielen Jahren in dem von ihr gegründeten Umweltverein „Freunde der Erde“.  Ihr Antrieb dabei: „Die Menschen sind viel zu gleichgültig ihrer Umwelt gegenüber.“ Denn das Gleichgewicht der Natur sei zerstört, die Menschen beteiligt an der Giftspritzung der Böden, an einem steigenden CO2-Ausstoß, der Rodung der Wälder und der Massentierhaltung, bei der „unsere Mitgeschöpfe“ qualvoll sterben würden. „Wollen wir so weiter machen?“, fragt sie.

Mit Buchhaltungsbüro selbstständig gemacht

Vor 20 Jahren hat sie die Prüfung zur Gesundheitsberaterin gemacht, mit 73, wo andere schon lange ihren Ruhestand genießen, begann sie zu studieren: ALP-Akademisches Lehrinstitut für Psychologie, ein ganzheitliches und praxisorientiertes Masterstudium für Berufserfahrene in Kommunikation und betrieblicher Psychologie. „Mit dieser Ausbildung versuche ich, beratend Menschen zu einem ganzheitlichen, gesunden Leben zu verhelfen.“ Gerade jetzt, in diesen schwierigen Corona-Zeiten, will sie anderen beistehen und bietet kostenlose telefonische Hilfe an. „Das ist meine Art und Weise zu helfen“, sagt sie.

Ihr Berufsleben allerdings hat sie 40 Jahre lang als Buchhalterin verbracht, selbstständig und mit eigenem Büro. „Dabei bin ich von meinem Wesen her so gar keine Buchhalterin“, lacht sie. Eher eine Art Langstreckenläuferin, denn sie arbeitet ja bereits an ihrem dritten Buch, das sich um ganzheitliche Gesundheit dreht. Denn von einem ist sie fest überzeugt: Das Glück liegt in der richtigen Balance von Körper, Seele und Geist. „Wenn wir unseren Geist nicht bewegen, dann wird das nichts“, fügt sie lächelnd hinzu. Zurzeit liest sie das „Methusalem-Komplott“ von Frank Schirrmacher, ein Buch, das sich mit der immer weiter alternden Gesellschaft beschäftigt. Und sie bleibt optimistisch: „Am Ende des Tunnels ist das Licht“, ist sie überzeugt, denn, so fügt sie hinzu: „Unsere große Hilfsbereitschaft einzusetzen, dafür sind wir Menschen bereit.“