1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Godesberger Originale: Mit frohem Naturell für die gute Sache

Godesberger Originale : Mit frohem Naturell für die gute Sache

Susanne Gundelach kommt gerade von Bonns stationärem Hospiz am Waldkrankenhaus. Jetzt sitzt sie am heimischen PC. "Ich plane gerade die kommenden Kulturtermine", erklärt die Frau, die seit zehn Jahren Musik und Kunst genau dahin holt, wo Menschen pflegerisch und palliativ versorgt und seelsorgerisch begleitet in Ruhe sterben können.

Mit 170 Konzerten und zwölf Vernissagen haben Gundelach und ihr Team also nicht nur die Schwerkranken erfreut, sondern auch schon fast 6000 Besuchern geholfen, ihre Schwellenangst vor Hospizen zu überwinden. "Da kommt immer ein fantastisches Gemeinschaftsgefühl auf", freut sich Gundelach. Am Anfang habe sie noch im Bekanntenkreis nach Künstlerkontakten Ausschau gehalten. "Doch längst melden sich die Musiker und Maler selbst bei mir.

Obwohl sie wissen, dass wir ihnen nichts zahlen können." Gundelach strahlt zufrieden. Sie stemmt die Arbeit als Gründungsmitglied des Hospizvereins Bonn ebenfalls ehrenamtlich. Und sie mischt in ihrer Freizeit seit Jahren auch in der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft, die mit dem Arpmusuem die Rolandseck-Festivals ausrichtet, im Team um Curt Delander zugunsten der Gertrudis-Kapelle und in der Alexander-Koenig-Gesellschaft mit. "Irgendwie hat sich Eines aus dem anderen ergeben", meint Gundelach nachdenklich zur wachsenden Palette ihrer Einsätze.

"Ohne Ehrenamt läuft doch in der Kultur heute nichts mehr." Die Frau mit dem leuchtend roten Haarschopf hüpft offensichtlich mühelos von einer Benefizveranstaltung zum nächsten Gedenktermin, der vorher gründlich vorbereitet sein will. Stets gut gelaunt, modisch gekleidet, eloquent, charmant, aber gleichzeitig immer kämpferisch für die gute Sache. "Ich glaube, ich habe ein gutes Naturell. Es fällt mir nicht schwer, mich immer wieder 'reinzuknieen", sagt Gundelach. Sie glaube ans Positive. "Und ja, ich glaube an Gott", kommt dann ernst hinterher.

Im letzten Kriegsjahr sei sie in Oberschlesien geboren worden und als Kleinkind zweimal auf der Flucht über Thüringen nach Köln gewesen, sagt sie. "Ich erinnere mich aber nur an eine glückliche Kindheit", sagt Gundelach dankbar. Der Vater habe dann im Hauptstadt-Bonn eine Stelle bekommen. "Und ich habe die Volksschule in Poppelsdorf und dann die Liebfrauenschule besucht." Ihr Studium an der Bonner Pädagogischen Hochschule habe sie sich selbst durch Arbeiten finanziert. 1968 heiratete sie den Jurastudenten Horst Gundelach und zog mit ihm 1969 nach Bad Godesberg.

Auf ihr Lehrerstudium habe sie dann noch das Fach Sonderpädagogik draufgesattelt. "Beim Praktikum in einer Förderschule hatte ich gemerkt, dass mir das individuelle Unterrichten unheimlich zusagt." Sie habe gesehen, wie Kinder, die sich zuvor "ganz unten" gefühlt hätten, in der Gruppe mit Gleichen plötzlich aufblühten. Genau da wollte sie tätig sein. Was sie dann über 37 Jahre in Schulen in Alfter und Duisdorf auch verwirklichte.

Zurück zu Bad Godesberg, das ihr inzwischen sehr am Herzen liegt. "Ach, es ist einfach noch ein wunderschöner Stadtteil. Man muss vom Zentrum nur mal in die einzelnen Ortsteile schauen", schwärmt sie. Sicher, Kritik an der Entwicklung scheue auch sie nicht. "Aber es hilft doch nichts, immer zu jammern. Ich freue mich über alle Ansätze, die Bad Godesberg wieder so lebendig und attraktiv machen wie vorher."

Gundelach verweist auf die durch Bürgerengagement erbaute Quellenanlage am Draitschbrunnen. Ein Stehauffrauchen ist sie auf jeden Fall. Ihr in den letzten Jahren starker Einsatz für ein Beethoven-Festspielhaus, für das sie als Gründungsmitglied der Bürger für Beethoven "wie bekloppt" Unterschriften sammelte, wurde kürzlich enttäuscht. Doch sie ist eine gute Verliererin. "Granatenwütend" sei sie nach der Negativ-Entscheidung gewesen, erinnert sie sich lachend - um sofort zu mahnen, nun nicht im Ärger zu verharren, sondern alle Kräfte zu bündeln, "damit wir etwas Neues, Gutes für die Beethovenstadt schaffen."

Was macht Susanne Gundelach eigentlich, wenn sie mal nicht "schafft", keine Konzerttermine organisiert, Pressemeldungen für den Hospizverein Bonn schreibt oder weiter Netzwerke knüpft? Dann schlüpfe sie aus den Pumps und schnalle sich die Wanderstiefel an, und es gehe mit ihrem Mann beherzt hinaus auf den Rheinsteig und an die Ahr, antwortet sie. Oder sie beide flüchteten sich an ihren "Geheimplatz" am Godesberger Rheinufer. "Wo man auf den Drachenfeld blicken kann, wo der Fluss ganz friedlich strömt, wo kein Lärm ist, und wo wir in vollen Zügen die Schönheit der Natur genießen können."