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Menschen am Fluss: Mit ihm pendelten sogar Kanzler

Menschen am Fluss : Mit ihm pendelten sogar Kanzler

Ralf Schmidt arbeitet seit 50 Jahren auf der Auto-Schnellfähre Bad Godesberg - Niederdollendorf

BAD GODESBERG. Ein Leben auf dem Rhein. Morgens die ersten Sonnenstrahlen auf den Wellen glitzern sehen und die abendlichen Sonnenuntergänge bewundern - aber auch bis tief in die Nacht die Maschinen reparieren und bei kalten Herbststürmen auf dem Fluss arbeiten. Das alles gehört zum Leben eines Fährmanns. Ralf Schmidt setzt mit den Autofähren Konrad Adenauer oder St. Christophorus durchschnittlich zwölf Mal pro Stunde Personen, Autos und Fahrradfahrer sicher ans andere Ufer über - und das jetzt schon seit 50 Jahren für die "Auto-Schnellfähre (ASF) Bad Godesberg-Niederdollendorf GmbH".

Geboren wurde Schmidt am 22. September 1943 in Grafenau in Bayern. Seine Eltern stammten jedoch aus dem Rheinland. Zur Schifffahrt kam er durch seinen Bruder, der als Matrose tätig war. Nach seiner dreijährigen Ausbildung in Homburg zum Binnenschiffer heuerte er zunächst als Decksmann auf einem Rheinfrachter an. Die Arbeit langweilte ihn, sodass er nach sechseinhalb Jahren am 1. April 1964 zur Bad Godesberger Rheinfähre als Kassierer wechselte. Er übernahm verschiedene Tätigkeiten auf dem Schiff, ob nun die Fähre einen neuen Anstrich benötigte oder das Deck zu säubern war. Seit 1972 kümmerte er sich schließlich um die ganze Technik auf dem Schiff. Er steuerte nicht nur, sondern bediente auch die Rampen und führte kleinere Reparaturen durch. Auch im Rentenalter geht der Fährmann noch regelmäßig an Bord: Wenn ein Anruf aus der Zentrale kommt, ist er in drei Minuten da, um einzuspringen. In den 50 Jahren hat Schmidt eine ganze Reihe von prominenten Persönlichkeiten über den Rhein chauffiert. Zu den bekanntesten zählt sicherlich Konrad Adenauer, der während seiner Amtszeit als Kanzler täglich von Rhöndorf nach Bonn befördert wurde. "Adenauer war immer freundlich. Um seinen Mercedes versammelten sich die Frauen und wollten Autogramme von ihm", erinnert sich Schmidt. Sogar der Kaiser von Japan war einmal zu Gast auf der Fähre. Viele der Stammgäste waren damals in den Ministerien tätig. Schmidt beförderte aber nicht nur Adenauers Nachfolger, von Willy Brandt über Ludwig Erhard bis hin zu Gerhard Schröder, sondern auch Filmteams, die Fähre, Rhein und Siebengebirge als besondere Kulisse nutzten. So drehte Armin Müller-Stahl seinen allerersten Film auf der Auto-Schnellfähre.

Als persönliche Highlights nennt Schmidt das alljährliche Bootsfest mit 500 Gästen im Sommer und die Fahrt nach Speyer, als die Fähren anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Post auch alte Postkutschen mit Pferden über den Rhein transportierten. In den Jahren gab es so manch besondere Ereignisse: Ärger mit unvorsichtigen Paddlern, zahlreiche durchgearbeitete Nächte für Reparaturen und einige nächtliche Anrufe. So halfen Schmidt und seine Kollegen, als in Oberkassel vor Jahren ein schwerer Tanker die Brücken am Ufer abgerissen hatte und die losen Teile nur mit den Fährschiffen abtransportiert werden konnten. Als Fährmann wurde er auch oft zum Retter in Not - für übereifrige Sportler, die sich nur mühsam am Boot festklammern konnten, oder für verzweifelte Hunde im Wasser.

Privat zieht es Schmidt auch ans Wasser, zum Beispiel an die bayrischen Seen. Den Tegernsee, den Starnberger See und den Chiemsee hat er schon oft besucht. Viele Urlaube verbrachte er gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern an den Küsten Italiens. Fester Bestandteil sind für ihn die Fahrten mit den zahlreichen Personenschiffen - dabei genießt er entspannt als Passagier die Schönheit des Rheins. Einmal im Jahr fährt er mit einem Kollegen auf dem Schaufelradschiff RMS Goethe über den Rhein. Als Fährmann zwischen den Ufern ist er ohnehin immer auf Achse. "Wenn die Zufahrt voller Autos steht, dann bin ich in meinem Element", erzählt er. Ein Lied über die Rheinfähre von Niederdollendorf nach Godesberg gibt es auch schon: Die Wise Guys haben ihr mit "Seemann" ein Denkmal gesetzt. Darin heißt es: "Der Wind zieht mich mit Macht hinaus." Das geht auch Ralf Schmidt so.