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Mitglieder der Bezirksvertretung vertagen Fällgenehmigung eines Baums

Bauvorhaben in Muffendorf : Politiker stellen Fällung von großem Baum infrage

Mitglieder der Bezirksvertretung Bad Godesberg vertagen Fällgenehmigung einer Stiel Eiche. Dadurch verzögert sich der Baubeginn von sechs Reihenhäusern in Muffendorf - Bauordnungsamt ist von der Entscheidung alles andere als begeistert.

Dass ein Baum, nicht nur einfach ein Baum ist, wurde am Mittwochabend bei der Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg wieder einmal deutlich.

Auf einem Grundstück zwischen der Peter-Schwingen-Straße und der Muffendorfer Straße in Muffendorf möchte ein Bauherr aus Niederkassel insgesamt sechs Reihenhäuser mit Garagen errichten. Soweit so gut. Für die Maßnahme müssen allerdings Bäume entfernt werden. Für die Häuser drei und vier muss eine Stiel-Eiche mit einem Stammumfang von mehr als 200 Zentimeter sowie weitere fünf satzungsgeschützte Bäume mit einem Stammumfang von weniger als 200 Zentimeter gefällt werden. „Als Ersatzpflanzung für die Stiel-Eiche wird ein heimischer Laubbaum mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimeter gefordert.

Ersatzpflanzungen sind geplant

Auch für die weiteren satzungsgeschützten Bäume, die für diese Maßnahme zur Fällung freigegeben werden sollen, werden Ersatzpflanzungen gefordert“, so die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage. Die Baumkommission nimmt solche Bäume in Augenschein und entscheidet dann, ob sie gefällt werden dürfen oder nicht. Nur hat sich nach der Wahl noch keine neue Baumkommission konstituiert, weshalb auch keine Sitzungstermine terminiert sind. Das hat nun zur Folge, dass die Bezirksvertretung über die Fällung zu entscheiden hat und die Baumkommission im Nachgang durch eine Mitteilungsvorlage über die Entscheidung der Mitglieder der Bezirksvertretung informiert werden - so hat es sich zumindest die Verwaltung vorgestellt.

Die Stiel-Eiche ist das Zünglein an der Waage

Das Zünglein an der Waage ist aber der große Baum. Denn dieser muss nicht für den Neubau weichen, sondern für das Arbeitsgerät, das sonst keinen Platz vor Ort hätte. Sigrun Scharf, Leiterin des Bauordnungsamtes, informierte die Mitglieder der Bezirksvertretung entsprechend. Dort stieß sie aber nicht auf Gegenliebe. „Für so eine Entscheidung haben wir die Baumkommission“, sagte Nicole Unterseh von den Grünen. Uli Barth von der SPD sagte gleich unumwunden: „Die SPD wird das Thema der Baumkommission vorlegen und daher vertagen.“ Dabei fühlte sich Barth vor allem dadurch bestätigt, weil der Baum lediglich im Arbeitsraum steht. Eine Aussage, die bei Sigrun Scharf nur zu Kopfschütteln führte. Sie könne dies dem Bauherrn gegenüber nicht mehr vertreten. Er hätte schon vor drei bis vier Monaten mit dem Bau beginnen können.

Bezirksvertretung Bad Godesberg muss entscheiden

„Ich habe den Bauherrn im Nacken“, so Scharf. Daher kündigte sie bei Vertagung an, sich an Oberbürgermeisterin Katja Dörner zu wenden, sodass per Eilantrag entschieden werden muss. Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn warnte vor voreiligen Entschlüssen und warb dafür, sich die Sache in Ruhe anzusehen. Er brachte auch eine Umplanung ins Spiel, sodass der Baum stehen bleiben könnte. „Ich betone, dass wir als Bezirksvertretung dafür zuständig sind und nicht die Oberbürgermeisterin“, so Schmitt. „Wenn mit der Fällgenehmigung alles in Ordnung ist, können wir dieser auch zustimmen“, so Jens Röskens von der CDU, dem müsse aber eine eingehende Prüfung vorausgehen.

Kurzzeitig stand im Raum, ob die Angelegenheit nicht in den Planungsausschuss vertagt werden soll. Allerdings wich das Gremium schnell von diesem Gedanken wieder zurück, da der Planungsausschuss die Entscheidung wieder in die Bezirksvertretung zurückgeben würde - schließlich muss dort die Entscheidung fallen.

Stadt Bonn schützt seit 1985 städtische Bäume

Die Mitglieder der Bezirksvertretung stimmten für eine Vertagung der Angelegenheit. Sigrun Scharf schlug daraufhin die Hände über den Kopf zusammen und schüttelte diesen. Denn mit der Entscheidung ist klar: Der Baubeginn in Muffendorf verschiebt sich weiter. Den Niederkasseler Bauherren konnte der GA bis Redaktionsschluss zu dem Thema nicht erreichen.

Mit ihrer Entscheidung entsprechen die Mitglieder der Bezirksvertretung allerdings einer jahrzehntelangen Selbstverpflichtung der Stadt Bonn gegenüber den Bonner Bäumen.

Denn bereits seit 1985 verfolgt die Bundesstadt das Ziel, den Baumbestand im Stadtgebiet besonders zu schützen, wie die Stadtverwaltung auf ihrer Internetseite schreibt. Bäume würden dabei der Sicherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes dienen.

Satzung regelt alle Details

„Sie sollen wegen ihrer Seltenheit, Eigenart und Schönheit sowie zur Belebung, Gliederung oder Pflege des Orts- und Landschaftsbildes erhalten und gepflegt werden. Außerdem dienen sie zur Verbesserung des Klimas im Siedlungsbereich“, schreibt die Stadt weiter. Um diese Ziele zu erreichen, wurde eigens eine Satzung zum Schutz des Baumbestandes in der Bundesstadt Bonn erlassen. Danach stehen grundsätzlich alle Laubbäume ab einem Stammumfang von 100 Zentimeter und Nadelbäume ab einem Stammumfang von 150 Zentimeter - gemessen in 100 Zentimeter über dem Erdboden - unter Schutz und dürfen ohne Genehmigung weder gefällt noch beschnitten werden.