1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Vergabe des siebten „Dichtungsrings“: Monika Littau erhält Bonner Literaturpreis 2021

Vergabe des siebten „Dichtungsrings“ : Monika Littau erhält Bonner Literaturpreis 2021

Unter 500 Einreichungen von Lyrik und Prosa zum Thema Zwiegespräch, wählte die Jury das Werk der Remagener Autorin aus. Es ist die Geschichte einer Eltern-Kind-Beziehung, die „viele Menschen berührt, beschäftigt, Sorgen macht, Zeit kostet“, heißt es.

Am Sonntag war es wieder soweit: Die in Bad Godesberg verortete Gruppe „Dichtungsring“ vergab bei einer Matinee im Kurfürstlichen Gärtnerhaus zum siebten Mal ihren mit 1.000 Euro dotierten Bonner Literaturpreis, und zwar an die Remagener Autorin Monika Littau. Zweite Plätze gingen an Anke Laufer und Daniel Mylo, beide Autoren aus Baden-Württemberg. „Wir haben aus über 500 Einreichungen von Lyrik und Prosa zum Thema Zwiegespräch ausgewählt“, berichtet Susanne Schmincke vom Vorstand. In der Endrunde sei anonymisiert über elf Werke entschieden worden. Littaus Thema Eltern sei eines, das „mit allem, was dazu gehört nach der Erziehungsphase eigener Kinder, sehr viele Menschen berührt, beschäftigt, Sorgen macht, Zeit kostet“, sagt Schmincke zum Siegerbeitrag. „Die vielen, vielen alten Menschen prägen unsere Gesellschaft.“

Sie freue sich, dass es gerade ihr Text „Vater muss los“ sei, der beim Bonner Literaturpreis 2021 das Rennen gemacht habe, erklärt Littau selbst. „Es ist ein Text, mit dem ich zeigen wollte, wie wertvoll es sein kann, Eltern, auch wenn sie dement sind, zu begleiten und zu betreuen“, führt die studierte Germanistin aus. Positions- und Meinungskämpfe zwischen den Generationen seien dann Geschichte. „Es gibt nur noch das Gefühl, die Bindung. Eine herausfordernde und auch heilsame Erfahrung.“ Sie habe gerade ein Buch mit lyrischer Prosa unter dem Titel „Manchmal oben Licht. Ein Elternabschied in VII Stationen“ veröffentlicht, berichtet Littau, die erst im Oktober zweimal im Godesberger Trinkpavillon auftrat. „Dabei handelt es sich um eine umfassendere Bearbeitung der Themen Alter, Demenz, Tod.“ Aktuell stellt sie für einen Verlag ein Lesebuch zusammen und schreibt am nächsten Roman. „Nach meiner Erfahrung hat jeder Stoff seine eigene Form, und die klärt sich nach und nach im Prozess“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise.

Tropfender Wasserhahn wird zum Leitbild der Gruppe

Der „Dichtungsring“ hatte sich vor 40 Jahren um die Studenten Hubert Katzmarz und Thomas Rugo sowie den Romanistik-Professoren Alfons Knauth gebildet. Knauth hatte in seiner Wohnung gerade einen tropfenden Wasserhahn repariert, also dessen Dichtungsring erneuert, als ihn ein Anruf mit der Frage erreichte, wie denn die kommende Literaturgruppe am besten heißen könnte. Knauth brachte dann einfach diesen wichtigen Abdichtungsring ins Spiel. Und bei der konstituierenden Sitzung wurde das Foto eines tropfenden Wasserhahns zum Leitbild der Gruppe und ihrer Zeitschrift.

Seither veröffentlichen unzählige Autoren in diesem interkulturell, multilingual und gattungsoffen angelegten Magazin. Meist, bevor sie den Schritt zum eigenen Buch wagen, berichtet Vorstandsmitglied Schmincke. Aber auch Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Primo Levi haben schon zu den Autoren gehört. „Der Dichtungsring zählt zu den ältesten Literaturzeitschriften in Deutschland.“

Zur Matinee legte die Gruppe, die sich derzeit verjüngt, ihre Jubiläumsausgabe in Form einer Doppelnummer mitsamt den besten Wettbewerbsbeiträgen sowie die im Sommer erschienene Vorgängerausgabe zum Thema „Schlüsselerlebnis“ vor. Man plane, mit einem Literaturfrühstück Kontakte zu weiteren Autoren und Illustratoren aufzubauen und ins Gespräch mit der Bonner Germanistik zu kommen, sagt Schmincke. Zudem steht eine Kooperation mit dem Rüngsdorfer Kulturbad an.

Zu beziehen sind die Ausgaben des „Dichtungsrings“ über die Homepage www.dichtungsring-ev.de