Gewerbegebiet Bad Godesberg Moschee statt Haus der Energie

Bad Godesberg · Die Bonner Stadtwerke lassen einen Unternehmer mit seinem Konzept für das Areal an der Weststraße abblitzen und verkaufen das Grundstück stattdessen dem Marokkanischen Kulturverein.

 Pläne.

Pläne.

Foto: Andreas Dyck

Für das alte Stadtwerkegebäude an der Weststraße, das an den Marokkanischen Kulturverein verkauft werden soll, gab es fortgeschrittene Pläne für ein Haus der Energie. Nachdem die Verwaltung zunächst anklingen ließ, für das Areal habe es keine gewerblichen Interessenten gegeben, hat sich beim GA nun der Geschäftsführer der Firma Eurolux AG, Marco Prinz, zu Wort gemeldet, dessen Konzept bei den Stadtwerken vor zwei Jahren nach eigenen Angaben auf positive Resonanz gestoßen war und kurz vor dem Abschluss stand.

„Die Idee war gewollt – bis die Moschee vorgeschlagen wurde“, sagte Prinz. Die Stadtwerke hätten Prinz unvermittelt abblitzen lassen und sich für den Kulturverein als Käufer entschieden. Zuvor hatten auch schon andere Unternehmer dem GA gesagt, sie hätten Interesse an dem Grundstück angemeldet. Teils seien die Anfragen aber nicht mal beantwortet worden. „Es wurde lange gesagt, eine ökonomische Idee für das Areal gebe es nicht, aber das stimmt so nicht“, sagte Prinz.

Konkrete Pläne lagen vor

Auf 550 Quadratmetern Ausstellungsfläche wollte der Unternehmer Beratungsangebote rund um die Themen Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien schaffen und dazu diverse Hersteller, Dienstleister und Fachleute unter ein Dach bringen.

Anbieter sollten dort Produkte wie Heizkessel, Pelletöfen und Solaranlagen ausstellen, Handwerker über Kosten und Einsatzmöglichkeiten beraten, Architekten und Ingenieure konkrete Planungen durchführen. Neben der Ausstellerhalle sollte es Büros, Lagerflächen, ein Bistro und 30 Parkplätze geben. Zudem wurde über eine Kooperation mit der Bonner Energie Agentur und den Stadtwerken nachgedacht.

Mit seiner Idee sei er auf große Zustimmung gestoßen. Immerhin passt das Konzept laut Prinz zum energetischen Ansatz der Stadtwerke sowie dem 2011 beschlossenen Masterplan zu Energiewende und Umweltschutz der Stadt Bonn. Es habe bereits Interessenten für Büros und Ausstellungsflächen gegeben.

Mit den Stadtwerken habe er sich darauf geeinigt, die Nutzung des Areals über eine Pacht zu finanzieren. Auch gab es bereits ein schriftliches Konzept und eine finale Ausarbeitung durch ein Architekturbüro. Doch dann fiel die Entscheidung für den Kulturverein. „Das fand ich nicht besonders toll“, so Prinz. „Es handelt sich ja um ein gewerbliches Gebiet.“

Aufsichtsrat schweigt

Über das Areal an der Weststraße herrscht Uneinigkeit. Wie berichtet, wollen es die Stadtwerke an den Marokkanischen Kulturverein verkaufen. Dieser will dort eine Moschee errichten, um so den beengten Verhältnissen in seinen jetzigen Räumen an der Bonner Straße zu entkommen, und hat dafür eine Bauvoranfrage gestellt. Politik und Verwaltung begrüßen das Vorhaben mehrheitlich. Die Stadt erwägt, dafür eine Ausnahmezustimmung zu treffen, da das Areal im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet ausgewiesen ist.

Ortsansässige Unternehmer und der Bürger Bund befürchten indes Konflikte und Verkehrschaos. Der Verkaufspreis beträgt laut Kulturverein knapp über eine Million Euro. Nach GA-Informationen ist das Gelände nur 400 000 Euro wert, werde aber in den Büchern der Stadtwerke mit einem Wert von einer Million Euro geführt.

Zudem führen Unternehmer gegenüber dem GA an, dass für notwendige Abrissarbeiten und die Verlegung von Versorgungsleitungen für Wasser, Gas und Strom eine halbe Million Euro notwendig sein könnte. Der angesetzte Kaufpreis sei deshalb zu hoch.

Die Stadtwerke wollten zur Höhe des Grundstückwerts, des Kaufpreises und zur Entscheidung ihres Aufsichtsrats zugunsten des Kulturvereins nicht äußern. „Wir geben keine detaillierten Auskünfte über diese Kauf- und Vertragsverhandlungen“, teilte eine Sprecherin mit. Einem Bieter sei mitgeteilt worden, dass sich der Aufsichtsrat für ein anderes Angebot entschieden habe.

Warum der Kulturverein den Zuschlag erhält und das Konzept eines Energiehauses das Nachsehen hatte, war ebenfalls nicht zu erfahren. Die Stadtwerke teilten mit, dass Entscheidungen im Aufsichtsgremium der Stadtwerke nach wirtschaftlichen Kriterien getroffen würden. Aufsichtsratsvorsitzender Klaus-Peter Gilles (CDU) wollte sich ebenfalls nicht äußern: Angelegenheiten des Aufsichtsrats seien vertraulich.

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