Benefizkonzert Musikalisches Wechselbad der Gefühle

BAD GODESBERG · Es war ein bewegender Abend in der Sankt-Hildegard-Kirche, als das "Vokalensemble Rheinviertel" unter der Leitung von Christof Rück Rossinis "Petite Messe Solennelle" aufführte.

 Beim Benefizkonzert in seinem Element: Rheinviertel-Kantor Christof Rück.

Beim Benefizkonzert in seinem Element: Rheinviertel-Kantor Christof Rück.

Foto: Ronald Friese

Für das Benefizkonzert, dessen Erlös den integrierten Hospizen der Bürgerstiftung Rheinviertel zugute kam, hatten sich Ensemble und Dirigent ein außergewöhnliches Beispiel italienischer Kirchenmusik vorgenommen. Die "Petite Messe Solennelle" (kleine feierliche Messe) von 1853 ist eines der letzten Werke des italienischen Komponisten Gioachino Rossini, der vor allem für seine komischen Opern wie "Der Babier von Sevilla" berühmt geworden ist.

In einer schalkhaften Widmung an den "lieben Gott", die Rossini seiner "armen kleinen Messe" voranstellte, schrieb er: "Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl!" Und so handelt es sich bei seinem Spätwerk denn auch um eine ungewöhnliche Mischung aus opernhaftem Pathos und sakraler Kirchenmusik.

Die Besetzung der Messe mit Singstimmen, Klavier (Jihyun Sophia Kim) und Harmonium (Michael Riedel) steht in der neapolitanischen Musiktradition des 18. Jahrhunderts. Virtuos machten die vier Solisten, Dorothee Jansen (Sopran), Sophia Bart (Alt), Peter Schmitz (Tenor) und Fabian Hemmelmann (Bass), von ihren Stimmen Gebrauch, die opernhaft verziert den runden Kirchenbau mit seinen schlichten Rundbogenfenster erfüllten.

Ein Wechselbad der Gefühle vom ersten flehenden "Kyrie eleison" (Herr, erbarme dich) über das frohlockende "Gloria in excelsis Deo" (Ehre sei Gott in der Höhe) bis zum letzten, hoffnungsvollen "Dona nobis pacem" (Gib uns Frieden). Von der traditionellen Form abweichend, hat Rossini dem "Sanctus" ein instrumentales, wehmütiges "Prélude religieux" vorangestellt. Ein wenig dieser Wehmut schien den zahlreichen Zuhörern auch nach dem Konzert noch anzuhaften.

Vielleicht lag es daran, dass die Aufführung gleichzeitig das Abschiedskonzert von Christof Rück war. Nach fünf Jahren als Kantor verlässt er das Rheinviertel, um als Dekanatsmusiker und Kirchenmusikreferent im Bistum Trier zu arbeiten. "Wir lassen ihn nur sehr ungern gehen", sagte Wolfgang Picken, Dechant und Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung.

Weil Rossini die Messe für zwölf Sänger schrieb, bat er Gott in seiner Widmung, ihm diesen Vergleich mit dem Abendmahl zu verzeihen, habe doch einer der Jünger dort falsche Töne gesungen. Er hoffe, so der Komponist, dass es in seiner "kleinen Messe" überhaupt keinen Judas geben möge. Auch am Samstagabend waren keinerlei Misstöne zu hören. Die Zuschauer applaudierten lange.

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