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Bioprodukte in Bad Godesberg: Nach 20 Jahren gehört der Ökomarkt zum Stadtbild

Bioprodukte in Bad Godesberg : Nach 20 Jahren gehört der Ökomarkt zum Stadtbild

Obst, Gemüse, Brot, Fleisch und Käse – alles Bioprodukte: Das gibt es seit 20 Jahren auf dem Ökomarkt in Bad Godesberg. In dieser Zeit haben sich auch die Wünsche vieler Kunden verändert. Sie wollen wissen, woher die Produkte stammen und wie sie hergestellt werden.

Seit 20 Jahren stehen jeden Freitag vier bis fünf Wagen mit Obst, Gemüse, Brot, Fleisch und Käse – alles Bioprodukte – auf dem Moltkeplatz. Manchmal sind auch schon Gäste wie Imker oder ein Stand mit selbst gekochter Seife dabei gewesen. Der Ökomarkt, den hier zu Beginn vor zwei Jahrzehnten manche Bürger noch eher abwartend beäugt haben, hat sich schnell etabliert. Mit dem steigenden Zuspruch der Kunden haben zudem Landwirte ihre Betriebe und das Angebot entsprechend entwickelt.

„Die ursprüngliche Idee war, die Landwirte in die Städte zu bringen“, sagt Mitinitiator Christoph Dornbusch. Als Promotionsstudent hatte er 1994 Kontakt mit der Stadt Köln, wo er einen Umweltmarkt mitorganisierte. Vom dortigen ersten Gespräch über neue Strategien und Direktvermarktung bis zum Pilotmarkt für Bio-Landwirte in Köln dauerte es ungefähr ein Jahr. Zu dieser Zeit teilten die Landwirte das Schicksal, dass große Lebensmittelketten sie als reine Lieferanten statt als Partner auf Augenhöhe sahen und die Preise teilweise massiv drückten. „Wir brauchten einen dauerhaften Absatzmarkt, wo die Bauern die Preise erzielen können, die sie für ihre Arbeit benötigen“, erläutert Dornbusch die damals neue Strategie.

 Frische Salate aus regionaler Bio-Produktion gehören zum Angebot auf dem Ökomarkt.
Frische Salate aus regionaler Bio-Produktion gehören zum Angebot auf dem Ökomarkt. Foto: Petra Reuter

Kunden kaufen regelmäßig

Der Markt hat sich etabliert, das kann man nach zwei Jahrzehnten feststellen. Insgesamt sei das Konsumverhalten stabil, sagt Dornbusch, Geschäftsführer des Unternehmens Agrarkonzept, das Ökomärkte in Bad Godesberg, Bonn und Köln organisiert. Geändert habe sich im Lauf der Jahre trotzdem einiges. „Früher kamen die Landwirte mit Böcken und Brettern auf den Markt und stellten ihre Kisten darauf“, sagt Dornbusch über die Anfangszeit. Heute gebe es spezialisierte Wagen für Brot, Fleisch und Käse. Auch die Obst- und Gemüseanbieter verkaufen heute aus einem stabilen, geschützten Stand heraus. Zudem ist das Angebot heute deutlich anders als noch vor der Jahrtausendwende.

Während beispielsweise die meisten Landwirte zu Beginn der Ökomärkte große Mengen von etwa zehn Kulturen pflegten und verkauften, wüchsen bei den Produzenten mittlerweile oft rund 50 bis 60 Kulturen je Anbieter auf den Feldern, sagt Dornbusch. Saisonal orientiert, findet die Kundschaft heute auf dem Moltkeplatz auch manche lange vergessene Gemüse- oder Kräutersorte wie Bärlauch, Rübstiel, Pastinaken oder Topinambur. „Viele Menschen in der Stadt lernen hier eine Vielfalt kennen, die sie sonst vorher nirgendwo gefunden haben“, so der Geschäftsführer.

Zunehmend wichtig sei den Menschen laut Dornbusch die Transparenz erfahren zu können, woher die Dinge kommen, die sie kaufen und verzehren möchten. Auch von der Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten berichtet er. Während der Pandemie würden die Leute weniger häufig einkaufen, dafür sei der Einkaufskorb aber voller. Auch die Auswahl der Lebensmittel spräche dafür, dass die Menschen – vermutlich durch verstärkte Arbeit im Homeoffice – mehr selbst kochen. So habe man in den vergangenen Wochen und Monaten eine wahre „Eierwelle“ in der Nachfrage erlebt.

Ernährung ohne Chemie für Tiere

Im Unterschied zum Bioladen oder konventionellen Wochenmärkten findet man auf dem Ökomarkt einen hohen Anteil von Produkten, die die Anbieter selbst produzieren. So legt die Edelkäserei Kalteiche Wert auf Fortschritt im Sinne weiterentwickelter Tradition. Nach den Regeln des Demeter-Verbands, einem der strengsten Bio-Siegel, werde auf dem Hof Milch von eigenen Schafen und Ziegen täglich nach dem Melken frisch verarbeitet. Zudem verfolgt die Bio-Landmetzgerei Bernd Huth das Ziel, mit chemiefreier Ernährung für die Tiere, ohne Hormoneinsatz und einer artgerechten Haltung, gutes Fleisch zu produzieren. Schädlicher Stress soll durch kürzeste Transportwege auf ein Minimum reduziert werden.

Regionales Bio-Getreide verarbeitet die Mühlen-Bäckerei von David Lee Schlenker. „Viele Teige werden in langsamen Prozessen nach dem Anthroposophen Rudolf Steiner hergestellt“, erklärt Mitarbeiterin Monika Hennes-Becker den zusätzlich höheren Aufwand als bei konventionellen Backmethoden. Den Menschen sei nach ihrer Erfahrung die Qualität und die Herkunft des Getreides immer wichtiger. Eigene Produktionen haben die Kunden am Freitag auch am Obst- und Gemüsestand gefunden. „Salat und Radieschen zum Beispiel“, sagt Mora Kaufmann, die beachtlichen Rucola und das aromatische rote Wurzelgemüse präsentierte.

Manche Früchte schienen den Menschen hier gar nicht erst zu fehlen. „Ich brauche keine Erdbeeren im November oder jetzt schon“, sagt Öko-Markt-Kundin Heike Halterbeck aus Bad Godesberg. Hinsichtlich der Pflanzenschutzmittel gelte für sie das Prinzip „weniger ist mehr“. Gute Qualität, artgerechte Tierhaltung, ein wertschätzender Umgang mit den Mitarbeitern und anstatt importierter Ware lieber Saisonales aus der Region, zählt sie auf, was ihr beim Einkauf hier wichtig ist.