Geplantes Asylbewerberheim Riemenschneiderstraße Nach Ostern beginnt der Einzug

Plittersdorf · Rund 120 Menschen haben sich von Vertretern der Stadtverwaltung über die vorgesehene Nutzung des ehemaligen Studentenwohnheims an der Riemenschneiderstraße als Unterkunft für Asylbewerber informieren lassen. 160 Menschen sollen dort unterkommen.

 Zahlreiche Flüchtlinge kommen über das Mittelmeer nach Europa.

Zahlreiche Flüchtlinge kommen über das Mittelmeer nach Europa.

Foto: dpa

Den Schwerpunkt der zahlreichen Fragen während der zweistündigen Veranstaltung am Montagabend in der Amerikanischen Kirche bildeten Aspekte der Belegung, der Sicherheit und der Möglichkeiten zur Hilfe für die Bewohner.

Nach Ostern, so erklärte Kurt Berger vom Amt für Soziales und Wohnen, werden die ersten der insgesamt 160 Bewohner in das Gebäude einziehen. In jedem der 78 bisherigen Studentenapartments werden zwei Personen Platz finden. An der Logistik im Inneren, was beispielsweise die sanitären Einrichtungen betrifft, werde bis zum Bezugstermin noch gearbeitet, damit es diesbezüglich nicht zu Problemen kommt. Ebenso soll für alle interessierten Anwohner ein Tag der offenen Tür stattfinden, wenn das Haus bezugsfertig ist.

Gleich fünf Vertreter der Stadtverwaltung hatten auf dem Podium Platz genommen, um den Informationsbedarf zu bedienen. Gleich zu Beginn mussten sie sich einem Kritikpunkt stellen, der einem Dilemma entstammt, wie Kurt Berger darlegte: So hatte ein Anlieger wohl mit Blick auf die Prinzipien demokratischer Mitbestimmung beklagt, dass die Bürgerinformation zu einem Zeitpunkt stattfinde, da über die Sache längst entschieden sei.

Kurt Berger holte für seine Antwort ein wenig aus: Die Stadt sei zur Unterbringung von Flüchtlingen verpflichtet und sehe sich in dem engen Wohnungsmarkt deshalb gezwungen, nach geeigneten Unterkünften zu suchen. Im konkreten Fall habe man erst im Januar mit den Mietverhandlungen mit dem Eigentümer begonnen und angesichts anderer Mietinteressenten erst nach deren Abschluss an die Öffentlichkeit gehen können. Immerhin, so Berger, sei auf der Internetseite der Stadtverwaltung eine Übersicht möglicher und geplanter Flüchtlingsunterkünfte veröffentlicht. Wie sich im Laufe des Abends herausstellte, wurde der Mietvertrag auf neun Jahre abgeschlossen.

Für die Sicherheit von Bewohnern wie Nachbarn werde an der Riemenschneiderstraße ein privater Sicherheitsdienst sorgen, von dessen sorgfältiger Auswahl sich die Vertreter der Stadt auf entsprechende Fragen hin überzeugt gaben. Außerdem würden tagsüber Sozialarbeiter auf dem Gelände eingesetzt. Darüber, wie viel Arbeit der Sicherheitsdienst in der Riemenschneiderstraße letztlich haben wird, scheinen die Erwartungen noch auseinanderzugehen: So legte Bonns Integrationsbeauftragte Coletta Manemann ausführlich dar, dass „die“ Flüchtlinge eben keine homogene Gruppe seien. „Die meisten von ihnen möchten sich an Recht und Gesetz halten und sich integrieren“, sagte sie. Mehrere Fragesteller brachten indes zum Ausdruck, dass sie die Sorge vor Belästigungen von Frauen und Kindern umtreibt.

Unterkunft soll gemischt belegt werden

Ob es sich bei den Bewohnern um einzelne Männer oder aber um Familien handeln werde, wollten denn auch gleich mehrere Bürger wissen. Sowohl als auch, so lautete sinngemäß die Antwort von Kurt Berger. Ziel der Verwaltung sei jedenfalls eine „heterogene“, sprich gemischte Belegung. Gänzlich planbar ist dies angesichts des Massenzustroms nach Deutschland aber auch für die Stadt nicht. Berger: „Wir bekommen zwei Tage vorher ein Fax, in dem wir über Zuweisungen informiert werden.“ Der Standort Riemenschneiderstraße solle auch dazu dienen, Menschen aus Turnhallen in feste Unterkünfte zu bringen. Schwer taten sich die Vertreter der Verwaltung auf die Frage, welche mittelfristige Perspektive sie für die Flüchtlingsunterbringung im gesamten Stadtbezirk sehen. Man „glaube“ gerüstet zu sein, hieß es mit Blick auf die jüngsten Entscheidungen für den Bau temporärer Unterkünfte in Bonn.

In beinahe schon therapeutisch wirkender Ruhe führte Ulrich Weitz, der sich schon in Runden zu ganz anderen Bad Godesberger Kontroversen als Unparteiischer bewährt hatte, durch den Abend. Ihm blieb es gegen Ende der Veranstaltung dann noch, Vertretern mehrerer ehrenamtlicher Gruppen die Möglichkeit zu geben, ihre Tätigkeit vorzustellen und zum Mitwirken einzuladen. Gemessen an dem Applaus dürfen sie sich wohl auch in Plittersdorf auf Mitstreiter freuen.

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