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Bürgertag beim runden Tisch Flüchtlingshilfe: Nächste Phase der Godesberger Willkommenskultur

Bürgertag beim runden Tisch Flüchtlingshilfe : Nächste Phase der Godesberger Willkommenskultur

Auf großen Anklang ist der Bürgertag gestoßen, den der runden Tisch Flüchtlingshilfe in den Kammerspielen angeboten hat. Ein Fazit: Vieles klappt, aber es gibt auch noch weitere Herausforderungen.

Die „Willkommenskultur 2.0“ im Stadtbezirk ist bunt und vielfältig, das jedenfalls vermittelte das Werk eines Graffiti-Künstlers am Eingang zu den Kammerspielen. Es lud ein zum Bürgertag, den der runde Tisch Flüchtlingshilfe Bad Godesberg am Samstag dort veranstaltete und der großen Anklang fand: Am Eingang herrschte ein reges Gedränge zwischen internationalem Buffet, Kunstausstellung und Kinderschminktischen.

Die Gesprächsangebote von Flüchtlingen und ehrenamtlichen Helfern in der sogenannten „Lebenden Bibliothek“ wurden gut genutzt. Dem offiziellen Teil mit Ansprachen und Podiumsgesprächen wohnten viele Besucher bei.

Dort erinnerte Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke an die „unglaubliche Welle der Offenheit, Herzlichkeit und Aufnahmebereitschaft“, die die Godesberger vor zwei Jahren mit der Ankunft der ersten Flüchtlinge an den Tag gelegt hätten. Nachdem die Unterbringung der Menschen abgeschlossen sei, müsse man jetzt alle Energie in ihre Integration stecken.

Auch Pfarrer Wolfgang Picken, Gründer des runden Tisches, der selbst nicht am Bürgertag teilnehmen konnte, mahnte in seiner Videobotschaft: „Die Herausforderung ist noch nicht vorbei.“ Es kämen neue Aufgaben auf Staat und Gesellschaft zu, alle müssten dabei mithelfen. „Es braucht die Willkommenskultur 2.0.“

Im Mittelpunkt standen die Podiumsrunden mit Flüchtlingen und Helfern. Erstere wurden nach ihren Vorstellungen vom Leben in Deutschland, ihren Eindrücken und Zukunftsperspektiven gefragt. Sie und ihre Familie seien mit dem Wunsch nach Deutschland gekommen, „dass wir in einem sicheren und friedlichen Land leben können“, sagte die Syrerin Farizeh Aldabbas, die inzwischen als Dolmetscherin ehrenamtlich hilft.

Yaser Darkashly hatte 40 Jahre in Deutschland gelebt, war kurz vor dem Krieg nach Syrien zurückgekehrt und musste wieder fliehen. „Die Leute in Deutschland sind sehr offen“, sagte er. Er fühle sich zu 100 Prozent integriert.

Für Fahid Ebrahimi, aus Afghanistan geflüchtet, gilt das zumindest zu 50 Prozent. Derzeit sucht er nach einer Arbeit, denn er würde gerne in Deutschland bleiben. Anders als die beiden anderen: Sie würden, sobald in ihrer Heimat wieder Frieden herrscht, zurückkehren und helfen, sie wieder aufzubauen.

Der Bürgertag diente laut Jessica Hübner-Fekiri von der evangelischen Flüchtlingshilfe auch dazu, neue ehrenamtliche Helfer zu gewinnen. Deren Zahl sei Anfang 2016 zurückgegangen, man brauche aber weitere. Lobenswert fand sie, dass viele Flüchtlinge sich engagieren wollen. Sie könnten berufliche Kompetenzen einbringen und zum Beispiel als Kulturvermittler dienen.