Mahnwache in Bad Godesberg Für viele war der Tod von Nawalny Mord

Schweinheim · Vor dem russischen Generalkonsulat haben sich am Donnerstag Menschen zu einer Mahnwache nach dem Tod Alexei Nawalnys versammelt. Aufgerufen hatten die Bad Godesberger Grünen, die damit auch ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine setzen wollten.

 Zur Mahnwache trafen sich am Donnerstag rund 70 Teilnehmer zu einer Mahnwache nach dem Tod Nawalnys.

Zur Mahnwache trafen sich am Donnerstag rund 70 Teilnehmer zu einer Mahnwache nach dem Tod Nawalnys.

Foto: Axel Vogel

Die rund 70 Mahnwache-Teilnehmer, die sich am Donnerstagnachmittag vor dem russischen Generalkonsulat in Schweinheim versammelt hatten, trauerten vor allem um den inhaftierten russischen Regimekritiker Alexei Nawalny. Der war am vergangenen Freitag in einer sibirischen Strafkolonie verstorben, angeblich nach einem Schwächeanfall. Doch an diese offizielle Version der russischen Regierung glaubt kaum einer der Teilnehmer der Mahnwache, zu der Günther Taube, Mitglied der Grünen im Ortsverband Bad Godesberg, eingeladen hatte. „Es war Mord“, waren sich viele sicher. Eine Teilnehmerin hielt sich ein Plakat vor die Brust, auf dem „Mörder“ zu lesen stand.

Für die Polizei ging das allerdings ein Stück zu weit, die Frau musste das Plakat einpacken. Auch die kurzzeitige Umwidmung eines Verkehrsschildes in „Alexei-Nawalny-Allee“ ließen die Ordnungshüter nicht durchgehen: Ein Streifenbeamter entfernte den entsprechend beschrifteten Klebestreifen auf dem Schild. Die Einsatzleiterin der Polizei vor Ort erklärte auch, warum: „Das ist ein Verkehrsschild und das muss es auch bleiben“, so die Beamtin, „wir hätten den Klebestreifen auch entfernt, wenn da Helmut-Kohl-Allee darauf gestanden hätte.“

Veranstalter Taube, der nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 regelmäßig zwei Mal in der Woche donnerstags und freitags vor dem Generalkonsulat mit Gleichgesinnten gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine demonstriert, will mit der Aktion auch an den inzwischen zweiten Jahrestag des Überfalls erinnern: „Wir protestieren gegen diesen Krieg und solidarisieren uns mit der ukrainischen Bevölkerung sowie den vielen Flüchtlingen“, so Taube, „wir wünschen uns, dass die Russen die besetzten Gebiete wieder freigeben und in ihr Land zurückkehren.“

Dass die Wunden dieses Krieges inzwischen selbst in der Bonner Region spürbar sind, machte eine 44-Jahre alte Witterschlickerin deutlich. Sie hatte fünf Kerzen aufgestellt, auf denen die Namen von fünf jungen Ukrainern zu lesen waren: „Das sind Grablichter für im Krieg getötete Schüler, die an der deutschen Schule in Czernowitz waren", erklärt sie. „Der letzte ist vor vier Tagen an der Front gefallen, der erste 2016.“

Ihre Motivation erläutert sie so: „Es gibt hier am Bonner Helmholtz-Gymnasium, das meine beiden Kinder besuchen, eine enge Partnerschaft mit Czernowitz.“ Trotzdem sei es ihr auch ein Anliegen, für Nawalny zu demonstrieren: „Ich bin einfach dankbar, dass ich in einem Land leben darf, wo ich demonstrieren kann. Ich bin frei und kann auf die Straße gehen, und anderswo bezahlen andere Menschen das mit dem Leben.“

„Das Wichtige ist hier: Es kommen sehr viele russische Leute zum Generalkonsulat, und wir möchten denen deutlich machen, dass wir gegen diesen Krieg sind“, betont Ute Hennig, Kreisvorsitzende der Bonner Grünen. „Das Entscheidende ist zudem, weiterhin unsere Solidarität mit der Ukraine zu bekunden." Denn dort werde für Demokratie und Freiheit gekämpft: „Wenn die Ukraine fällt, sind auch wir davon betroffen“, sagt Hennig „Wir stehen aber auch hier, um die Leute in der Botschaft zu erreichen“, ergänzt Marc Daniel Heinz, einer der beiden Vorsitzenden der Bad Godesberger Grünen.

Was Reaktionen der russischen Besucher des Generalkonsulates auf die Demonstranten vor dem Tor angeht, hat Veranstalter Taube eine interessante Entwicklung in den vergangenen beiden Jahren ausgemacht: „Vonseiten des Generalkonsulates gab es im ersten halben Jahr nach dem Überfall überhaupt keine Reaktion und von den Besuchern viele negative.“ So seien Schimpfwörter über die Straße gerufen worden. Das änderte sich laut Taube aber mit Putins Einberufungswelle: „Seitdem kriegen wir viele positive Zeichen.“

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