Neuanfang bei den evangelischen Frauen in Bad Godesberg Bildungsangebote auch für Männer

Bad Godesberg · Die Frauenhilfe gibt es nicht mehr. Als Verband Evangelische Frauen im Rheinland stellt sich die Gruppe nun neu auf und erklärt, warum der Veränderung nötig war.

 Bei den evangelischen Frauen im Rheinland gehen an den Start: Pfarrerin Dagmar Müller (l.) und Ulrike Brzoska.

Bei den evangelischen Frauen im Rheinland gehen an den Start: Pfarrerin Dagmar Müller (l.) und Ulrike Brzoska.

Foto: Axel Vogel

Die bisherige Evangelische Frauenhilfe im Rheinland e.V. mit Sitz in Lannesdorf hat sich einen neuen zeitgemäßen Namen gegeben: Der altehrwürdige Verein heißt jetzt Evangelische Frauen im Rheinland e.V. „Wir machen damit deutlich, dass der Transformationsprozess unseres Verbands zu inhaltlich neuen Aufgaben und zu einer erweiterten Zielgruppe für die Verbandsarbeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland geführt hat“, erklärt dazu die Geschäftsführerin und leitende Pfarrerin Dagmar Müller.

Man vernetze nicht nur Frauen innerhalb der Rheinischen Kirche, sondern arbeite längst auch als Fachstelle für theologische, gesellschaftspolitische und soziokulturelle Frauenthemen. „Wir übernehmen die Interessenvertretung von und für Frauen im Bereich der Landeskirche und beziehen Position in Kirche, Gesellschaft und Politik“, betont Müller. „Mitglieder können Frauen werden, Kirchenzugehörigkeit ist nicht Voraussetzung. Man muss dafür nicht evangelisch sein."

Für seine Weiterbildungseinrichtung, die Ulrike Brzoska leitet, hat der Verband auch die Nutzergruppe erweitert. Das ebenfalls umbenannte Evangelische Bildungszentrum im Rheinland richtet sich ausdrücklich nicht nur an evangelische Frauen, sondern auch alle Interessierten unabhängig von der Religionszugehörigkeit und vom Geschlecht. „Hier wollen wir Menschen bestärken und begeistern, ihre Fähigkeiten wahrzunehmen, weiterzuentwickeln und ihr Leben aktiv mit Selbstbewusstsein zu gestalten“, erläutert die Geschäftsführerin.

Ein breites Spektrum an Kursen, Vorträgen, Workshops und Seminaren widmet sich etwa den Themen Finanzbildung, Vorsorge und Verbraucherschutz, Integration und Konversation, digitale und Gesundheitsbildung für Senioren, Pflege, Betreuung, Nachbarschaftshilfe sowie Angehörigen- und Besuchsdienstarbeit.

Der Frauenverband selbst habe heute rund 10.000 Mitglieder, rechnet Pfarrerin Müller vor. Im vergangenen Jahrhundert seien das zehnmal mehr gewesen, da in den evangelischen Gemeinden ehrenamtlich tätige Frauen zum großen Teil Mitglieder waren. „Frauenleben hat sich aber verändert, wöchentliche Gruppentreffen sind ein auslaufendes Veranstaltungsformat. Jüngere Frauen kommen zielgerichtet zu Veranstaltungen, an deren Inhalten sie interessiert sind und deren Zeitrahmen klar begrenzt ist“, erläutert die Geschäftsführerin. Der Transformationsprozess sei also notwendig gewesen, um die bisherige, sich in vielen Kirchenkreisen auflösende Struktur zu erweitern, um neue Arbeitsformen und Zielsetzungen zu entwickeln und die Weiterbildungseinrichtung zu stärken.

Auf die Frage, ob ein Frauenverband heute noch zeitgemäß sie, antwortet Müller sofort: „Ja sicher. Frauen sind in unserer Gesellschaft massiv durch Gewalt betroffen.“ Frauenfeindlichkeit und Antifeminismus seien Begleiterscheinungen einer Gesellschaft, die nach rechts drifte. „Antisemitismus und Antifeminismus gehören ebenfalls zusammen.“

Müller zählt mit der Armut gerade bei Alleinerziehenden und alten Frauen und der aktuellen Diskussion um den Paragrafen 218 weitere Themen auf, warum sich der Verband speziell für Frauen und dazu auch im Deutschen Frauenrat engagiert. „Es gibt noch viel zu tun zur Gendergerechtigkeit.“

Kontakt: Evangelische Frauen im Rheinland e.V., Ellesdorfer Straße 50, ☎ 0228/9 54 10, www.frauen-rheinland.de. Evangelisches Bildungszentrum im Rheinland, ☎ 02 28/9 54 11 26