1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Johanniter in Bonn: Neue Initiative - Aktive Ruheständler helfen Senioren

Johanniter in Bonn : Neue Initiative - Aktive Ruheständler helfen Senioren

Die Pflege ihres sehr kranken Mannes war einer alten Dame, die selbst die Hände kaum mehr bewegen kann, total über den Kopf gewachsen. "Jetzt haben diese Senioren endlich einen Kapitän an Bord", sagt Gudrun Seifert zufrieden, Leiterin der neuen Johanniter-Gruppe "Aktive Senioren".

Das Ehepaar bekommt nämlich Hilfe von Karin Horsch, einer der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen aus der Reihe der "Aktiven Senioren.

Nach 20 Jahren in Siegburg und zehn Jahren in Bad Honnef ist die Bonner Gruppe die dritte Initiative "Aktiver Senioren" der Johanniter, die stadtweit im Einsatz ist. Sie bringt erfahrene Menschen, die ihre Berufslaufbahn beendet haben, mit hilfsbedürftigen Senioren zusammen. Es kann um Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, eine kleine handwerkliche Reparatur oder einen regelmäßigen Besuch mit Gesprächen, Spielen oder Lesen gehen.

Karin Horsch ist im Friesdorfer Büro der Initiative zu Gast und berichtet von der Arbeit. "Der Rollator für den alten Herrn ist da und wird schon fleißig genutzt." Jetzt hat sie die Pflegestufe zwei für den hilfslosen Mann beantragt. Auf diese Idee war die Familie gar nicht gekommen. Und eine wöchentliche Putzhilfe hat sie gleich dazu bestellt. "Wenn Sie die alte Dame am Anfang gesehen hätten: die Erschöpfung in Reinkultur", erinnert sich Horsch. Jetzt schöpfe die alte Dame wieder Lebensmut.

Die berufstätige Tochter des Ehepaares hatte sich völlig verzweifelt bei den "Aktiven Senioren" gemeldet. Sie wisse nicht mehr ein noch aus. Sie können sich nur stundenweise um die Eltern kümmern. Sicher müssten sie in die Reha-Klinik. Doch sie kenne sich mit dem ganzen Papierkrieg nicht aus, hatte sie Gudrun Seifert geklagt.

Jetzt kam die 64-jährige Karin Horsch ins Spiel. Die hatte auf eine Meldung im General-Anzeiger hin Kontakt mit den Johannitern aufgenommen, weil sie seit der Pensionierung nach einer sinnvollen Beschäftigung suchte. Als langjährige Mitarbeiterin in einer gesetzlichen Krankenkasse war sie die geeignete Ansprechpartnerin für die verzweifelte Familie.

"Ich habe gleich gemerkt, dass es in diesem Fall nicht um Reha-Plätze ging. Denn dort hätten sich diese beiden hilfslosen alten Leute gar nicht mehr zurechtgefunden", berichtet Horsch. Also testete sie behutsam die verbliebenen Ressourcen und die notwendigen Hilfen aus. "All mein Wissen und meine Erfahrung kann ich hier aktivieren. Und das sind so sympathische, dankbare Menschen", schwärmt Horsch. Sie sei jetzt dabei, für die beiden Plätze in einer Tagespflege zu finden. "Das wäre die ideale Lösung", meint auch Seifert. Hier stimme die Chemie, ergänzt die Leiterin.

In ihrer Zentrale klingelt das Telefon. Ein blinder alter Herr aus Tannenbusch ist erneut dran. Er suche händeringend nach einem Mann, der ihm vorlese und mit ihm einkaufen gehe, so Seifert. Vielleicht finde sich ja der geeignete Ehrenamtliche bei neuen aktiven Senioren. Seifert schaut die Kartei durch, die durchaus weiter wachsen darf. Denn von Dransdorf bis Holzlar, von Mehlem bis Buschdorf werden noch aktive Senioren gesucht, die einige Stunden Freizeit in den Dienst der guten Sache stellen möchten.

Kontakt für Freiwillige und für Menschen, die selbst Hilfe benötigen: Die Johanniter, Aktive Senioren, Annaberger Straße 127, Telefonnummer 0228/96172394, E-Mail: gudrun.seifert@johanniter.de