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Godesberger Stadion bekommt Kunstrasenplatz: Neues Gesicht fürs alte Stadion

Godesberger Stadion bekommt Kunstrasenplatz : Neues Gesicht fürs alte Stadion

Die Mitglieder des Godesberger Fußballvereins und des Clubs Galicia Bonn können ab Sommer auf einem neuen Kunstrasenplatz spielen. Der Umbau gelingt mit dem Engagement der Stadt: Diese steuert etwa 839.000 Euro bei.

Die schon mehrfach in Aussicht gestellte Sanierung des Godesberger Stadions an der Friesdorfer Straße ist in vollem Gange. Seit Anfang des Jahres rollt schweres Gerät. Bagger sind derzeit vor allem im Einsatz, um den beiden hier beheimateten Vereinen, dem Godesberger Fußballverein (GFV) und dem Club Galicia Bonn, einen konkurrenzfähigen Kunstrasenplatz zu bauen. So, wie er bei fast allen Vereinen in der Nachbarschaft bereits seit langem Standard ist.

Fast hätten die Verantwortlichen der beiden Vereine schon den Glauben an ein glückliches Ende des Projektes verloren. Um so größer ist jetzt die Aufbruchstimmung vor Ort, zumal auch jede Menge Eigenleistung bei der Stadionsanierung erforderlich ist. Vorteil des Wartens: GFV und Galicia Bonn bekommen nun ein modernes Stadion inklusive einer Flutlichtanlage.

 Die Mitglieder der ansässigen Vereine packen mit an: (v.l.) Freddy Breer, Francisco Alijas, Vorsitzender des Clubs Galicia, sowie Marc und Heinz Walbröl, Vorsitzender des Godesberger Fußballvereins 08.
Die Mitglieder der ansässigen Vereine packen mit an: (v.l.) Freddy Breer, Francisco Alijas, Vorsitzender des Clubs Galicia, sowie Marc und Heinz Walbröl, Vorsitzender des Godesberger Fußballvereins 08. Foto: Axel Vogel

Kosten von etwa 839.000 Euro

Die Herstellungskosten belaufen sich auf rund 839.000 Euro, teilte die Stadt am Montag mit. Folgende Maßnahmen seien damit verbunden: Rückbau der alten Sportflächen inklusive der Beleuchtung, der Entwässerung und sonstiger defekter Infrastruktur. Neu gebaut werden anschließend sämtliche Entwässerungseinrichtungen inklusive Rigole (Pufferspeicher für Regenwasser), die Sportflächen als Kunstrasen (Großspiel- und Kleinspielfeld) inklusive Fußballtore, Ballfangzäune und Barrieren, der Vorplatz, eine LED-Trainingsbeleuchtungsanlage sowie alle Erschließungs- und Verbindungswege. Unter Berücksichtung des Wetters sollen die Arbeiten vor Beginn der Sommerferien Ende Juni abgeschlossen sein, heißt es weiter seitens der Stadt

Das Godesberger Stadion an der Friesdorfer Straße, Heimat des 1908 gegründeten GFV, der sich 2006 neu gegründet hatte, war bereits Austragungsort vieler legendärer Spiele. Unvergessen ist für GFV-Urgestein Freddy Breer, stellvertretender Jugendleiter und Vorsitzender der Abteilung Herren, etwa das Spiel gegen den 1. FC Köln im Februar 1948. Damals war es Eduard Szilinsky, der dem FC das erste Eigentor seiner Geschichte eingebrockt hatte. Auch klangvolle Namen stammen aus den Reihen des GFV: So die aktuelle Jugendnationalspielerin Emma Lattus.

Mit Ascheplatz nicht mehr konkurrenzfähig

Um so tragischer empfand es Breer daher, dass das Stadion sichtlich in die Jahre gekommen war – und insbesondere der Ascheplatz einfach nicht mehr konkurrenzfähig mit anderen Vereinen war. Ob in Plittersdorf, Pennenfeld oder Mehlem, fast alle Nachbarvereine spielen längst auf Kunstrasen, sagt er. Zudem: Die Bausubstanz inklusive der Umkleiden und Duschen stammt weitgehend aus den 1960er Jahren, sagt Vorsitzender Heinz Walbröl. Seit rund fünf Jahren setzt er sich bereits dafür ein, dass die Bagger rollen. Doch trotz aller Anstrengungen beim GFV und vieler Ankündigungen vonseiten der Stadt: Lange tat sich nichts in Sachen Sanierung. Sowohl für die rund 330 Mitglieder des GFV und die 50 Aktiven von Galicia Bonn, der seit rund 40 Jahren ebenfalls im Stadion zu Hause ist, wurde das zum Problem. Denn Breer weiß aus seiner alltäglichen Nachwuchsarbeit: „Ohne eine konkurrenzfähige Infrastruktur kann ein Fußballverein nicht mehr mithalten.“ Dazu gehöre inzwischen ein Kunstrasenplatz ebenso wie zeitgemäße Umkleiden mit entsprechend modernen sanitären Einrichtungen.

Was das für einen Verein bedeutet, erklärt GFV-Geschäftsführer Marc Walbröl: „Ab der D-Jugend achten die Spieler bereits darauf, ob ein Verein Kunstrasen hat oder nicht.“ Für die Godesberger sei es dann schwierig, insbesondere Talente „zu halten“. Diese wandern dann lieber zu Nachbarvereinen ab, die einen besseren Belag und moderne sanitäre Einrichtungen zu bieten haben.

Spieler weigert sich, auf Asche zu spielen

Das Resultat dieser Entwicklung lässt sich unmittelbar im Verein beobachten: „Wir müssen jetzt fast eine komplette C-Jugend des Jahrgangs 2007 wieder neu aufbauen“, so Marc Walbröl. Aber auch bei der Ersten Mannschaft rumort es: „Ich hatte gerade erst einen Spieler, der hat sich partout geweigert, auf Asche zu spielen“, sagt Heinz Waldbröl. „Das Frustpotenzial war bei allen groß, und keiner hat mehr so richtig daran geglaubt, dass die Stadionsanierung tatsächlich kommt“, bestätigt Francisco Alijas, Vorsitzender von Galicia Bonn. In seinem integrativen Verein sind große und kleine Fußballspieler aus 17 Nationen aktiv.

Die Freude bei den Funktionären beider Vereine über den Beginn der Bauarbeiten überwiegt die Tatsache, dass diverse Maßnahmen selbst zu stemmen sind. So müssen der Godesberger Fußballverein und Galicia Bonn den Bau einer Zuschauertribüne wie auch das Aufstellen von Garagen für die Aufbewahrung etwa von Trainingsgerät, darunter etwa Bälle und Pylone, übernehmen. Für all das suchen beide Vereine noch nach Sponsoren. Interessenten können sich melden, per E-Mail an info@
godesbergerfv06.de.

Alle Verantwortlichen blicken nun gespannt auf den Juni: Nach dem Abschluss der Arbeiten soll der Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden – wenn die Pandemie es zulässt. Marc Walbröl ist sicher, dass eine der „schönsten Sportanlagen in Bonn“ entsteht. Zudem könnten durch den Teilverkauf des Grundstücks an die Firma Miesen (siehe Infobox) Arbeitsplätze in Bonn erhalten bleiben. Laut Breer steht dem Verein noch aus einem anderen Grund ein großartiger Sommer bevor: Ab dem 1. August soll im Stadion das DFB-Stützpunkttraining stattfinden.