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Widerstand gegen geplante Wohnhäuser: Nun gärt es auch im Villenviertel

Widerstand gegen geplante Wohnhäuser : Nun gärt es auch im Villenviertel

Neuer Wohnraum und Alteingesessene, diese Beziehung muss nicht zwingend von Liebe auf den ersten Blick bestimmt sein. In Bad Godesberg wurde der Beweis dafür zuletzt gleich mehrfach erbracht, als es in mehreren Ortsteilen teilweise heftige Debatten gegeben hatte.

Wenig Konfliktpotenzial war diesbezüglich bislang aus dem malerischen Villenviertel zu vernehmen. Doch das scheint sich gerade mit einem Bauvorhaben zu ändern.

Ein repräsentatives Stimmungsbild gibt es naturgemäß zwar nicht; groß ist jedoch zumindest die Unruhe bei jenen Anliegern, die sich bislang zur geplanten Bebauung des ehemaligen Geländes der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zwischen Wieland-, Mirbach- und Kronprinzenstraße zu Wort gemeldet haben. Man werde, so kündigen Nachbarn gegenüber dem General-Anzeiger an, "heftigen Widerstand leisten".

Noch träumt auf dem großflächigen Areal der leerstehende KfW-Gebäudekomplex vor sich hin. Bald aber will ein Investor mit dem Namen APW Wielandstraße GmbH & Co. KG und Sitz in Köln dort ein halbes Dutzend Gebäude mit insgesamt 75 Wohneinheiten errichten. Entlang der Wieland- und der Mirbachstraße sollen die Häuser fünf, im rückwärtigen Bereich vier Geschosse haben. Dass die Verwaltung dem Bauherrn auf seine Bauvoranfrage bereits einen positiven Vorbescheid erteilt hat, sorgte schon im Januar in der Bezirksvertretung für "Stimmung".

Seinerzeit erinnerte der Bürger Bund an einen Beschluss, demzufolge die Politik bei großen Vorhaben vor einem Bescheid der Verwaltung informiert werden soll. Seitens der Stadt hieß es daraufhin, der Investor habe seine Pläne nach dem positiven Vorbescheid noch einmal modifiziert und plane jetzt statt des ursprünglich vorgesehenen Umbaus von Büro- in Wohnfläche, nunmehr im Wege des vorhabenbezogenen Bebauungsplans, Abriss und Neubau.

In jedem Fall fordert der Bürger Bund eine Höhenreduzierung und die Freihaltung des Innenbereichs. Auch die FDP macht gegen das Bauvorhaben mobil. Die Liberalen fordern eine Bürgerbeteiligung, die diesen Namen auch verdiene, und schlagen dazu eine "Bürgerwerkstatt" vor.

Als abschreckendes Beispiel, wie der Bürgerwille negiert werden könne, führt Ulrich Hauschild die jüngste formelle Bürgerbeteiligung bei der Planung der "Siebengebirgsterrassen" ins Feld, bei der die meisten Eingaben aus der Bürgerschaft keine Berücksichtigung gefunden hatten. Zudem sollten die Neubauten laut FDP auf drei Geschosse begrenzt werden. Am Dienstag war es im Planungsausschuss des Stadtrats erstmals um die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit gegangen. Dort konnten sich FDP und BBB mit ihren Forderungen nicht durchsetzen.

Info

Der Bürger Bund hat für heute, Freitag, ein Bürgergespräch anberaumt. Treffpunkt ist um 17 Uhr vor dem ehemaligen KfW-Gebäude.

Bauprojekte in der Diskussion

Eine ganze Reihe von Neubauprojekten haben in Bad Godesberg zuletzt zu teilweise hitzigen Diskussionen geführt. In Mehlem etwa gab es in der Nachbarschaft Bedenken gegen die Wohnhäuser auf dem Gelände der türkischen Botschaft ("Nibelungenkarrée"). In Rüngsdorf sorgten in den vergangenen Jahren mit der Bebauung des Amtssitzes des Wehrbeauftragten des Bundestages ("Godesberger Hof"), des Areals der französischen Botschaft ("Rhein-Entrée") sowie die erst im Beginn der Bauphase befindlichen Wohnhäuser in "Beckers Jaade" gleich drei Vorhaben für Streit.

Nicht zu vergessen, die beiden Bürgerinitiativen, die sich zuletzt in Muffendorf und Pennenfeld gegen die Dimension der "Siebengebirgsterrassen" anstelle des früheren Streitkräfteamtes eingesetzt hatten. Wenig Widerstand gab es bislang in Plittersdorf, wo auf den Flächen der bulgarischen und der südafrikanischen Botschaft ebenfalls Wohnhäuser entstehen sollen.