Interview mit Pfarrer Eckert „Nur gemeinsam sind wir stark“

Friesdorf · Unter dem Motto „Suchet der Stadt Bestes“ geht es am Dienstag, 17. Mai, in der Friesdorfer Kirche, In der Maar 7, um das Thema Flüchtlinge. Über die Beweggründe, einen solchen Diskussionsabend zu veranstalten, sprach Sylvia Binner mit Pfarrer Eckert.

 Godesberg Bürogebäude Gotenstr. 7-9

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Foto: Ronald Friese

Warum stellen die Veranstalter das Thema Flüchtlinge gerade in Friesdorf zur Diskussion?

Siegfried Eckert: Mehr als zehn Prozent der in Bonn untergebrachten Flüchtlinge werden sich demnächst auf dem Gebiet der Thomaskirchengemeinde befinden. Zum Beispiel in der Michaelschule, der Gotenstraße oder Riemenschneiderstraße, wo bis zu 160 Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Dort sind schon 60 junge Männer eingezogen, erste Familien sind ebenfalls dort angelangt. Das Thema ist uns räumlich, aber vor allem menschlich sehr nahe. Geschätzte zehn Prozent der Deutschen, circa acht Millionen Menschen, engagieren sich in irgendeiner Form für die Flüchtlinge. Wenn das keine Willkommenskultur ist, auch in Bonn! Leider sehen das nicht alle so, und es gibt andere Pole in unserer Gesellschaft.

Was genau meinen Sie mit „anderen Polen“?

Eckert: Einerseits entwickelt sich eine Sozialneiddebatte, die unter anderem Sigmar Gabriel vor den Landtagswahlen am 13. März losgetreten hat, die auf Kosten der Flüchtlinge geht. Über die dahinter liegende Frage der Verteilungsgerechtigkeit in unserer Gesellschaft fehlt jedoch eine angemessene Auseinandersetzung. Andererseits werden Flüchtlinge irgendwie untergebracht, firmieren bei der Verwaltung unter „Katastrophenhilfe“. Ich sehe in der geplanten Einquartierung von bis zu 500 neuen Flüchtlingen in einer Lagerhalle im Gewerbegebiet Beuel-Ost einen Dammbruch in Bonn. Für maximal sechs bis acht Wochen soll dieser Notbehelf Flüchtlingen zugemutet werden. Hauptsache, es bedarf keiner Beschlagnahmung von Turnhallen mehr. Menschen, die oft lebensgefährliche Fluchten hinter sich haben, werden auch diese Lagerhaltung irgendwie überleben. Aber ich stelle mir Willkommenskultur anders vor. Und den Rest vom Schützenfest dürfen dann wieder ehrenamtliche Helfer erledigen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Fühlen Sie sich als Kirchenmann und Ehrenamtler von den offiziellen Stellen allein gelassen?

Eckert: Es ist da zumindest noch Luft nach oben, was die Wertschätzung, das Ernstnehmen der ehrenamtlichen Kompetenzen und die Informationspolitik von städtischer Seite angeht. Wie zwischen der Bundespolitik und den Kommunen gibt es auch vor Ort hinter den Kulissen ein unnötiges Schwarzer-Peter-Spiel. Wir segeln noch nicht gemeinsam genug, sondern erschweren uns in Teilen die Arbeit. Dabei können wir es nur in einem engen zivilgesellschaftliches Miteinander mit den politisch Verantwortlichen schaffen. Nur gemeinsam sind wir stark. Sonst wird Integration nicht gelingen. Und die Folgekosten werden dann weit höher sein, als sofort in menschenwürdigere Lösungen zu investieren.

Bei der Podiumsdiskussion in der Pauluskirche treffen Bundespolitiker und Vertreter der Stadt auf Ehrenamtler und Gemeindemitglieder. Was soll bei diesem Zusammentreffen im besten Fall herauskommen?

Eckert: Wir wollen damit eine notwendige politische Debatte führen, die über Fach- beziehungsweise Unterbringungsfragen hinausgeht. Es bräuchte meines Erachtens immer noch einen Runden Tisch Flüchtlinge bei Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Sollte die unmenschliche Abschottungspolitik Europas scheitern und wie im Sommer 2015 neue Flüchtlinge in die Stadt kommen, wären wir nicht gut aufgestellt. Dieser Abend könnte der Auftakt zur Gründung eines Netzwerkes werden, um Flüchtlingen in dieser Stadt eine „ehrenamtliche“ Stimme zu geben. Wir brauchen so etwas wie ein Bonner Forum für Flüchtlingshilfe.

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