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Arbeiten am Waldkrankenhaus: Ohropax für die Patienten

Arbeiten am Waldkrankenhaus : Ohropax für die Patienten

Normalerweise gilt in einem Krankenhaus strenge Pflicht zur Ruhe. Dass diese Regel bei laufenden Bauarbeiten kaum einzuhalten ist, müssen zurzeit Patienten und Mitarbeiter auf teils schmerzvolle Weise erfahren. Für manche Betroffene hat der Baulärm die Grenzen des Zumutbaren bereits überschritten.

"Meine Mutter ist über 90 Jahre alt und kürzlich gestürzt. Nun liegt sie in der Unfallchirurgie. Der Lärm auf der Station ist so unerträglich, dass ich mir ernsthafte Sorgen um ihre Genesung mache", schildert ein GA-Leser aus Rüngsdorf das Problem.

In technischer Hinsicht besteht es offenbar darin, dass derzeit just in der Etage über der Unfallchirurgie die Bauarbeiter zugange sind. Bekanntlich wird über einen längeren Zeitraum hinweg das gesamte Waldkrankenhaus kernsaniert, und nun ist jener Gebäudeflügel an der Reihe.

Dabei half die Maßnahme, wenigstens die unmittelbar unter der Baustelle gelegenen Krankenzimmer zu räumen, offenbar nur bedingt. "Es ist derzeit in der Tat laut", bestätigt auf Anfrage des General-Anzeigers auch die Pflegedienstleitung den Eindruck des Rüngsdorfers.

Allerdings habe man aus Sicht der Krankenhausleitung alles getan, um die Beeinträchtigung für die Patienten möglichst gering zu halten. So seien die Patienten und ihre Besucher auf Flugblättern über die Bauarbeiten informiert worden. Zudem seien an die Kranken sowohl Ohrstöpsel als auch Gehörschutz in Kopfhörerform verteilt worden. "Wir bemühen uns nach Kräften darum, dass alles vernünftig abläuft", sagt eine verantwortliche Mitarbeiterin.

Allerdings könne das Krankenhaus schon aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen neben der umzubauenden Etage nicht noch eine weitere Station schließen - geschweige denn die ganze Klinik. Insofern sei es auch für die Leitung beruhigend, dass das Ende der Sanierungsarbeiten zeitlich absehbar sei, heißt es. Den Patienten hilft das zurzeit jedoch wenig.

So wurde zwar auch die Unfallchirurgie bereits nach neuestem Standard renoviert: Alle Räume sind heller und freundlicher geworden, sodass sowohl Patienten als auch Personal deutlich verbesserte Bedingungen vorfinden - wäre da nicht der Lärm, der den aktuell Betroffenen die ohnehin unschöne Situation eines Krankenhauses zusätzlich verleidet.

Die Arbeiten oberhalb der Unfallchirurgie sollen noch bis September dauern, die gesamte Sanierung des Waldkrankenhauses soll sich bis Ende 2014 hinziehen. Dann allerdings soll sich das Krankenhaus am Rande des Stadtwaldes nach fast zehn Jahren als Baustelle schöner, moderner und patientenfreundlicher präsentieren als je zuvor.

Insgesamt lässt sich die gemeinnützige Evangelische Kliniken Bonn GmbH die Modernisierung ihrer elf Stationen rund neun Millionen Euro kosten, wobei das Land knapp fünf Millionen Euro zusteuert.

Den GA-Leser aus Rüngsdorf vermag all das mit Blick auf seine betagte Mutter jedoch kaum zu beruhigen. Er hat bereits die zuständigen Aufsichtsbehörden aufgefordert, sich der Situation im Waldkrankenhaus anzunehmen. Das Gesprächsangebot der Pflegedienstleitung, übermittelt von der Zeitung, will er gleichwohl annehmen, um für seine Mutter - und für andere Patienten - die Situation etwas erträglicher zu machen.