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Park Carstanjen in Bad Godesberg:

Ungewöhnliche Rettungsaktion : Rheinwasser gegen vertrocknende Bäume im Park Carstanjen

Im Park Carstanjen gießen Bürger eine 200 Jahre alte Hainbuche mit Eimern. Das Wasser dafür kommt aus dem Rhein. Sie wollen damit verhindern, dass der Baumbestand eingeht.

1000 Liter Wasser sind ein Klacks für einen mächtigen Baum wie die rund 200 Jahre alte Hainbuche im Zentrum des Parks Carstanjen. Grob über den Daumen gepeilt so viel Wasser wird es schon gewesen sein, das kürzlich von engagierten Bürgern an den Baum herangetragen wurde – und zwar aus dem Rhein. Dafür bildeten die gut 70 beteiligten Erwachsenen eine lange Eimerkette. Die anwesenden Kinder trugen die leeren Behälter zurück zum Rhein. Eine tolle gemeinschaftliche Aktion mit Mundschutz und möglichst viel Abstand, bei der aber auch die Sorge um den Zustand der Bäume im Stadtgebiet zum Ausdruck kommt.

Andreas Theves, selbsternannter „Baumwächter“ und Mitglied beim Verein Bonn im Wandel, hat das ins Rollen gebracht, indem er die Idee auf nebenan.de postete, aber auch Menschen im Park direkt ansprach. Er wohnt in der Nähe und  besucht den Park Carstanjen regelmäßig. „Ich schaue mir die Bäume an, ob es denen gut geht.“ Immer öfter stellt er fest: Die Bäume sind in keinem guten Zustand, zuletzt wurden schon 14 abgeholzt. „Ich bin da wirklich langsam verzweifelt.“ Deshalb wollte er wenigstens dem größten Baum im Park etwas Gutes tun.

Vor Ort instruierte Theves die Menschen, die gekommen waren, um zu helfen: Wer sich mit Bäumen auskenne, schütte das Wasser nicht an den Stamm, sondern in einem gewissen Radius ringsherum. „Die Saugwurzeln liegen in etwa da, wo die Baumkrone aufhört.“ Das war für die meisten neu, auch für Christina Cichowski, die im Park immer ihren Hund ausführt. Sie machte mit, „weil es mir Leid tut, dass ein so schöner Baumbestand über die Wupper geht“. Ihr Mann Klaus meinte: „Es wäre viel geholfen, wenn zum Beispiel das THW einfach mal einen Schlauch in den Rhein halten würde. Andere Städte machen das.“ Remscheid zum Beispiel.

Malika, Ela (beide 10) und Noyan (5) hatten an der Aktion ihren Spaß, wissen aber auch, dass sie ein ernstes Anliegen hat. „Es ist immer gut für die Bäume, dass wir denen helfen, statt dass sie gefällt werden“, sagte Malika. Ela berichtete, dass sie auch selbst schon Bäume gezüchtet hat und in einer Ferienaktion mit Theves Holzkreuze für die gefällten Bäume im Park Carstanjen basteln und aufstellen will. Der Nachwuchs ist also interessiert.

Der Park Carstanjen mit seinem alten Baumbestand wird von vielen Bonnern zum Spazierengehen genutzt. Foto: Raimund Junghardt

Laut der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), der der Park gehört, mussten die meisten Bäume in der Anlage gefällt werden, weil sie krank oder von Schädlingen befallen waren. Man wollte „den benachbarten, gesunden Bäumen mehr Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten“. Theves‘ Kommentar dazu: „Die Schädlinge kommen nach dem Verdursten.“ Denn dann sei das Holz geschwächt.

Die Bewässerung in Trockenphasen, teilt die BImA mit, wird teils von eigenen Mitarbeitern und teils von landschaftsgärtnerischen Dienstleistern übernommen. „Dass es dennoch in den sommerlichen Hitzeperioden vereinzelt zu Trockenheit kommen kann, ist trotz aller Vorsicht kaum zu vermeiden“, so die Pressestelle. „Darüber hinaus befasst sich die BImA bereits damit, die Wasserversorgung des Parks dauerhaft zu verbessern.“ Weiter ausgeführt wird das nicht. Der Park, der Teil eines Landschaftsschutzgebietes ist und unter Denkmalschutz steht, liege der BImA am Herzen.

Gefällt werden dürfen Bäume in einem Landschaftsschutzgebiet nur bei Gefahr in Verzug, was der Zustimmung der Stadt Bonn bedarf. Die BImA habe die Fällungen beantragt und die Genehmigung erhalten – mit der Auflage, Ersatzpflanzungen zu tätigen, teilt das Bonner Presseamt mit. Zwei Bäume wurden bereits ersetzt. Auf GA-Nachfrage teilte die BImA mit, dass das auch für die übrigen vorgesehen ist.