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Baumwächter-Tag in Plittersdorf: Petition drängt zu Alternativroute für Radschnellweg

Baumwächter-Tag in Plittersdorf : Petition drängt zu Alternativroute für Radschnellweg

Im Park Carstanjen informierten am Sonntag die Baumwächter über ihre Initiativen. Mit einem Baumlückenkataster soll schneller deutlich werden, wo Bäume fehlen. Für die benötigten Fotos wird Hilfe aus der Bevölkerung gesucht - ebenso beim geplanten Radschnellweg, um diesen zu verlegen.

Seit einem Jahr setzen sich Anwohner in Plittersdorf für den Erhalt von Bäumen in ihrer unmittelbaren Umgebung ein. So konnte die Bäumwächter-Initiative laut eigenen Angaben mit einer mehrwöchigen Giesaktion bereits die Bäume im Park Carstanjen durch die Dürre bringen. Am Sonntag traf sich der Kreis der Aktiven zu einer Info-Veranstaltung in der Grünanlage. Parents for Future und Parachutes waren als Unterstützer vor Ort.

Verdunstungsleistung muss ausgeglichen werden

Angesprochen auf generelle Ersatzpflanzungen sagt Andreas Theves, dass im „günstigsten Falle“ keine Bäume entnommen werden sollten, denn: „Jeder Baum, der nicht gefällt wird, muss auch nicht neu gepflanzt werden“, so der Gründer von der Bäumwächter-Initiative. Man spreche hier von der sogenannten Verdunstungsleistung, die wieder ausgeglichen werde müsse. „Bei ausgewachsen Bäumen liegt die zwischen 500 und 1000 Litern pro Tag. Bei jungen Bäumen ist das deutlich weniger“, erklärt Theves. Ein 1:1-Ausgleich könne demzufolge nur mit mehreren Ersatzpflanzungen einhergehen. Eine Rechenformel habe die Initiative dafür aber nicht. „Die Leistungskraft von großen Bäumen können junge Bäume nicht auffangen, deshalb ist jeder nicht gefällte Baum ein Gewinn für das Klima.“

Initiative beobachtet Baumschwund

Bislang seien die 100 000 Bäume, die im Stadtgebiet stehen, ausreichend. Dennoch beobachtet die Initiative einen massiven Baumschwund. „Es gehen mehr Bäume verloren, als das welche hinzukommen.“ Gründe dafür seien Krankheiten, Bauarbeiten und anhaltende Dürrephasen. „Wenn man sich die Baumlücken an den Straßen anguckt, ist hier ein negativer Trend erkennbar“, mahnt Theves. Die Baumwächter wollen nun ein „Baumlückenkataster“ anlegen, indem gefällte Bäume fotografisch festgehalten werden. „Das Problem soll damit für die Menschen sichtbarer werden.“ Ein aufwendiges Vorhaben, wofür die Initiative um Unterstützung aus der Bevölkerung bittet. Mehr Engagement der Bonner erhofft man sich auch bei dem geplanten Radschnellweg.

44 Bäume könnten für Radschnellweg fallen - Naturschutzbeirat legt Veto ein

Für den Neubau eines vier Meter breiten und fast vier Kilometer langen Radschnellweges im Freizeitpark Rheinaue sollten laut Planungen der Stadtverwaltung mindestens 44 Bäume gefällt und 4.500 Quadratmeter Boden zusätzlich versiegelt werden. „Obwohl der Naturschutzbeirat am 17. Juni hier sein Veto eingelegt hat, könnten Umwege doch noch zu einer Durchsetzung der Planung führen“, kritisiert Theves. Demnach soll die Grünen-Fraktion trotz des Votums weiterhin vorhaben, ihre Pläne durchzusetzen. „Das Thema wird am Donnerstag in einer Ratssitzung besprochen“, weiß Theves. Sollte der Rat den Plänen zustimmen, werde die Obere Naturschutzbehörde in Köln darüber entscheiden.

Petition fordert alternative Route

In einer Petition fordern die Baumfreunde nun Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) dazu auf, die Radschnellroute auf einen Altnativweg zu legen. „Ich kann nicht Klimaschutz machen und dann für eine Radschnellroute 80 Bäume fällen“, kritisiert Theves. 1700 Unterstützer soll die Petition bereits gefunden haben. 2500 Unterschriften seien das ausgegebene Ziel. „Die Grünen wollen unbedingt die Route am Rhein bauen, dabei bestehen im Umfeld bereits zwei nutzbare Radwege, die mit kreativen angemessenen Renovierungen, mit klaren Ausschilderungen und Hilfen zur Entschleunigung ausreichen würde“, sagt Theves. Die Alternativroute könnte etwa durch die Rheinaue, über Martin-Luther-King-Straße bis zum Schaumburger Hof verlaufen.