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Pfarrer Balagon aus Bad Godesberg: "Die Ökumene ist ausbaufähig"

Interview mit Pfarrer Balagon : „Die Ökumene in Godesberg ist ausbaufähig“

Der Geistliche Edward Balagon ist seit vier Monaten leitender Pfarrer von Bad Godesberg. Im Interview spricht er über das Miteinander, seine Gemeinde und Stadtdechant Wolfgang Picken.

Seit vier Monaten ist Edward Balagon leitender Pfarrer von Bad Godesberg. Während die einen freudig auf einen Neubeginn hofften, trauerten die anderen, dass der heutige Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken den Seelsorgebereich verließ. Wie Balagon den Start seiner Tätigkeit erlebt hat, was er an Bad Godesberg besonders schätzt und ob er im Schatten seines Vorgängers steht, darüber sprach Ayla Jacob mit dem 37-Jährigen.

Seit dem 1. September sind Sie Pfarrer in Bad Godesberg. Wie haben Sie die ersten vier Monate erlebt?

Edward Balagon: Es gibt hier eine sehr lebendige Gemeinde, in der viele Menschen im Ehrenamt engagiert sind. Die vergangenen vier Monate waren abwechslungsreich. Allerdings bin ich noch dabei, mir einen Überblick zu verschaffen. Dafür möchte ich mir Zeit nehmen – vermutlich ein Jahr. Allerdings stelle ich auch fest, was Neues ansteht.

Was wäre das?

Balagon: Wir feiern 2020 zum Beispiel das 15-jährige Bestehen der Bürgerstiftung Rheinviertel. Die Stiftungsarbeit ist für mich etwas Neues. Ich habe natürlich aus der Ferne davon gehört. Es geht um die Gabe, zu geben, Kirche und Gesellschaft zu verbinden. Jeder soll sich nach seinen Möglichkeiten einbringen. Das fasziniert mich. Daher habe ich vor meinem Amtsantritt Pfarrer Wolfgang Picken besucht, um mehr über die Stiftung zu erfahren, die er mitinitiiert hat. Jetzt stellt sich mir die Frage, welche Rolle ich einnehme.

Beim Theaterfest wurden die Kammerspiele umbenannt. Foto: Thomas Kölsch/Thomas (FM) Kölsch

Haben Sie das Gefühl, Sie stehen in Pfarrer Wolfgang Pickens Schatten oder sind Sie frei in ihren Möglichkeiten – in der Bürgerstiftung, aber auch in der Gemeinde?

Balagon: Ich fühle mich frei. Das hat sich schon daran gezeigt, wie man mich empfangen hat. Nämlich sehr herzlich und wohlwollend. Ich merke es aber auch bei den täglichen Begegnungen. Außerdem hat sich die Sorge, dass die Bürgerstiftung nun weniger Spenden erhält, als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil. Wir haben das Spendenziel von 500 000 Euro erreicht. Es zeigt, dass es den Menschen um die Sache und nicht um eine Person geht.

Also blickt niemand zurück?

Balagon: Die Menschen sagen schon, dass es eine tolle Zeit mit Wolfgang Picken war. Sie bringen aber auch die Offenheit mit, mich anzunehmen und mit mir zu arbeiten. Das hat aber auch er so transportiert. Er hat mir gesagt, wie er es gemacht hat und mir dann mitgegeben, dass ich jetzt der Pfarrer bin. ‚Was bei mir passte, muss ja nicht bei Dir passen’, waren seine Worte.

Es zu sagen und es zu tun, sind  zwei verschiedene Paar Schuhe.

Balagon: Es ist wirklich so. Es ist nicht so, dass er im Hintergrund sitzt und die Fäden zieht. Wir haben ein gutes, mitbrüderliches Verhältnis.

Hätten Sie das erwartet?

Balagon: Ich habe ihn kennen und schätzen gelernt und konnte nur auf seine Worte vertrauen. Generell fragt man sich ja immer, wie man aufgenommen wird. In dieser Herzlichkeit hätte ich es tatsächlich nicht erwartet.

Gibt es Verbindungen zum Bonner Stadtdekanat?

Balagon: Es gibt regelmäßig Konferenzen der leitenden Pfarrer. Außerdem erhalten wir Informationen, was im Stadtdekanat passiert. Derzeit ist das große Thema, die Sendungsräume zu erstellen. Es gibt Kommunikation, Zusammenarbeit und Unterstützung.

Was haben Sie in den vergangenen vier Monaten als besonders positiv empfunden?

Balagon: Das sind vor allem die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und einbringen, und die so die Gemeinde am Leben erhalten.

Und was war negativ?

Balagon: Die Rolle als Pfarrer ist für mich neu. Ich muss mich erst hineinfinden. Das ist für mich noch nicht abgeschlossen. Ich kann die Frage daher noch nicht beantworten.

Welche Schwerpunkte sehen Sie in den nächsten Monaten?

Balagon: Ein Punkt, der mir am Herzen liegt, ist die Ökumene. Ich habe mich mit allen evangelischen Pfarrern getroffen, wir haben uns ausgetauscht.

Haben Sie das Gefühl, die Ökumene in Bad Godesberg läuft gut oder ist sie ausbaufähig?

Balagon: Es gibt schon einiges, zum Beispiel am Buß- und Bettag, am Pfingstmontag oder auch verortet in der Kirche Frieden Christi. Dennoch aber ist die Ökumene meiner Meinung nach noch ausbaufähig. Wichtig aber ist: Trotz vielleicht vorhandener theologischer Unterschiede gibt es viele Themen, die uns alle betreffen. Zum Beispiel im pflegerischen und im Bildungsbereich. Oder auch die Frage nach der Heimat. Hier kommen verschiedene Religionen ins Spiel.

Können Sie das konkretisieren?

Balagon: Es ist generell wichtig, den Menschen einen Raum zu schaffen, in dem sie sich heimisch fühlen, in dem sie sich entfalten können. Das kann in der Kirche, das kann aber auch woanders sein. Zum Beispiel bei der Tango-Benefizveranstaltung der Bürgerstiftung. Oder in der Stadt, wenn im nächsten Jahr wieder das Theaterfest stattfindet. Es geht darum zu zeigen, dass wir zusammengehören, aber vielfältig sind.

Wie sieht es denn in Bad Godesberg aus? Arbeiten Süd-, Rhein- und Burgviertel miteinander?

Balagon: Alles muss wachsen. Aber über die Themen kommen wir zusammen.

Welche sind das?

Balagon: Zum Beispiel die Demenzhilfe. Es wurde ein Runder Tisch ini-
tiiert, jeder, der möchte, bringt sich ein. Es ist eine Schnittstelle – zueinander, zur Stadt, aber auch zur Bürgerstiftung, die ein Demenzprojekt auf den Weg gebracht hat.

Was sind weitere Themen, die Sie im kommenden Jahr beschäftigen werden?

Balagon: Da sind einige Bauangelegenheiten wie die notwendige Sanierung der Missionszentrale der Franziskaner in Pennenfeld. Außerdem stellt sich die Frage, ob und wenn ja, in welchem Maße unsere Kindergärten ausgebaut werden. Und: Ein Schwerpunkt wird auf jeden Fall die Jugendarbeit sein.

Stehen denn irgendwelche Änderungen an?

Balagon: Ich werde mein Büro von Sankt Evergislus nach Sankt Marien verlegen. Dort ist das Pastorale Zentrum. Zwar soll nicht alles zentralisiert werden, aber man ist in der Mitte. Von dort aus kommt man leicht überall hin, zum Heiderhof und nach Mehlem.

Bundesweit treten zahlreiche Menschen aus der Kirche aus, die Gotteshäuser werden leerer. Ist das ein Trend, der sich auch in Bad Godesberg durchsetzt?

Balagon: Wenn ich es mit meinen vorigen Stationen vergleiche, ist der Kirchenbesuch hier sehr stark. Aber ich kann nicht sagen, wie es sich in den nächsten Jahren entwickelt.

Stellt man vor Ort Veränderungen fest, wenn Skandale wie der Missbrauchsskandal die Kirche erschüttern?

Balagon: So etwas macht viele betroffen. Es ist wichtig, dass man diese Sorge ernst nimmt. Daher wird zum Beispiel das Thema Missbrauch auch vor Ort aufgegriffen. Es hat ein Forum dazu gegeben, das nächste wird im Frühjahr stattfinden. Auch in Gesprächen und Begegnungen geht es darum.

Sind Sie in Bad Godesberg angekommen?

Balagon: Ich lebe mich langsam ein und fühle mich in Godesberg wirklich wohl. Auch wenn ich gerade noch in einem Provisorium lebe. Derzeit teile ich mir eine Drei-Zimmer-Wohnung mit meinen Eltern. Es ist ein bisschen wie in einer WG. Aber es läuft ganz gut: Ich bin ja nicht oft zu Hause. Vermutlich im Herbst werde ich dann in die Pfarrwohnung ziehen.