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Navi-Diebstähle in Bonn: Polizei: Wir haben nichts gelöscht

Navi-Diebstähle in Bonn : Polizei: Wir haben nichts gelöscht

Wie groß ist derzeit das Problem mit Langfingern, die es in der Bonner Region auf festeingebaute Navigationsgeräte und Airbags abgesehen haben? Werden Diebstähle von der Polizei beschönigt beziehungsweise entsprechende Meldungen zurückbehalten?

Das fragt sich zumindest Bernd Viebach, der im Villenviertel wohnt, und dessen Wagen gleich zwei Mal innerhalb kurzer Zeit aufgebrochen worden war.

Damit zählt Viebach zu einer Reihe von Geschädigten in den vergangenen Monaten. Wie berichtet, stellt die Polizei etwa seit Anfang des Jahres ein verstärktes Aufkommen solcher Diebstähle fest. Oft waren die Täter an einigen Tagen gleich in Serie unterwegs, zum Beispiel im Villenviertel. Dort haben Täter aus einem Mercedes gleich zwei Mal innerhalb weniger Wochen das Navi entwendet.

Gleiches Malheur widerfuhr Bernd Viebach. Aus seinem BMW wurde am 20. März das Navi gestohlen. Weitere 15 Fahrzeuge seien damals ebenfalls betroffen gewesen, schildert er den Sachverhalt. Vom 20. auf den 21. April sei dann erneut in seinen Wagen eingebrochen worden, dieses Mal entwendeten die Diebe neben dem Navi auch das Lenkrad samt Airbag.

Da Viebach über diesen Vorfall wiederum nichts in der Zeitung lesen konnte, schaute er sich die Presseartikel der Bonner Polizei an: "Dort fand ich dann den entsprechenden Hinweis, dass im Villenviertel, Gronau, Kessenich und Südstadt wieder zahlreiche Autos aufgebrochen wurden".

Als Viebach wenige Tage später nochmals das Portal der Polizei kontrollierte, "war die Pressemitteilung nicht mehr zu finden". Ist die Nachricht einfach verschwunden, fragte sich der Bad Godesberger "oder ist sie vielleicht gelöscht worden, und wer hat die Löschung veranlasst?"

Dieser Vermutung widerspricht Polizeisprecher Robert Scholten: "Wir haben nichts gelöscht." Das könne man im Übrigen auch gar nicht, weil die Meldungen in einer Zentralredaktion in Hamburg verwaltet würden. "Was wir alleine löschen können, sind Fotos nach erfolgten Fahndungen." Auch sei die Bonner Polizei bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit keineswegs selektiv vorgegangen. "Es gibt jeden Tag viele interessante Delikte", erklärt der Polizeisprecher, "aber einen Eins-zu-Eins-Abgleich bekommen wir nicht transportiert." Somit könne man tagtäglich nur eine Auswahl der Vorkommnisse treffen.

Dass die Fallzahlen von gestohlenen Navis und Airbags vor allem aus hochpreisigen Autos seit Anfang des Jahres nach oben gehen, hat die Polizei bereits bestätigt. Konkrete Quartalszahlen liegen aber noch nicht vor. Informationen des General-Anzeigers, wonach die Geräte vor allem ins Baltikum verschoben werden und dort etwa über das Auktionsportal Ebay verkauft werden, wollte Scholten nicht bestätigen: "Wir können zwar davon ausgehen, dass wir es hier mit spezialisierten, überregional operierenden Tätern zu tun haben.". Aber Hinweise etwa auf einen Account in Osteruropa gebe es nicht. Auch ließe sich nicht belegen, wo diese verkauft würden.

"Phasenweise" sind die Navi-Diebe auch aus Sicht von Robin Breuer, Leiter der Werkstatt der BMW Niederlassung Hakvoort in Sankt Augustin, ein Problem: "In den letzten Wochen hatten wir drei Fahrzeuge hier, die betroffen waren." Hierbei könnten sich die Schäden zwischen 500 und 5000 Euro bewegen.

"Wir bekommen es immer wieder mit, wenn Diebe wieder durch die Region ziehen", bestätigt auch Oliver Görsch, Betriebsleiter der RKG Mercedes Benz Niederlassung in Bonn. Zumal es dann auch vorkomme, dass die Täter genau dort, wo sie bereits Erfolg hatten, wenig später noch ein zweites Mal zuschlagen würden. Allerdings werde es aber für die Diebe immer schwieriger, Kapital aus ihrer Beute zu schlagen.

"Die gestohlenen Navis funktionieren nach dem Ausbau nicht automatisch, da die Geräte quasi mit einem Auto 'verheiratet' werden. Da hat der Hersteller viel zum Schutz der Kunden getan", sagt Görsch. So benötigten die Diebe die passende Diagnosetechnik, um die Navis freizuschalten.

Ein solches Gerät hatten Unbekannte Anfang des Jahres versucht, in der RKG-Niederlassung zu stehlen. Das habe aber ein Sicherheitsdienst vereiteln können. Bei ganz neuen Modellen wie der C-Klasse würde den Dieben laut Görsch aber auch ein solches Diagnosegerät nichts mehr nützen: "Die Geräte müssen online über einen Server von Daimler Benz freigeschaltet werden."