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Kriminalität in Bad Godesberg: Polizeipräsenz kann Straftaten verhindern

Kriminalität in Bad Godesberg : Polizeipräsenz kann Straftaten verhindern

Polizeipräsenz verhindert Straftaten. Da war (und ist) sich Udo Schott sicher. Der Bonner Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) beleuchtete auf Einladung der Seniorenunion das Thema "Kriminalität in Bad Godesberg". Und kam zu interessanten Ergebnissen.

Seine These werde in Bad Godesberg am allerbesten bewiesen, erklärte Schott. Er nannte das Beispiel Nikolausmarkt. Wie berichtet, hatten Polizei und Ordnungsdienst ihre Präsenz erhöht, um verstärkt gegen Taschendiebe vorzugehen. Außerdem wurden potenzielle Täter bereits an U-Bahn-Haltestellen und ähnlichem an- und Betretungsverbote ausgesprochen. "Dafür wurden Ressourcen freigeschaufelt", sagte Schott.

Das Ergebnis: "Der Taschendiebstahl auf dem Godesberger Nikolausmarkt hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 90 Prozent reduziert." Zwar wolle er nicht verschweigen, dass es nur eine Verlagerung des Problems gewesen sei. "Auf den Weihnachtsmärkten im Umkreis wie in Koblenz ist die Zahl der Taschendiebstähle gestiegen." Dennoch könne man erkennen, dass "der verstärkte Ressourceneinsatz direkten Erfolg bringt".

Deswegen sei es ein Wunsch der GdP, "dass die Polizei beim Personal besser aufgestellt wird und so im Interesse der inneren Sicherheit mehr leisten kann". Denn: "Wenn Prävention unsere erste Pflicht ist, brauchen wir mehr Präsenz, also mehr Personal." Das gelte auch für die Ermittlungsarbeit. Würden bei Spurensuche und Co. mehr Beamte eingesetzt, ließe sich die Aufklärungsquote steigern. "Das erkennt man bei Kapitaldelikten wie Mord", führte Schott aus. Dort liege die Aufklärungsquote bei nahezu 100 Prozent - "weil mehr Ressourcen eingesetzt werden".

Allerdings dürfe man die Augen nicht davor verschließen, dass Realität und Wunsch weit auseinander klafften, vor allem was die Personalstärke angehe. "Der Alltag sieht düster aus", meinte Schott. Man müsse sehen, was eine Wache - so wie in Bad Godesberg - leisten könne. Meist bleibe nach Abarbeitung der Notrufe keine Zeit mehr für andere Dinge. Deswegen müsse die Polizei personell aufgestockt werden. Dies zu tun - da sei die Politik gefragt. Darüber hinaus präsentierte Schott noch einige Zahlen. 160 000 Notrufe gingen 2012 bei der Bonner Polizei ein, 110 000 davon erforderten einen Einsatz.

Insgesamt ist die Zahl der Straftaten im Bereich der Bonner Polizei (Bonn, Königswinter, Bad Honnef und der linksrheinische Rhein-Sieg-Kreis) insgesamt gesunken, und zwar von 50.052 Fällen in 2011 auf 48.157 in 2012. In Bad Godesberg allerdings zeigt die Kurve in die andere Richtung. Hier stiegen die Zahlen von 6.703 auf 7.184. Allerdings sei die Aufklärungsquote im Stadtbezirk leicht gestiegen, und zwar auf 39,9 Prozent. "Das bedeutet aber auch, dass 60 Prozent der Straftaten nicht aufgeklärt werden. Das ist kein befriedigender Zustand, das kann man nicht schönreden." Generell gelte: "In Bad Godesberg ist Handlungsbedarf da."

Die Polizei würde handeln, regelmäßig gebe es Sicherheitsprogramme, in denen Brennpunkte und Angsträume erfasst würden. So sei zum Beispiel für Bad Godesberg ein temporäres Präsenzkonzept erarbeitet worden. Dabei werden zu bestimmten Zeiten "Ressourcen freigeschaufelt, um Präsenz zu schaffen". Das gelinge nur, da die Wache Unterstützung von Bereitschaftspolizei und Zivilkräften erhalte.