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Verkehrserziehung in Bonn: Polizeipuppen sind in der Krise arbeitslos

Verkehrserziehung in Bonn : Polizeipuppen sind in der Krise arbeitslos

Seit 65 Jahren vermittelt das Team der Verkehrspuppenbühne der Bonner Polizei Kindern spielerisch, was richtig und was falsch ist. Durch die Corona-Krise sind die Puppenspieler zur Untätigkeit verdammt. Doch sie übernehmen noch andere Aufgaben in ihrer Dienststelle.

Es sind keine guten Zeiten für Sabine und Hund Struppi. Und auch Harri Po, der Bösewicht der Verkehrspuppenbühne der Bonner Polizei, ist arbeitslos. Die Pandemie macht eben selbst vor Handpuppen keinen Halt. „Mitte Dezember hatten wir unseren letzten Auftritt“, erzählt Polizeihauptkommissar Jochen Haas. Gemeinsam mit seiner Kollegin, Polizeihauptkommissarin Silke Mollberg, erklärt er Kindern mithilfe von kleinen Theaterstücken, wie sie sich im Verkehr verhalten sollen.

Da muss die Frage erlaubt sein, ob das in digitalen Zeiten noch „in“ ist. „Mit Puppe und Bühne kriegt man alle“, wehrt Haas ab. Die erste Polizeipuppenbühne entstand in Deutschland Anfang der 1950er Jahre in Hamburg. „Kurz danach kamen wir“, sagt Haas über den Bonner Ableger von Theo Flohr. Das Prinzip ist in all den Jahren gleich geblieben: Polizeibeamte treten – meist in Uniform – vor Kindern im Kita- und Grundschulalter als Puppenspieler auf.

Es geht um Verhaltensweisen im Straßenverkehr

Im Bereich des Bonner Polizeipräsidiums waren das auch mal mehr. „Wir sind nur noch zu zweit, der Rest ist in Rente gegangen“, sagt Mollberg, die seit 2015 dabei ist, und unter anderem den Polizisten spielt. Die Bühne zählt zur Dienststelle Verkehrsunfallprävention und Opferschutz. „Es geht um Verhaltensweisen wie das Überqueren der Straße, wenn es zeitlich dringlich ist“, sagt Haas und taucht mit seiner Kollegin kurz ins Stück ab. Die Dialoge sitzen auch in Corona-Zeiten. „Stoppstein – Bremse rein“, ist einer der Merksprüche am Bürgersteig für den Nachwuchs. Sie seien dazu da, richtig und falsch zu visualisieren, meint Haas, der in diesem Jahr auf zehn Jahre Puppenspiel zurückblicken kann.

Am Anfang und am Ende treten die beiden immer vor die Bühne, die seinerzeit das Theater Bonn in Leichtbauweise erstellt hat. Die Technik hat sich verändert. „Mittlerweile arbeiten wir mit LED-Technik, einem Laptop statt Kassettenspieler für Straßengeräusche und Musik sowie modernen Boxen“, erzählt Haas. Die Kulissen aus den 1970er Jahren mit Szenen aus Bonn hat er von Brettern auf Jalousien ziehen lassen.

Politisch nachgearbeitet haben die beiden auch. „Früher hieß der Bösewicht Danielo Frikadello heute Harri Po in Anlehnung an den bekannten Gummibärchenhersteller“, sagt Mollberg. Den Bösewicht interessieren keine Regeln im Gegensatz zum Kind Sabine, das sehr interessiert, aber manchmal unbedarft sei. Unveränderliches Kennzeichen ist natürlich der unbeschwerte Kasper, dem es als einzigem vergönnt ist, Beine zu haben. Alle anderen Handpuppen existieren nur mit Oberkörper. „Marionetten wären nichts für mich, da würde ich mich verheddern“, gibt Haas zu. Ansonsten aber haben beide Spieler Profistatus. Sie haben mehrere Lehrgänge besucht und schon Figuren selbst gebaut. „Wir arbeiten auch mit Tricks, die verraten wir aber nicht“, sagt Mollberg.

Bis der blaue Vorhang wieder fällt, vergehen kurzweilige 30 Minuten. Dann heißt es, wieder in Interaktion mit dem jungen Publikum zu gehen, das Gelernte nochmal spielerisch abzufragen. Für die Schüler geht’s zurück in den Unterricht, für die Puppenspieler heim ins Präsidium. Zehn Verkehrssicherheitsberater gibt es insgesamt; Mollberg ist für Beuel und den Bonner Norden, Haas für Bad Honnef, Beuel, Altstadt und Nordstadt zuständig. Denn da die Bühne nur im Winter auf Reisen geht, haben beide auch weitere Aufgabenfelder wie die Radfahrausbildung der Viertklässler. „Wir haben rund 100 Grundschulen und mehr als 320 Kitas, können aber maximal 30 Aufritte stemmen zu zweit“, bedauert Haas. Sabine und Hund Struppi ergeht es mit der vorübergehenden Einlagerung übrigens besser als der bösen Hexe, der Oma und dem Krokodil. Die nämlich sind dauerhaft aussortiert.