Taubenhaus hilft nicht mehr Wie die Bad Godesberger ihr Vorzeigeprojekt torpedieren

Bonn · Einst als Innovation gefeiert, heute praktisch nutzlos. Weil die Bad Godesberger mit ihren Stadttauben falsch umgehen, ignorieren die Tiere das einstige Vorzeigeprojekt mittlerweile.

An der Alten Bahnhofstraße legen Unbekannte Futter aus und locken so Stadttauben an.

An der Alten Bahnhofstraße legen Unbekannte Futter aus und locken so Stadttauben an.

Foto: Maximilian Mühlens

Sie sitzen auf den Dächern, in Bäumen und laufen auf den Straßen umher: Tauben. Überall in der Bad Godesberger Innenstadt sind sie zu finden. In den Fußgängerzonen der Alten Bahnhofstraße oder auch auf dem Theaterplatz sammelt sich währenddessen der Taubenkot. Ein Problem, dass es eigentlich in diesem Ausmaß gar nicht mehr geben sollte. Und auch nicht müsste.

Im November 2012 wurde der erste innerstädtische Taubenschlag am Theaterplatz aufgebaut. Über Jahre hinweg eine echtes Erfolgsprojekt, dessen positiver Effekt mittlerweile jedoch verpufft. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage des GA mitteilte, sei am „Taubenbrennpunkt“ durch den Schlag zunächst eine Beruhigung der angespannten Situation eingetreten, die zu einer erhöhten Zufriedenheit der Bürger und Geschäftsleute geführt habe. Im Zuge des Corona-Lockdowns sei es jedoch zu einer gewissen Entwöhnung der Tauben durch illegale Fütterungen gekommen.

Immer wieder sei Futter an mehreren Stellen im Einzugsbereich des Taubenhauses ausgestreut worden, etwa unmittelbar um den zentralen Baum auf dem Theaterplatz. „Die Tauben sind durch die illegale Fütterung so satt, dass sie sich zur Aufnahme eines im Taubenhaus angebotenen, artgerechten Futters gar nicht dorthin orientieren müssen. Dies erschwert die Wiederansiedlung der Tauben in erheblichem Maße und kann sogar zum Scheitern der Ansiedlungsbemühungen führen“, heißt es aus der Verwaltung.

Illegales Taubenfüttern kostet bis zu 1000 Euro

An der Wiederbesiedlung des Hauses durch die Tauben werde zwar gearbeitet, die Bemühungen seien aufgrund der hohen Standorttreue der Tiere jedoch nur erfolgsversprechend, wenn diese sich wieder dauerhaft im aufgebauten Schlag einnisten würden. Die Stadt appelliert deshalb weiter dringend an die Bürger, keine illegalen Fütterungen durchzuführen, um das Projekt, welches in Kooperation mit dem Verein der Stadttaubenhilfe durchgeführt wird, nicht zu gefährden. Für das unerlaubte Füttern können Bußgelder in Höhe von 25 bis 1000 Euro für das unerlaubte Auslegen von Vogelfutter verhängt werden. Die Höhe hängt Häufigkeit und Schwere des Verstoßes ab.

Sinnvoll ist die Ansiedlung in den Taubenhäusern auch deshalb, weil durch sie Population und Verschmutzung kontrolliert werden können. Wie die Stadttaubenhilfe Bonn erklärt, werden in den errichteten Taubenschlägen Eier gegen Kunststoffattrappen getauscht, um weiteren Nachwuchs zu verhindern. So könne die Population langfristig tierschutzgerecht reduziert werden.

Taubenmobil für den Bonner ZOB

Da sich die Tiere aufgrund der Standorttreue zudem die meiste Zeit innerhalb des Taubenhauses aufhalten würden, falle außerhalb deutlich weniger störender Unrat an. Das sogenannte „Augsburger Modell“ sei bereits seit vielen Jahren ein bundesweit etabliertes und wissenschaftlich nachgewiesen erfolgreiches Konzept.

Um den einstigen Haustieren, denen ein unnatürlich hoher Brutzwang angezüchtet wurde und die mit der Zeit verwilderten, auch in der Bonner City Herr zu werden, hatte sich die Ratskoalition bereits vor einigen Jahren für die Errichtung eines mobilen Taubenhauses in der Innenstadt ausgesprochen, welches nun bald in Form eines Bauwagens am zentralen Busbahnhof nahe der Südunterführung aufgestellt werden soll.

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