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Aussterbendes Handwerk: Ralf Wolber ist einer der letzten Schuster in Godesberg

Aussterbendes Handwerk : Ralf Wolber ist einer der letzten Schuster in Godesberg

Ralf Wolber ist seit dem 16. Lebensjahr Schuster. Er führt das Familiengeschäft in Bad Godesberg mit 70-jähriger Tradition und sagt: „Ich werde arbeiten, bis der Deckel zugeht.“

Es gibt nicht mehr viele ihrer Zunft. In Bad Godesberg mit seinen 13 Ortsteilen sind es gerade mal fünf Schuster, bei denen man noch neue Absätze und Sohlen bekommt. So wie bei „Karl-Heinz Wolber & Sohn“ in dem weiß verklinkerten Eckhaus hinter der Fronhofer Galeria. Ralf Wolber (51) schustert hier schon seit seinem 16. Lebensjahr, als er seine Ausbildung beim Onkel im väterlichen Betrieb begann, den er 2008 übernahm. Vater Karl-Heinz Wolber stand ihm – solange es die Gesundheit zuließ – weiterhin unterstützend zur Seite.

Der Senior hatte das Geschäft 1974 von seinem damaligen Arbeitgeber Hans Döben übernommen, der die Schusterei Ende der 1960er Jahre zeitgleich zum Hertie-Bau errichten ließ, wo heute das Gebäude der Fronhofer Galeria steht. „Döbens Werkstatt, die er 1950 eröffnet hatte, lag bis dahin am Godesberger Bach, der damals noch offen durch die Innenstadt floss“, schildert Wolber eine kleine Anekdote, „und die großen Hertie-Baukräne, so wurde mir erzählt, hätten seine Maschinen beim Umzug dann von dort hierhin gehievt.“

Klopfarm, Kissenpresse, Poliermaschine & Co. reihen sich in dem auffallend großen Werkstattraum aneinander, wo Ralf Wolber heute alleine schustert. „Hier standen zu Zeiten des Vorbesitzers fünf Mitarbeiter“, berichtet er, „die teils bis Mitternacht gearbeitet haben, damit die Kunden ihre Schuhe nach vier Wochen abholen konnten.“

Die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Als die Zahl der Kunden zunahm, die ihre Schuhe nicht abholten oder deren Reparatur nicht bezahlen wollten, begann Wolber, nur noch gegen Vorkasse zu arbeiten. „Ich hätte sonst am Jahresende die Regale voll davon gehabt!“ Heute werden aufgrund des preisgünstigen Angebots meist neue Schuhe gekauft, bevor man die alten reparieren lässt. „Der Beruf wird aussterben“, konstatiert Wolber, „aber ich hoffe, dass ich das nicht mehr erleben muss.“ In den Schnellreparatur-Ketten sieht der gelernte Schuster jedoch keine Konkurrenz. „Wer die Arbeit einmal gesehen hat, kommt schnell wieder hierher“, ist er sich sicher. „Denn in Qualität zu investieren, zahlt sich langfristig immer aus.“

Kunden kommen von weit her

Seine Kunden kommen mittlerweile aus Trier und sogar Hamburg. „Ich habe früher für die Familie Genscher gearbeitet“, berichtet er, „und vor einigen Jahren für das Karnevals-Prinzenpaar.“ Auch heute zählen Prominente wie Schauspielerin Heide Keller, Kabarettist Konrad Beikircher und Consul Weyer zur Kundschaft des Godesberger Schuhmachers, der zudem für das Schauspielhaus Bonn und regionale Schuhhäuser arbeitet.

„Ich wollte ursprünglich gar nicht Schuster, sondern Schreiner werden“, gesteht der 51-Jährige freimütig. Wenngleich sein Vater ihm damals die Entscheidung überließ, hat die komplett eingerichtete Schusterei samt Kundenstamm ihn letztlich überzeugt. „Das hätte ich mir als Schreiner alles erst einmal aufbauen müssen.“ Heute ist Ralf Wolber sehr gerne Schuster und liebt die abwechslungsreiche Arbeit rund um sein Handwerk. Die beiden Söhne hingegen haben andere Interessen. „Die sollen das machen, was ihnen Spaß macht“, findet Wolber, „und ich werde arbeiten, bis der Deckel zugeht.“