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Gesundheitstourismus: Raus aus der Grauzone

Gesundheitstourismus : Raus aus der Grauzone

Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke (CDU) will eine Qualitätsoffensive für den Gesundheitstourismus starten. Ärzte und Wissenschaftler, Geschäftsleute, Hoteliers und Vertreter der Politik sollen künftig regelmäßig an einem Runden Tisch zusammenkommen

Dabei sollen Probleme um des Medizintourismus anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. "Der Gesundheitstourismus treibt mich schon eine ganze Weile um. Es ist ein fabelhaftes Thema, weil es ein toller Wirtschaftsfaktor für Bad Godesberg ist", sagte Stein-Lücke.

Schattenseite dieses Wirtschaftsfaktors sei zum Beispiel die illegale Hotellerie: Wohnungen würden für die Unterbringung von Patienten und ihrer Angehöriger zweckentfremdet und zum Teil hoffnungslos überbelegt. "In den vergangenen Jahren ist die Geduld der Einheimischen zum Teil stark strapaziert worden", weiß Stein-Lücke. Es fehle ein Bindeglied zwischen der Gästekultur und der Bad Godesberger Bevölkerung.

Konkrete Zahlen darüber, wie viele Medizintouristen überhaupt pro Jahr nach Bad Godesberg kommen, in welchen Kliniken sie behandelt werden und wie lange sie bleiben, gibt es nicht. Es ist eine Grauzone entstanden, was auch für die Besucher Nachteile hat. Mit Blick auf die Wohnungssituation sagte Stein-Lücke: "Ich möchte nicht, dass unsere Gäste abgezockt werden." Auch in Sachen Hygiene hält sie Qualitätsstandards für erforderlich. "Weiß ich, wer geputzt hat? Wer vorher in der Wohnung war und mit welcher Krankheit? Es gibt bisher keinen Einblick in diese Dinge."

Simone Stein-Lücke sucht Ende August zunächst das Gespräch mit den Fraktionen und Gruppen der Bezirksvertretung Bad Godesberg. "Wir müssen uns trauen, das Thema Gesundheitstourismus positiv anzugehen", sagt sie. Der erste Termin des Runden Tisches ist dann für Ende September oder Anfang Oktober geplant. Alle, die Interesse haben, sollen sich beteiligen. Stein-Lücke setzt außerdem auf Experten von auswärts. "Je mehr wir über die arabischen, russischen und anderen internationalen Gesundheitstouristen wissen, desto einfacher wird der Umgang mit ihnen. Und desto zielgenauer können wir ihnen Dienstleistungen und Produkte anbieten", sagt sie. Von der neuen Allianz der Kräfte im Gesundheitstourismus verspricht sich die Bezirksbürgermeisterin, dass sich nicht nur der Service für die Patienten verbessert, sondern auch die Verdienstmöglichkeiten der Geschäfte, vom Nagelstudio bis zum Juwelier. Mittelfristiges Ziel sei, eine zentrale Anlaufstelle in Form eines "Büros für Gesundheitstourismus" in der Bad Godesberger Innenstadt zu schaffen.

Konkrete Beschlüsse der Bezirksvertretung bereitet Stein-Lücke nicht vor. "Wir haben eine Änderung der Zweckentfremdungssatzung beschlossen. Ich sehe keine Notwendigkeit, weitere politische Pflöcke einzuschlagen. Jetzt ist es an der Zeit, konstruktiv zu gestalten."

Wer Interesse hat, sich am Runden Tisch zum Thema Gesundheitstourismus zu beteiligen, kann sich in der Bezirksverwaltungsstelle melden: telefonisch unter 0228/77 46-26, 77 46-27 und 77 31 82 oder per E-Mail an: BezVst.Bad-Godesberg@bonn.de.