Razzia gegen Schleuserbande Polizei durchsucht Wohnungen in Bonn und Swisttal

Update | Bonn/Swisttal · Bei einer Razzia gegen eine international agierende Schleuserbande sind am Mittwoch zehn Verdächtige verhaftet worden. Am Donnerstag wurden erneut Wohnungen durchsucht – darunter zwei Objekte in Bonn und eines in Swisttal.

Razzia gegen Schleuser in Bonn und NRW - Bilder der Durchsuchungen
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Razzia gegen Schleuser in Bonn und der Region

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Foto: dpa/Benjamin Westhoff

Die am Mittwoch in acht Bundesländern ausgeführte Razzia gegen Schleuser ist am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen fortgesetzt worden – unter anderem mit Durchsuchungen in Bonn und Swisttal. Etwa 600 Beamte von Bundespolizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten seit dem Donnerstagmorgen insgesamt 116 Objekte, überwiegend Wohnungen, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Es ging um denselben Einsatz wie am Mittwoch: „Das war an einem Tag nicht abzuhandeln.“

Am Mittwoch waren zehn Haftbefehle vollstreckt worden, ein elfter Beschuldigter, gegen den Haftbefehl erlassen wurde, ist noch flüchtig. Am Donnerstag lag der Schwerpunkt auf der Sicherstellung von Beweismaterial und zusätzlich auf der Feststellung von mutmaßlich geschleusten Menschen. Ziel sei herauszufinden, ob die mutmaßlich Geschleusten tatsächlich an den angeblichen Anschriften gewohnt haben, sagte der Sprecher. Drei mutmaßlich Geschleuste wurden in Gewahrsam genommen. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der durchsuchten Wohnungen und Geschäftsräume auf 221.

Razzia gegen Schleuser: Durchsuchungen auch in Bonn und Swisttal

Durchsucht wurden nach Angaben der Bundespolizei auch zwei Wohnungen in Bonn, eine in Lengsdorf und eine in Bad Godesberg, sowie eine Wohnung in Swisttal. Konkrete Angaben zu den Besitzern dieser Objekte oder dem möglichen Beweismaterial gab die Bundespolizei am Donnerstag nicht bekannt.

Bei den weiteren Orten handelte es sich um Bergheim, Düren, Düsseldorf, Frechen, Hürtgenwald, Inden, Jülich, Kerpen, Köln, Kaarst, Linnich, Meerbusch, Merzenich, Mülheim an der Ruhr, Ratingen und Solingen. Eindeutiger Schwerpunkt sei der Raum Düren, sagte der Sprecher. In der Innenstadt von Düren durchsuchte die Polizei nach Beobachtung eines dpa-Reporters Wohnungen mehrerer nebeneinander liegender Häuser. In der Stadt bei Aachen war am Mittwoch ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung verhaftet worden.

1,2 Millionen Euro Bargeld beschlagnahmt

Insgesamt wurden an den beiden Tagen 1,2 Millionen Euro Bargeld, drei hochwertige Autos sowie mehr als 300 Mobiltelefone, Laptops, Festplatten, Computer und weitere elektronische Speichermedien beschlagnahmt. Rund 600 Aktenordner mit Unterlagen wurden ebenfalls sichergestellt. Das teilten die Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOs) in Nordrhein-Westfalen und die Bundespolizei am Donnerstagnachmittag mit.

Den Angaben der Behörden zufolge war bei der Razzia am Mittwoch eine international agierende Schleuserbande zerschlagen worden, die sich besonders auf reiche Menschen aus China und Oman spezialisiert haben soll. Bis zu 360.000 Euro kostete die Vermittlung einer Aufenthaltserlaubnis im Einzelfall. Hauptverdächtige sind zwei 42 und 46 Jahre alte Rechtsanwälte aus dem Raum Köln. Der Tatvorwurf lautet auf banden- und gewerbsmäßiges Schleusen von Ausländern sowie auf Bestechung und Bestechlichkeit von Mitarbeitern lokaler Behörden. Für gewerbsmäßiges Einschleusen drohen Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahren.

Angeworben wurden die finanzkräftigen Ausländer – auch aus Südafrika und Indien – nach Angaben der Ermittler über ein sogenanntes „Residenz-Programm“ im Internet. Dort seien nicht nur das Gesundheits- und Bildungssystem Deutschlands beworben, sondern auch die deutsche Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt worden. Ausgenutzt worden seien Sonderregeln des Aufenthaltsgesetzes für Selbstständige und Fachkräfte.

„Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sind die gestrigen und heutigen Maßnahmen als voller Erfolg zu werten. Dass die Zugriffe und Durchsuchungen so reibungslos verlaufen sind, ist nicht zuletzt der professionellen Vorbereitung und Durchführung durch die Bundespolizei zu verdanken. Es wurde umfangreich vielversprechendes Beweismaterial sichergestellt, welches es nunmehr zu sichten und auszuwerten gilt“, sagte Staatsanwalt Hendrik Timmer laut einer Mitteilung von Donnerstag.

Nach Auskunft der Bundespolizei dauern die Ermittlungs- und Durchsuchungsmaßnahmen weiter an.

(dpa/ga)
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