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Botschaften in Bad Godesberg: Reiseführer für die Diplomatenstadt

Botschaften in Bad Godesberg : Reiseführer für die Diplomatenstadt

In Michael Wenzels neuem Buch über Botschaften und Residenzen in Bad Godesberg verbindet sich Geschichte mit Gegenwart. Zwei ehemalige Staatsvertretungen haben es ihm besonders angetan.

Autor Michael Wenzel ist buchstäblich ein Kind der Diplomatenstadt Bad Godesberg. Beide Eltern kamen als Mitarbeiter der portugiesischen Botschaft an den Rhein. Die Residenz Portugals gehört deshalb auch zu seinen Lieblingszielen, wenn er mit den Teilnehmern seinen Botschaftstouren in die Hauptstadtära reist.

Passend dazu hat der 55-Jährige einen diplomatischen Reiseführer geschrieben, der gerade in einer dritten, komplett überarbeiteter Auflage erschienen ist. Das Buch „Kleine Geschichte(n) Bad Godesberger Botschaften“ gibt auf 80 Seiten und im Handtaschenformat Tourentipps und einen vollständigen Überblick über Botschaftsgebäude und Residenzen.

Wenzel führt bereits seit zehn Jahren Besucher durch den früheren Diplomatenstadtteil und zeigt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch das heutige Bad Godesberg, das sich seit dem Umzug der Botschaften nach Berlin stark verändert hat. Ende der 90er Jahre gab es 6000 akkreditierte Diplomaten und 5000 bis 6000 Ortskräfte. Inzwischen sind nur noch einzelne Konsulate und Außenstellen in Bonn verblieben.

„Das Schöne ist, dass man das Thema mit der Gegenwart verbinden kann. Die Leute sind in der Regel positiv überrascht, was aus den Botschaften geworden ist“, sagt Wenzel. Die Amerikanische Botschaft an der Deichmanns Aue zum Beispiel wurde mit Ausgleichsmitteln saniert und ist seit 2007 Sitz des Bundesinstituts für Landwirtschaft und Ernährung. „Alleine an der Rheinallee gab es bis 1999 insgesamt 14 offizielle Botschaftsadressen“, erklärt Wenzel. Nicht nur im Villenviertel, auch in den Toplagen am Rhein wurden die prächtigen Gebäude an Privatleute verkauft, die sie saniert haben.

Kein Diplomatenviertel an der Rheinaue

Das ist allerdings auch der Grund, warum der Stadtführer viele Gebäude nur noch von außen zeigen kann. So auch den ehemaligen Arbeitsplatz seiner Eltern: Portugal war eines der ersten Länder, die nach dem Krieg diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland aufnahmen. 1951 kauften die Portugiesen für 150 000 Mark die 1895 als Sommerresidenz erbaute Villa Cleff.

Zuletzt hatte Ella Broesch hier eine Industrieschule mit Paramentenstickerei betrieben, wo Frauen aus der Umgebung prächtige Priestergewänder fertigten. Nach dem Verkauf diente der Anbau als Botschaftskanzlei, in der Villa mit dem 9000 Quadratmeter großen Park residierten zwölf Botschafter, der 13. zog nach Berlin. 2002 wurde die Villa für 2,7 Millionen Euro an eine Bietergemeinschaft versteigert. Seitdem ist das Gelände privat.

Ein Lieblingsplatz von Michael Wenzel ist außerdem die Syrische Botschaft, deren Zukunft durch den laufenden Verkauf ungewiss ist. „Das ist 1001. Nacht. Außerdem war Syrien das vorletzte Land, das in Bonn eine Botschaft gebaut hat“, sagt Wenzel. An der Bonner Rheinaue sollte eigentlich ein neues Diplomatenviertel entstehen. Dazu kam es aber wegen des Regierungsumzugs nicht mehr.

Wandel in Godesberg

Godesberg ist weiter im Wandel: Seit China nach 15 Jahren Leerstand seine Botschaft an der Kurfürstenallee als Außenstelle reaktiviert hat, darf Wenzel hier wieder mit Besuchern rein. Ein echter Höhepunkt. Wer nicht zu Fuß oder mit dem Rad auf Botschaftstour gehen möchte, kann seit diesem Jahr eine Rundfahrt im historischen Linienbus buchen. „Im Historischen Verein der Stadtwerke sind Fahrer, die selbst noch zu Hauptstadtzeiten unterwegs waren. Für das kommende Jahr sind neun Termine fest geplant“, berichtet Wenzel.

Er hat in diesem Jahr außerdem das „Netzwerk Politiktourismus“ angestoßen. „Godesberg braucht meiner Meinung nach einen 'Weg der Diplomatie', in Anlehnung an den 'Weg der Demokratie', um damit ein touristisches Alleinstellungsmerkmal zu haben“, sagt er. Das neue Leitbild für den Stadtbezirk könne nur heißen: „Diplomatenstadt Bad Godesberg am Rhein.“

Das Buch „Kleine Geschichte(n) Bad Godesberger Botschaften“ von Michael Wenzel ist in den GA-Zweigstellen Bonn und Bad Godesberg, in der Parkbuchhandlung und bei Bücher Bosch für 12,90 Euro erhältlich. Mehr auf www.botschaftstouren.de.