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Kommentar zum Aennchen in Godesberg: Renoviert, aber nicht gerettet

Kommentar zum Aennchen in Godesberg : Renoviert, aber nicht gerettet

Das Traditionslokal zur Lindenwirtin steht nicht unter Denkmalschutz. Mit dem Nachbau aus den 1970er Jahren ist vieles möglich.

Dass die neuen Eigentümer das Traditionslokal „Zur Lindenwirtin“ renovieren und wieder als Restaurant betreiben wollen, ist erst mal eine gute Nachricht für Bad Godesberg. Weiterer Leerstand hätte dem Gebäude und dem Standort nicht gutgetan.

Doch wie viel Aennchen Schumacher wird im renovierten Lokal bleiben? Das scheint noch ziemlich offen. Insofern ist es auch zu früh, das Aennchen als gerettet zu bezeichnen. Wenn – im äußersten Fall – der Name verschwindet, die Fassade überstrichen wird und die historischen Relikte im Stadtarchiv bleiben, dann ist das Aennchen nur ein 1970er-Jahre-Bau mit merkwürdiger Verglasung.

Bei aller Nostalgie muss man auch sagen: Das Aennchen ist kein einfaches Objekt. Längst kehren dort nicht mehr die wanderlustigen Studenten ein, die seinen Ruhm begründet haben. Es ist auch kein Baudenkmal, das wegen seiner historischen Substanz nur in Absprache mit den Denkmalbehörden angepackt werden darf. Die Altstadtsanierung hat die Lindenwirtin buchstäblich ins Abseits gedrängt. Die Geschichte der Gaststätte ist eng mit den städtebaulichen Sünden verknüpft, die Bad Godesberg heute Probleme bereiten.

Das Umfeld des Aennchens am Beginn der Bonner Straße kann eine Aufwertung durch gute Gastronomie durchaus vertragen. Man kann den Räumen dabei den Muff austreiben, aber es würde der Godesberger Seele und damit auch der Akzeptanz der künftigen Gäste guttun, wenn auch die Aennchen-Tradition sichtbar bliebe. Dazu sollte sich der neue Betreiber schnell selbst zu Wort melden.