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In Plittersdorf: Rheinauer Gärten auf der Zielgeraden

In Plittersdorf : Rheinauer Gärten auf der Zielgeraden

Im Oktober beginnen die Erdarbeiten für den letzten Bauabschnitt. Aldi öffnet voraussichtlich Anfang November.

Der Parkplatz vor der neuen Ladenzeile an der Kennedyallee ist fertig gepflastert und tagsüber meist gut gefüllt. Es sind allerdings noch keine Kunden da, die hier einkaufen - die vielen Autos gehören den Handwerkern. Der neue Aldi-Markt eröffne voraussichtlich Ende Oktober oder Anfang November, sagte Martin Hunger, Projektleiter der Firma Bouwfonds Immobilienentwicklung, dem GA auf Nachfrage.

Für die anderen Ladenfläche gibt es laut Hunger Mietinteressenten, "es sind aber noch keine weiteren Mietverträge abgestimmt". Insofern ist noch offen, ob die Anwohner Bäcker, Apotheke, Zeitschriftenladen oder etwas völlig anderes bekommen.

Handel hat auf dem Gelände an der Kennedyallee Tradition. Als die Amerikanische Siedlung noch von den Amerikanern genutzt wurde, waren hier gewerbliche Einrichtungen wie Supermarkt, Tankstelle, Kino und Lagerhallen untergebracht. Das einstige "Commercial Center" lag seit Ende der 1990er Jahren brach. Genau genommen beginnt die Geschichte der Rheinauer Gärten aber bereits 2001 mit dem Hauptstadtbeschluss, der auch den Wegzug der Amerikanischen Botschaft und ihrer Mitarbeiter einläutete. Während die Wohnungen der Amerikanischen Siedlung Plittersdorf saniert und vermietet oder verkauft wurden, verfiel die alte Ladenzeile zusehends.

Anfang 2002 wurde schließlich das amerikanische Kino abgerissen. Nur noch die Stimson Memorial Chapel erinnert auf dieser Seite der Kennedyallee an die alte Nutzung. Die Wohnungen oberhalb der neuen Ladenzeile werden vermietet. Erste Angebote mit Einzugstermin 1. November 2014 gibt es auf den Immobilienportalen im Internet, zum Beispiel eine 4-Zimmer-Wohnung mit 128 Quadratmetern für 1432 Euro kalt. Nebenan haben die Häuser des Bauabschnitts 3.2 bereits Form angenommen. Die ersten Eigentumswohnungen werden laut Martin Hunger im Juni 2015 übergeben.

Die Häuser Kennedyallee 118 sowie Prinz-Löwenstein-Straße 53 und 55 gehören zum Wohnprojekt des Vereins Wahlverwandtschaften, das die Rheinhaus-GmbH errichtet hat. Vor fast vier Jahren konnten hier die Bewohner in die Mehrgenerationenhäuser einziehen. Ein letztes Grundstück ist nun noch frei. Baubeginn für Abschnitt 3.4 ist voraussichtlich im Oktober. Die 48 Wohnungen, von denen 18 bereits verkauft sind, sollen nach Angaben des Projektleiters spätestens im Dezember 2016 fertig sein. Das heißt, dass die Rheinauer Gärten 27 Jahre nach dem Umzugsbeschluss fertig werden.

Ein Blicks ins Archiv zeigt, welche verschiedenen Pläne in dieser langen Zeit verfolgt und wieder verworfen wurden. 2001 zum Beispiel wollte die Vebowag auf dem brachliegenden Grundstück ein bis zu sechsgeschossiges Gebäude mit 270 Wohnungen für 750 bis 1 000 Mieter bauen. Der "grüne Hügel" sollte sogar ein Schwimmbad auf dem Dach haben.

Dazu ist es ebenso wenig gekommen wie zu einem internationalen Zentrum für Existenzgründer. Unterm Strich entstehen unter der Regie der Bouwfonds in den Rheinauer Gärten 267 Wohneinheiten und 2068 Quadratmeter Gewerbeflächen.

Ein Rückblick

Sommer 1950: Das Amerikanische Hochkommissariat (Hicog) unter John McCloy, der Vorgänger der US-Botschaft, verkündet, seinen Sitz von Frankfurt nach Bonn zu verlegen.

Januar 1951: Eine Findungskommission entscheidet sich für Plittersdorf.

15. Februar 1951: Erster Spatenstich.

5. November 1951: Fertigstellung und Bezug der 458 Wohnungen nach neunmonatiger Bauzeit. Kosten: rund 112 Millionen Mark. Die Baustelle galt bis dahin als größte in Westdeutschland nach dem Krieg.

18. Juli 1952: Einweihung der Stimson Memorial Chapel an der Kennedyallee. Später kommen Kindergarten, zwei Schulen, Geschäfte, Hallenbad, Kino und der Amerikanische Club hinzu.

Sommer 1999: Die USA geben die Siedlung auf. Der südlich der Kennedyallee gelegene Teil, die heutigen "Rheinauer Gärten", auf dem die Versorgungseinrichtungen (Geschäfte, Kino etc.) lagen, wird nach und nach abgerissen. Danach liegt die Fläche brach.

2002: Lange verfolgte Pläne für ein International Business Center, in das Unternehmen aus In- und Ausland einziehen sollten, scheitern an der Wirtschaftlichkeit.

Mai 2007: Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) vergibt den Bauauftrag für einen ersten Abschnitt der Rheinauer Gärten an ihre Tochter Modernes Bonn GmbH. Auf knapp 50 000 Quadratmetern sollen Häuser mit 350 Wohneinheiten entstehen.

Frühjahr 2009: Der erste Abschnitt des neuen Viertels mit 75 Wohnungen ist fertiggestellt. Die LEG wird an den US-Immobilienfonds Whitehall verkauft. Auf der Baustelle tut sich nichts mehr.

Anfang 2011: Die Bouwfonds Immobilienentwicklung GmbH übernimmt das Projekt, die Arbeiten gehen im September weiter.

Mai 2012: Das 28 000 Quadratmeter große Wohngebiet wächst. Als Fertigstellungstermin für die neue Ladenzeile wird Sommer 2013 genannt. (hbl)