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Vorweihnachtlicher Spaziergang: Rüngsdorfer stellen ihre Krippen für Spaziergänger auf

Vorweihnachtlicher Spaziergang : Rüngsdorfer stellen ihre Krippen für Spaziergänger auf

Der Ortsausschuss Rüngsdorf hatte eine zündende Idee und zauberte in zehn Tagen den Rüngsdorfer Krippenweg aus dem Hut. An 30 Stationen dürfen die Spaziergänger innehalten, staunen und träumen.

Eigentlich baut Christian Hoebel seine Familienkrippe jedes Jahr zur Adventszeit im Wohnzimmer auf. Für eine besondere Aktion hat der Rüngsdorfer die 25 Zentimeter großen Holzfiguren nun aber auf den Balkon gestellt. Denn von hier aus sind Maria, Josef und die Hirten gut sichtbar für die Spaziergänger, die auf der Basteistraße unterwegs sind. „Es schauen viele Familien mit Kindern vorbei und mit manchen kommt man auch ins Gespräch“, berichtet Hoebel, der wöchentlich die Positionen der Figuren verändert. „Demnächst, wenn der vierte Advent naht, kommen die Sternleute näher an die Krippe“, sagt er. Zurzeit thronen die drei Könige noch über dem kleinen Stall auf dem Fenstersims.

An dem kürzlich ins Leben gerufenen Rüngsdorfer Krippenweg beteiligen sich viele Geschäfts- und Privatleute. Insgesamt konnten so rund 30 Krippen vor den Haustüren und Vitrinen platziert werden. Besonders gelungen sei dabei die Vielseitigkeit, die die Passanten bestaunen könnten, sagt Monika Gottmann. Die Vorsitzende des Rüngsdorfer Ortsauschusses hatte die Idee zu dem vorweihnachtlichen Spaziergang durch den Ortsteil. „Da wegen der Corona-Pandemie das alljährliche Weihnachtssingen nicht stattfinden kann, sind wir spontan auf die Idee mit der Krippentour gekommen.“ Den Krippenweg kannte Gottmann schon aus Köln und war davon überzeugt, dass so eine Aktion auch in Rüngsdorf funktioniert.

Gesagt, getan. Innerhalb von nur zehn Tagen sei der Spaziergang samt Stationen organisiert worden. „Die Menschen zum Mitmachen zu bewegen, war nicht schwierig. Viele haben große Lust auf die Aktion“, sagt Gottmann. Problematischer sei hingegen gewesen, dass einige Geschäfte und Haushalte keine Krippen besessen hätten. Aber auch hier wussten sich die Rüngsdorfer zu helfen: „Manche haben die Krippen aus dem Internet besorgt, andere konnten sich welche aus dem Bekanntenkreis organisieren. Dafür, dass das so kurzfristig war, hat das toll geklappt“, erzählt Gottmann, die in dem vorweihnachtlichen Rundgang auch eine gute Möglichkeit zur Bewegung sieht, denn gerade in Corona-Zeiten sei es wichtig, dass die Menschen an die frische Luft kommen. „Mit dem Krippenweg haben gerade Familien mit ihren Kindern eine gute Alternative zum Weg am Rhein.“

Krippenweg auch im nächsten Jahr geplant

Und zu entdecken gebe es für die Kleinen und Großen ohnehin Einiges: In einem Schaufenster steht eine Krippe, die Kinder aus Pappe gebastelt haben, und in einem anderen Fenster steht eine Krippe, die komplett aus Filz ist. Andere Krippenbauer haben sich bei der Gestaltung ihrer Scheunen in der Natur bedient. So kann man zum Beispiel eine Krippe aus Schwemmholz und Steinen vom Rhein sehen.

Die wohl kleinste Krippe steht übrigens im Fenster der Espressobar 5 Senses, die mit 160 Jahren älteste Krippe steht in der Apotheke am Römerplatz. Sogar eine mexikanische Krippe hat es in einen Vorhof in der Heisterbachstraße geschafft. „Ich bin froh und sehr dankbar, dass so viele Menschen mitgemacht haben und sich auch noch mehr Haushalte anschließen“, sagt Gottmann. Mit ihrem Mann geht sie den Weg häufiger ab, dabei beobachtet das Ehepaar viele Menschen, die begeistert an den Krippen stehen.

Eine ideale Tageszeit zum „Krippen gucken“ gibt es aber nicht, denn Tageslicht und Dunkelheit hätten beide ihre Vorteile. „Bei Tageslicht sieht man mehr die Feinheiten, also Gesichter und versteckte Motive. Im Dunkeln kann man hingegen mit den vielen Lichtern die schöne Stimmung spüren“, findet Gottmann. Demnach lohne es sich, den Rundgang zu verschiedenen Zeiten zu machen, auch weil sich in den vielen Schaufenstern bis Weihnachten noch so manche Dinge verändern könnten.

Vor der Haustür von Eduard und Eldeltraud Jagusch drücken Lea (4) und Anna (2) ihre Nasen an die Scheibe. Durch ein kleines Dorf fährt hier eine Modelleisenbahn. „Wir haben schon die ganze Runde gemacht und halten an dieser Krippe immer gerne an, weil sich hier häufiger was verändert“, sagt die Mutter. Es sei sehr schön, abends in die vielen beleuchteten Vitrinen zu sehen. „Die Kinder suchen dann immer das Christuskind“, so die Mutter. Modelleisenbahnbesitzer Jagusch kündigt an, dass sich das Schaufenster noch verändern werde. „Ich will das Dorf lebendig halten und auch zu der Krippe wird noch etwas dazu kommen“, so Jagusch.

Den wohl schönsten Stellplatz hat aber die Krippe von Floristin Gaby Till. Eingerahmt mit Tannenzweigen, Christbaumkugeln und Blumen steht die Kiste vor dem Blumenladen Stil & Blüte. „Ich finde, dass die Menschen gerade in diesen schweren Zeiten sich an schönen Dingen erfreuen sollen“, sagt Till. Dafür habe ihr Mann extra die Scheune gefertigt und sie die Figuren im Handel erworben. Nächstes Jahr soll es den Krippenweg wiedergeben, das haben schon viele Teilnehmer zugesagt, so Gottmann. Auch Christian Hoebel wird dann seine Familienkrippe wieder auf den Balkon stellen, sagt er.