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Deutsche Museum in Bonn: Schon die Väter haben damit gespielt

Deutsche Museum in Bonn : Schon die Väter haben damit gespielt

Das Deutsche Museum feiert den 95. Geburtstag des Erfinders Artur Fischer mit einem Bastel- und Tüfteltag.

Was aus diesen beiden Rundbögen werden sollte, wusste Frank Becker noch nicht. Der 49-jährige Bonner hatte einfach mal angefangen zu bauen, einige Plastikteile zusammengesteckt, mal sehen, wohin das führte. Sein Sohn Markus half ihm dabei. Mit seinen sieben Jahren ist er jetzt etwa so alt wie sein Vater war, als er mit Fischer Technik zu basteln begann.

Beide waren gestern im Deutschen Museum, das zum Tüfteltag rund um Fischer Technik und TiP eingeladen hatte. Für Becker war das eine Reise zurück in seine Kindheit. "Das war damals eine Revolution", erinnert er sich. Und eine starke Konkurrenz für den Märklin Metallbaukasten. "Der Vorteil war, dass es sehr einfach war, und erschwinglicher." Ein flexibles System, aus dem man alles mögliche bauen konnte: Damit habe er damals viel gearbeitet.

Genauso wie Reinhold Ziegert, der an einem Kran bastelte. "Das kenne ich aus meiner Kindheit", sagte der 50-Jährige. "Und ich habe das weitergegeben." Sein neunjähriger Sohn Thomas ist begeisterter Bastler. "Ich habe jetzt auch einen Kontroller bekommen und vier andere Technikblöcke." Dabei ist er lieber selber kreativ. "Nach Anleitung baue ich nicht mehr so viel." Zum Bauen mussten sie also eigentlich nicht ins Museum kommen. "Ich will sehen, was es noch an anderen Teilen gibt", sagte der Neunjährige.

Das Deutsche Museum pflege einen engen Kontakt zu Erfinder Artur Fischer (siehe Infokasten), sagte Museumsmitarbeiterin Susanna Philips. Dessen 95. Geburtstag am 31. Dezember nahm man zum Anlass für diesen Bastel- und Tüfteltag für die ganze Familie. Fischer ist auch ein eigener Schaukasten in der Ausstellung gewidmet. Museumsmitarbeiter Philipp Bielefeldt zeigte den Besuchern außerdem, was mit Fischer Technik alles möglich ist: Zum Beispiel könne man damit Erfindungen von Leonardo da Vinci wie den Kran mit Sperrklinke, die Drehbrücke und das Katapult nachbauen. Der Physikstudent hat zu Hause viel damit gebastelt - jetzt habe er in seiner Studentenbude keinen Platz mehr dafür, sagte er. "Wir haben in der Physik aber auch viele Aufbauten mit Lego und Fischer Technik."

Die Technik-Ecke hatten Zoe (10), Manü (8) und Mats (6) schnell hinter sich gebracht. Spannender war für die Geschwister der Fischer-TiP-Basteltisch. Aus den weichen bunten Kleinteilen, die nur aus Kartoffelstärke und Lebensmittelfarbe bestehen und deshalb notfalls auch verschluckt werden können, bastelten sie ein Fahrrad, eine Brille, ein Haus und andere Dinge. "Man muss die Teile nur anfeuchten und zusammenkleben", erklärte Zoe. Auch wenn sie eigentlich der Ansicht war, schon zu alt dafür zu sein, hatte sie doch eine Menge Spaß.

Der Basteltag eröffnete gestern das Veranstaltungsjahr 2015 im Deutschen Museum. In diesem Jahr gibt es einen Grund zum Feiern: Am 3. November wird die Bonner Zweigstelle des Deutschen Museums in München 20 Jahre alt. Dazu gibt es dann eine große Feier.

Weitere Informationen auf www.deutsches-museum.de/bonn.

Artur Fischer

Artur Fischer wurde am 31. Dezember 1919 im baden-württembergischen Waldachtal geboren. Er wird auch "Patentmeister" genannt, denn er hat mehr als 1100 Patente und Gebrauchsmuster angemeldet. Einige seiner Erfindungen sind weltbekannt: Neben Fischer Technik und TiP gehen der S-Dübel, ein Blitzgerät für Fotoapparate und das elektrische Feuerzeug auf ihn zurück. Fischer ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und anderer Ehrungen. Mitte 2014 wurde er mit dem Europäischen Erfinderpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.