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Umgestaltung der Godesberger City: Schon vor 34 Jahren gab es Ideen für den Theaterplatz

Umgestaltung der Godesberger City : Schon vor 34 Jahren gab es Ideen für den Theaterplatz

Schon 1987 gab es Pläne, den Godesberger Theaterplatz neu zu gestalten. Damals scheiterte es vor allem am Widerstand der Geschäftsleute. Eine virtuelle Ausstellung, die im Trinkpavillon entsteht, soll die alten Ideen in die aktuelle Debatte mit einbeziehen.

Die Bad Godesberger Innenstadt soll neugestaltet werden. Die Diskussionen zur Neugestaltung dieses Bereichs beschäftigen Kommunalpolitik und Bürgerschaft seit dem Beginn des Leitbildprozesses 2018 und zudem seit vielen Jahrzehnten. Denn auf Beschluss des Bonner Hauptausschusses vom 12. Mai 1987 wurde schon damals die Stadtverwaltung beauftragt, „wie die im Rahmen der Ideensammlung zur Neugestaltung des Theaterplatzes erarbeiteten Vorschläge der Architekten Heichel, Schweizer und Wiesemann im Hinblick auf eine Realisierung weiterentwickelt werden könnten“.

 Einer der Gestaltungsvorschläge von damals zeigt eine große Freifläche vor dem Schauspielhaus in Richtung Godesburg.
Einer der Gestaltungsvorschläge von damals zeigt eine große Freifläche vor dem Schauspielhaus in Richtung Godesburg. Foto: Repro: Alfred Schmelzeisen

Damals kam es dann nicht zur Realisierung. Das lag am Widerstand der Eigentümer rund um den Theaterplatz, die sich nicht mit Wohlfühlzonen für City-Besucher, einem richtigen Platz direkt vor dem Schauspielgebäude und Beschattung von Geschäftsräumen durch vorgebaute Arkaden nach italienischem Vorbild anfreunden wollten.

Aber der ehemalige Bad Godesberger Bezirksvorsteher Norbert Hauser, der von 1979 bis 1994 im Amt war, erinnerte sich im vergangenen Jahr angesichts des zu erarbeitenden „Masterplan Innenstadt“ an die in den 1980er Jahren vorgelegten Pläne.

„Spannende und kreative Ideen für die Gestaltung des Theaterplatzes gab es schon vor drei Jahrzehnten“, findet sein heutiger Nachfolger, Bezirksbürgermeister Christoph Jansen, nach Durchsicht der Akten. Jansen war damals drei Jahre alt und erlebt nun die Ideen von einst als ideale Ergänzung zur aktuellen Diskussion. Es ist ein „Blick zurück und auch ein Blick nach vorne“ – damals war Online-Handel für die Geschäftswelt undenkbar. „Eine nachhaltige Belebung der Bad Godesberger Innenstadt wird es durch mehr Verkaufsflächen heute wegen der Auswirkungen des Online-Handels vermutlich nicht geben,“, fürchtet Jansen.

Die Bevölkerung wünsche sich die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Innenstadtbereich über die Öffnungszeiten hinaus. Dazu zählten Raum- und Fassadengestaltungen, Bepflanzungen und das Element Wasser. Damit könnte die Innenstadt wieder gewinnen, wenn Menschen diese als Treffpunkt und zum Verweilen neu schätzen lernen, hieß es beim ersten Blick auf die gesammelten Ideen.

Ausstellung wird im Trinkpavillon digitalisiert

Hauser ging für die aktuell europaweit laufende Ausschreibung im Stadtarchiv und bei den 1986/87) neun beteiligten Architekten auf die Suche nach alten Plänen der Gestaltungsvorschläge. Leider konnten nur Unterlagen von fünf Büros beschafft werden. Jansen und Joachim Schäfer (Verein Bürger.Bad.Godesberg) unterstützten Hauser hierbei und der Verein stellt aktuell den Trinkpavillon neben der Stadthalle für die Erstellung einer digitalen Ausstellung zur Verfügung.

Es gibt auch schon Ideen, die Ausstellung mit den teilweise sogar handkolorierten Plänen auch an anderer Stelle, wie beispielsweise in den Räumen der Volkshochschule zu zeigen. „In der Volkshochschule auf den City-Terrassen haben wir auch 1987 der Bürgerschaft die Pläne präsentiert“, erinnert sich Norbert Hauser.

„Die Ideen und Pläne sind von so hoher Qualität, dass ich die Idee, sie der Öffentlichkeit in einer Ausstellung im Trinkpavillon wieder zugänglich zu machen, gerne aufgegriffen habe“, sagt Bezirksbürgermeister Jansen. Die Architektenentwürfe von 1987 könnten mit ihrer Bestandsaufnahme und den Entwürfen samt  Modellen wertvolle Hilfestellungen für die neuen Architekten und für den Dialog mit den Bürgern liefern. Da Corona aktuell noch keine Ausstellungsbesuche auf engem Raum zulässt, nutzte der Verein seine Zusammenarbeit mit Karl Hergarten (design-communication-concepts), um einen großen Teil der aushängenden Pläne digital zu bearbeiten.

Interviews mit den Architekten von damals geplant

Für das 3D-Format sorgt die Firma BD Media UG Bonn, die auch schon andere Bad Godesberger Gebäude im 3D-Format aufgenommen hat. Aktuell sind die Ausstellungswände so gestellt, wie die Gebäude am Theaterplatz im Original seit Jahrzehnten angeordnet sind.

Nun plant Hauser Interviews mit den Architekten von damals, die in die Präsentation eingebaut werden sollen. Für die Ausstellungsmacher ist die zielgerichtete Ausschreibung bei der europaweiten Ausschreibung, Planer mit Ortsbindung zu finden, um mit den Bürgern die natürliche und gebaute Umwelt so zu entwickeln, dass daraus Baukultur wird. Fertig sein soll das Ausstellungsprojekt in Kürze; es soll dann in der Woche nach Ostern unter www.bad-godesberg-portal.de im Internet zu sehen sein. Die Macher wollen es ständig mit Kommentierungen erweitern. Und wenn Corona dies zulässt, dann natürlich auch live zeigen.