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Chinesen auf Stippvisite im Deutschen Museum: Schüler-Labor als Exportschlager

Chinesen auf Stippvisite im Deutschen Museum : Schüler-Labor als Exportschlager

Rund 300 junge Chinesen geben sich ein Stelldichein im Museum. Der Besuch in der Experimentierküche ist Teil ihrer zweiwöchigen Europareise.

Mit China verbindet Andrea Niehaus aufregende Erinnerungen. Schwebende sozusagen. Im Transrapid. Bei einem Aufenthalt im "Reich der Mitte" kam die Chefin des Deutschen Museums Bonn auf der einzigen Transrapidstrecke im öffentlichen Personenverkehr in den Genuss, sich bei 400 Stundenkilometern mal so richtig in den Sitz drücken zu lassen. Ein Wagen des Hochgeschwindigkeitszugs steht bekanntlich vor dem Eingang des Deutschen Museums an der Ahrstraße.

Dass in Bonn Gummibärchen gekocht werden, hatten die meisten der 15- bis 18-jährigen Jugendlichen schon gehört. Schließlich steht bei ihrer Europareise nicht nur die schulische, sondern auch die kulturelle Bildung auf dem Programm. Und zum zeitlosen Portfolio Bonns gehören aus der Perspektive des Fernen Ostens neben den klangvollen Erzeugnissen Ludwig van Beethovens auch immer mehr die schmackhaften Produkte aus dem Hause Haribo.

Und ebenso das Deutsche Museum, wie Andrea Niehaus hofft. Sie freut sich sichtlich über die Anerkennung, welche ihr Haus im fernen China genießt. Eine asiatische Delegation hatte die Bonner Institution als passend auserkoren und in das Programm aufgenommen. "Für uns ist das eine großartige Sache", sagt sie. 300 chinesische Schülerinnen und Schüler kommen in diesen Wochen - in ihren Schulferien - sukzessive in Kleingruppen in das Schüler-Labor, das gleich hinter dem Eingangsbereich des Museums liegt.

Dort trifft es sich, dass Museumsmitarbeiterin Melanie Schrimpf, die den Kursus leitet, selbst acht Jahre in Schanghai gelebt hat. Verständigungsprobleme gibt es also schon mal nicht. Dass die durchaus lockere Versuchsanordnung und das interaktive Experimentieren "auf Zuruf" für die jungen Chinesen durchaus etwas Besonderes ist, lässt sich ihrem Eifer anmerken. "In China ist eher Frontalunterricht üblich. Viele einzelne Schritte passieren auf ausdrückliche Anweisung", berichtet Schrimpf von ihren Erfahrungen und umschreibt einige Unterschiede im Bildungssystem.

Für das Deutsche Museum ist die Kooperation mit China bislang die einzige, welche derart intensiv gepflegt wird. Wenngleich, wie Andrea Niehaus ergänzt, auch zu Bildungseinrichtungen in den Niederlanden und in Frankreich bereits intensive Bande gehalten würden. 3000 Jugendliche besuchen das Schüler-Labor jährlich - damit liegen die Bonner im Kreis vergleichbarer Einrichtungen in Deutschland an der Spitze. Zählt man noch die Teilnehmer des Kursprogramms und der Sonderaktionen wie Kindergeburtstage hinzu, so bevölkern im Jahr rund 6000 Kinder das Museum.

Für das Wissenschaftsmuseum sind die Sommermonate eine gute Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten und Leistungen herauszustellen: "Dass wir sang- und klanglos untergehen sollen", so Niehaus mit Blick auf die versiegenden Zuschüsse der Stadt und das drohende Aus für das Museum, "entspricht in keiner Weise unseren Aktivitäten für die ganze Region".

Das Werben um Touristen, etwa auf der Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin, sei dabei nur ein Baustein. Und angesichts des guten Rufs, den deutsche Technik in China bekanntlich genießt, entfalte dort ein Haus namens "Deutsches Museum" eine ungebrochene Magnetwirkung. Niehaus setzt deshalb darauf, dass die Kooperation mit China zu einem echten und dauerhaften Exportschlager wird. Auf zumindest eine deutsche Vokabel dürfte das schon jetzt zutreffen: "Gum-mi-bär-chen" repetieren die jungen Asiaten lachend im Chor, als sie die fertigen Produkte ihres Besuchs im Schüler-Labor in den Händen halten.